Basel Ein musikalisches Universum

 Foto: Bettina Matthiessen

Von Gabriele Hauger

Basel. Neue Musik? Damit verbanden vor 20 Jahren viele eher schwierige Klänge – ein Vorurteil, das sich bis heute hält. Kräftig dagegen gewirkt hat der Gare du Nord, Bahnhof für neue Musik, der in der anstehenden Saison 20 Jahre alt wird. Damals als ambitioniertes, mutiges Pilotprojekt gestartet, ist der am Badischen Bahnhof angesiedelte Kulturort längst etabliert und hat sich zum international anerkannten Zentrum für zeitgenössische Musik entwickelt. Das Führungsteam hat nun Rückblick gehalten und Höhepunkte der anstehenden Saison präsentiert.

Corona-Zeit

Natürlich litt auch der Gare du Nord unter Corona. „Andererseits hatten wir mehr Zeit zur Reflexion, zum internationalen digitalen Austausch, konnten Perspektiven schaffen, wie wir weiter und intensiver neue musikalische, kulturelle und gesellschaftspolitische Strömungen in unsere Programm aufnehmen“, erklärte die künstlerische Leiterin Désirée Meiser. Zudem wolle man gerüstet sein für neue Aufführungsformen: hybrid, transdiziplinär und interaktiv – auch das eine Lehre aus der Pandemie.

20 Jahre Gare du Nord

„Zum 20. Geburtstag inszenieren wir im Bahnhof den Ausnahmezustand“, verkündet Meisner – und meint natürlich einen ganz im positiven Sinne. Gemeinsam mit langjährigen Partnerensembles und Künstlerfreunden wird gefeiert. Sinnbild dafür soll das szenische Projekt „Senza Ora“ sein. Dazu gehört eine Klanginstallation, in der quasi alle Musikformen vereint werden, die über die Jahre im Gare du Nord zu hören waren: Je nachdem, wo man sich im Raum befindet, trifft man auf verschiedene Klangwelten: zeitgenössisch, klassisch, barock bis mittelalterlich. Alle Ensembles, die hier von Oktober an bis zum Geburtstagsfest am 19. Februar auftreten, können diese Klanginstallation in ihr Programm miteinbeziehen. Das Musiktheater „Senza Ora“ (Premiere: 20. Oktober) beleuchtet insgesamt die Flüchtigkeit der Musik und geht der Frage nach: Wohin geht die Musik, wenn sie nicht auf Papier oder Tonträger gebannt ist? „Fragen an die Zeit, die Vergänglichkeit, die Sinnhaftigkeit, die als Improvisationsbausteine genutzt werden“, erklärt Meiser.

Liebe zur Neuen Musik

Eine Liebeserklärung an die Neue Musik will das Ensemble Interface bieten. Dabei werden die Musiker unter anderem gemeinsam einen riesigen Klangkörper spielen, der von einem Instrumentenbauer speziell für sie angefertigt wurde, ein mobiler Resonanzkörper kreiert eine Art Musiktheater. Bei einer weiteren Inszenierung verkuppeln Performer ihre Körper mit elektrischen Stromkreisen. Blut und Strom fließen durch eine Art Mensch-Maschine-Mischwesen. Aus den mit Sensoren aufgezeichneten Bewegungen entstehen digitale Hörräume.

Transformationsprojekt

In der Pandemie stand der Musiksaal leer. Rund die Hälfte aller geplanten Konzerte musste 2020 abgesagt werden. Die „toten Räume“ dennoch zu nutzen, mehr technische Infrastruktur zu schaffen, war die Konsequenz. Ein Transformationsprojekt wurde initiiert. Zum einen wurde in hybride Formen investiert, die neue Produktionsweisen erlauben, bei denen physische Präsenz nicht immer notwendig ist.

Ganz konkret öffnet sich zudem die Bar du Nord mit neu möblierter Terrasse und Fürstengarten für die Quartiere ringsum, will Begegnungen mit der Stadtbevölkerung schaffen, beispielsweise durch das Angebot eines sonntäglichen Familienfrühstücks. Durch diese Belebung sollen laut Meiser neue Publikumsschichten auf den Gare du Nord aufmerksam machen.

Offenes Büro

Außerdem wurde ein offenes Büro geschaffen: ein Beratungs- und Austauschort ohne Konsumzwang für Künstler, Musiker und Kulturschaffende. Diesen soll hier auch beratend geholfen werden.

Essentiell bleibt für den Musikbahnhof die Vermittlung. Und so gibt es weiterhin das begleitende Gesprächsformat Mittendrin für Schulklassen, Weiterbildung oder Ferienworkshops und VHS-Kooperationen. Konzertreihen wie Nachtstrom, Dialog oder Promenaden werden fortgeführt.  Detailliertes Programm unter: www.garedunord.ch

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