Riehen (sus). Zur Eröffnungsfeier der Dauerausstellung „Zuflucht und Abweisung“ in der Gedenkstätte Riehen kamen Zeitzeugen des Holocaust und deren Angehörige, um vor den Gästen zu sprechen.

Die Riehener Gedenkstätte, die im ehemaligen „Weichenwärterhäuschen“, das der Deutschen Reichsbahn gehörte, untergebracht ist, stellt die einzige in der Schweiz dar, wo der jüdischen Flüchtlinge gedacht wird. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs waren viele Juden auf der Flucht und wollten über die deutsch-schweizerische Grenze in die Alpenrepublik kommen – manche fanden Zuflucht, andere wurden abgewiesen. „Die Schweiz braucht diesen Ort der Erinnerung“, ist Johannes Czwalina, Leiter der Gedenkstätte, überzeugt.

François Wisard vom Historischen Dienst im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten in Bern betonte die Wichtigkeit dieser Ausstellung. An das Leid des Holocausts zu erinnern und der Opfer zu gedenken, sei ebenso wichtig wie das heutige Bewusstsein für Antisemitismus und Diskriminierung zu schärfen. „Die Schweiz ist keine Insel, sondern eng mit der europäischen Geschichte verbunden“, sagte Wisard. So werde in der Gedenkstätte Geschehenes eingeordnet und ein großer Teil zum Schweizer Geschichtsverständnis beigetragen.

Als Gesandte des deutschen Botschafters aus Bern kam Sabine Seidler, die in ihrer Ansprache auf den Ort Riehen mit seiner unmittelbaren Grenznähe einging. „Riehen zeigt die Gegensätze, die so nah beieinander lagen“, meinte Seidler. „Auf der einen Seite das Deutsche Reich, auf der anderen die neutrale Schweiz.“ Die Flucht in die Schweiz sei für viele ein Ausweg gewesen, doch selbst dort war es nicht einfach: „Militärischer Drill und harte körperliche Arbeit prägten das Leben vieler Juden in der Schweiz“, erklärte Gabriele Bergner, Kuratorin der Ausstellung.

Während des Zweiten Weltkriegs nahm die Schweiz rund 300 000 Menschen auf und rettete vielen das Leben. „Wären nicht aber mehr möglich gewesen?“, fragte Bergner.

Als Zeitzeugen kamen Julius Katz aus Birmingham, seine Nichte Lilian Kauders aus Wien sowie Herbert Lande aus Illinois (USA) und Kurt Fleischner aus Wien. Katz wurde erst vor wenigen Tagen 90. Mit seiner Familie floh er als Junge von Wien in die Schweiz – doch die Familie durfte zunächst nur wenige Tage bleiben. Seine Nichte Lilian Kauders freute sich, dass ihre Familiengeschichte Teil der Ausstellung ist.

Herbert Lande ist ebenfalls mit Katz und Kauders verwandt und kam aus den USA zur Eröffnungsfeier. „Das einzige Verbrechen meiner Eltern war es, Juden zu sein“, sagte er. „Ich bin froh, dass sie es in die USA geschafft haben.“ Fleischner berichtete von der missglückten Flucht seines Vaters, und wie sich seine Eltern als Inhaftierte kennenlernten und nach der Befreiung gemeinsam nach Wien zurückkehrten. „Schlimme Geschehnisse brennen Wunden ins kollektive Gedächtnis“, erklärte er.

Im Anschluss an die Reden enthüllte Czwalina Gedenktafeln an die Flüchtlinge.