Basel Einblicke in die Forschung im Museum der Kulturen

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Kuratorin Beatrice Voirol zeigt Museumsgästen Gegenstände aus dem Hiva-Oa-Depot. Foto:  

Die Besucher zeigen sich interessiert an der Reihe „Vor aller Augen“ des Museums der Kulturen Basel. Dort können Besucher noch bis zum 21. Juli den Provinienzforschern über die Schulter schauen und mit ihnen ins Gespräch kommen.

Die 47 Objekte, die Ende Mai nach Sri Lanka zurückgeführt wurden, sind gut angekommen. Die dortigen lokalen Medien haben darüber berichtet, wie der Dailymirror oder News 1st, schreibt das Museum der Kulturen in seiner Mitteilung. Einen Moment lang habe sie schon geschluckt, berichtet Museumsdirektorin Anna Schmid, als die Objekte abtransportiert wurden. Doch die leise Trauer habe sich schnell in Freude verwandelt über die Rückgabe, als die Delegation aus Sri Lanka begeistert Inhalte und Wissen zu den Objekten teilte.

Forschung zum Zuschauen

Seit Mai betreibt das Museum der Kulturen Basel (MKB) die Provinienzforschung öffentlich und hat dazu die Reihe „Vor aller Augen“ ins Leben gerufen. Dazu haben Forscher und Restauratoren ihre Arbeitsplätze ins Museum verlegt, anstatt verborgen hinter den Kulissen zu arbeiten. Die Provinienzforschung geht der Frage nach, wie Gegenstände gesammelt, erworben und mitunter angeeignet wurden und auf welchen oft verschlungenen Pfaden sie oft ins Museum gelangten. Die Sammlung des Museums umfasst 340 000 Objekte. In der Reihe „Vor aller Augen“ lässt das MKB nun auch die Öffentlichkeit an diesen Geschichten und dem Austausch der dadurch entsteht, teilhaben.

Dialog und Austausch

Den Start der Reihe hatte das Projekt „Dambana, Sri Lanka“ gemacht. In zwei Gesuchen hatten Veddah Gemeinschaften 2022 um die Rückgabe von 47 Objekten nach Dambana. Gesammelt wurden die Dinge einst vom Forscherpaar Fritz und Paul Sarasin. Die Anträge führten zu Herkunftsforschung, Gesprächen und einer Forschungsreise nach Sri Lanka. Noch bis zum 21. Juli steht das Projekt „Hiva Oa, Französisch-Polynesien“ im Fokus. Im Jahr 1932 waren die Basler Lucas Staehelin und Theo Meier auf die Marquesas-Insel Hiva Oa, um eine Sammlung anzulegen. Mit Objekten aus dieser Sammlung und in Zusammenarbeit mit dem Museum soll eine Ausstellung vor Ort realisiert werden. Auch dabei können sich die Besucher kundig machen, welche Schritte für die Umsetzung nötig sind. Das Publikum hat bisher großes Interesse am Projekt „Vor aller Augen“, schreibt das MKB in einer Mitteilung. Forscher und Restauratoren haben oft lange Gespräche mit den Besuchern im Museumsraum geführt.

Viele seien darüber derselben Meinung wie eine englischsprachige Besucherin: „This is the Museum of Cultures – so when other cultures ask for their things back, it’s the right thing to return them.“ Zu Deutsch in etwa „Das ist das Museum der Kulturen – wenn also andere Kulturen ihre Gegenstände zurückfordern, ist es das Richtige, diese zurückzugeben.“ Ein anderer Besucher kommentierte, die Rückgabe von Kulturgütern und den Dialog mit den Herkunftsgesellschaften laut Mitteilung des Museums so: „Ein Weg, alte Grenzen zu sprengen“. Eine weitere Besucherin meinte: „Die Ungerechtigkeit in Zusammenhang mit Museumssammlungen wurde uns bereits früher bei Museumsbesuchen klar, aber die neue Generation geht neue Wege: den des Austauschs und Dialogs.“ Sie fände es spannend, meinte eine andere Besucherin, wie die Objekte verschiedene Leben hätten.

Sie ergänzte, dass dies vielleicht die Aufgabe des Museums sei, in Beziehung zu treten und Dialoge aufrechtzuerhalten. Und sie hofft, dass das Museum in Kontakt bleibt und Videos erhält, die berichten, was mit den Objekten passiert, wie zum Beispiel der Zeremonialpfeil wieder genutzt werde. In der Gruppe der Veddah charakterisiert er als Statussymbol übrigens das Oberhaupt. Von einer Konservatorin im MKB ist er vor der Rückgabe gereinigt worden. Ein weiterer Besucher wollte wissen, ob bei Rückgaben auch etwas zurückkomme.

Neue Partnerschaften

Im Fall der Objekte aus Sri Lanka hat das Museum neue Partnerschaften gewonnen und dank des Austauschs wertvolles Wissen. Im Fall des Baums „thulu“, dessen Rückkehr nach Australien ebenfalls feststeht, wird es zudem ein Gegengeschenk geben. Die Reihe „Vor aller Augen“ geht nun weiter. Noch bis zum 21. Juli läuft das Projekt „Hiva Oa, Französisch-Polynesien“.

Museum der Kulturen Basel: Geöffnet Sonntag von 10 bis 18 Uhr (Haupthaus) und jeden ersten Mittwoch von 10 bis 20 Uhr. Infos: https://www.mkb.ch

Weitere Infos

Museum der Kulturen Basel
Geöffnet Sonntag von 10 bis 18 Uhr (Haupthaus) und jeden ersten Mittwoch von 10 bis 20 Uhr. Webseite: https://www.mkb.ch

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