Basel Ein Flughafen, wie es ihn kein zweites Mal gibt

 Foto: Rolf Reißmann

Der Flughafen Basel-Mülhausen-Freiburg ist am 8. Mai 75 Jahre alt geworden. Gemerkt hat eigentlich kaum jemand, denn gefeiert wurde nur im Stillen. Aus Anlass des Jubiläums des einzigen binationalen Flughafens der Welt ist jedoch ein neues Buch erschienen. Am Freitag wurde es vorgestellt.

Von Rolf Reißmann

Basel. Aus einst vorsichtig-hoffnungsvollem Beginn hat sich einer der bedeutenden Flughäfen Europas entwickelt. Zwar kann der EuroAirport sich nicht mit den ganz Großen wie London, Amsterdam, Frankfurt und Zürich messen, aber selbst die Flughäfen solcher Ballungszentren wie Leipzig/Halle oder Dortmund steckt er mit seinen Passagierzahlen locker in die Tasche.

Auch sonst hat der EuroAirport noch etwas Einmaliges: eine sonst kaum zu findende Fangemeinde. Damit sind nicht die an jedem Flughafen auftauchenden „Planespotter“ gemeint, also Fotografen, die auf der Jagd nach besonderen Maschinen sind. Der EuroAirport hat unzählige Freunde, die ihn wegen seiner vielen Besonderheiten lieben. Genau das war auch der Grund, dass zum Jubiläum ein neues Buch erschien, das am Freitag in Basel vorgestellt wurde.

Flughafen mit großer Fangemeinde

Zur Runde der etwa 60 Gäste gehörten allesamt Personen, die mit dem Aufschwung dieser Drehscheibe des Luftverkehrs in den vergangenen Jahrzehnten zu tun hatten. Drei Flughafendirektoren waren gekommen: die ehemaligen Paul Rhinow und Jürg Rämi und der heutige Matthias Suhr. Urs Sieber, er leitete den EuroAirport von 1997 bis 2002, ist leider vor einigen Monaten verstorben.

Moritz Suter, der große Gestalter des Basler Luftverkehrs, saß unter den Gästen. Angesichts dieser vielen Bekannten kamen Erinnerungen auf. So an das Jahr 1996, als Suter sein Hub-Konzept vorstellte, um Basel/Mulhouse zu einem Umsteigeknoten in Mitteleuropa zu entwickeln, verbunden mit weiterem Ausbau von Flugfeld und Terminal.

1997 wurde im Abflugbereich der Grenzübergang zwischen der Schweiz und Frankreich geöffnet – zunächst mit Kontrollen, bis die Schweiz anno 2004 dem Schengen-Abkommen beitrat. Gut in Erinnerung ist auch noch die in den 1990er Jahren aufstrebende Cross­air.

Wenn Moritz Suter Bilanzen oder Prognosen vorstellte, wussten alle Zuhörer, dass es auch lustig würde. Der gewandte Redner verkaufte nicht nur sein Unternehmen mit Bravour, er war auch einer der engagiertesten Fürsprecher des EAP.

Wie oft wurde hier Geschichte geschrieben

2002 wurde der EuroAirport zum Schauplatz des größten Schocks der Schweizer Luftfahrt und zugleich Ausgangsort der Neugeburt. Nach der Pleite der SwissAir übernahm Crossair das nationale Fluggeschäft und opferte sich als Keimzelle der neuen Swiss. Für den Flughafen Basel/Mulhouse/Freiburg, wie er inzwischen offiziell heißt, begann 2004 ein neuer Aufschwung, da nämlich eröffnete EasyJet seine Betriebsbasis.

Aber auch wirklich Nichtalltägliches gehört zu diesem Flughafen. Da ist zum Beispiel die Übernahme der großen Kunstinstallation „Der Luminator“ von Jean Tinguely. Nach Wanderjahren fand dieses gigantische Werk des Basler Künstlers hier seinen dauerhaften Platz. Nebenan, auf der französischen Seite des Obergeschosses, treffen sich seit 2003 Luftfahrtenthusiasten an Souvenirbörsen. Was boten die „Luftfahrtverrückten“ da schon alles an: Ansichtskarten, Modelle, Flugzeugteile und selten gewordenes Interieur. Doch warf Corona auch diese Treffen aus der Bahn.

Initiator des Buchs ist Marcel Tschudin

Und genau weil dieser Flughafen etwas ganz Besonderes ist und so viele Freunde hat, fanden sich einige von ihnen zusammen und baten etliche Kenner und Beteiligte um ihre Erinnerungen. Daraus wurde nun ein Buch zusammengestellt. Dieses ist, wie Initiator und Autor Marcel Tschudin bei der Präsentation in Basel erläuterte, keine weitere Chronologie, Statistik oder Darstellung der technischen Abläufe, sondern Emotionen und Erinnerung an persönliches Mitwirken waren gefragt. Dabei greift das Buch Themen auf, die man erst auf den zweiten Blick mit diesem Flughafen in Verbindung bringt – zum Beispiel das Rettungsflugwesen.

Vor allem aber begeistern die Bilder. Flugzeuge sind sicherlich für die Enthusiasten immer ein begehrtes Motiv, doch die Umgebung zeigt das Charakteristische des EuroAirports. Bilder erinnern an die alte Balair, zeigen auch ganz besondere Maschinen, die als exotische Gäste hier landeten.

Corona überwunden

Mitherausgeber Werner Soltemann beschrieb die Fülle von 20 000 Bildern, die zur Auswahl standen. Dieser sehr persönliche Rückblick zeigt etliches bisher Übersehenes.

Gerade ist der EAP dabei, seinen Corona-Schock zu überwinden. Im Vorjahr brachen die Passagierzahlen um fast 99 Prozent ein. Erst der Juli dieses Jahres brachte wieder ein ausgeglichenes Ergebnis. Doch der EuroAirport wird wieder hochfliegen, weil die Region ihn braucht. Das Jubiläumsbuch macht ihn sympathisch.

Weitere Informationen: EUROAIRPORT – 75 Jahre Flughafen Basel-Mulhouse-Freiburg, Herausgeber Marcel Tschudin u.a. ISBN 978-3-9525241-2-1.

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