Von Gabriele Hauger

Riehen. Zwei eigensinnige Zöpfe, freche Sommersprossen, starker Charakter: Pippi Langstrumpf ist eine unvergessene Heldin aus Kindertagen. 111 Jahre alt wäre ihre Erfinderin Astrid Lindgren nun geworden. Anlass für das Riehener Spielzeugmuseum, der originellen Göre eine interaktive Sonderausstellung zu widmen. Diese entpuppt sich beim Durchstreifen als Eldorado für junge Besucher, denn hier ist Anfassen ausdrücklich erlaubt; sie macht aber auch Erwachsenen Spaß und weckt unwillkürlich das Bedürfnis, sich den Kinderbuchklassiker mal wieder zu Gemüte zu führen. Denn die Zitate aus dem Roman, die sich an den Wänden verteilt finden, sind in ihrer simplen Direktheit zuweilen geradezu philosophisch.

Die berühmte Pippi Langstrumpf-Melodie aus dem Film pfeift einem schon beim Betreten des Museumshofs lustig entgegen. Hier können kleine Besucher in eine hölzerne Villa Kunterbunt samt Pferd Kleiner Onkel eintauchen. Das fantasievolle Gehäuse wurde in einem Sommerprojekt von Kindern mitentworfen und -gebaut.

In der Ausstellung selbst begegnet einem die berühmte Pippi Langstrumpf nicht direkt: weder in Bildern, Filmsequenzen, noch auf Fotos. Vielmehr sollen die Besucher in die Welt des starken Mädchens eintauchen.

Die Schau ist zweigeteilt. Am Eingang zwei gemütliche Hängematten. Dann können sich die jungen Besucher auf eine spannende Erkundungstour begeben. Ein bisschen Mut gehört dazu. Denn für viele ist es ungewohnt, alles anfassen und ausprobieren zu dürfen – und das in einem Museum.

Los geht’s. Platznehmen auf einem Schaukelstuhl, der plötzlich wie ein Pferd wiehert. Ofentürenöffnen, hineinklettern und im kuschligen Inneren Pippi-Geschichten lauschen. Sich bunt und fantasievoll verkleiden. Vor einem Verzerrungsspiegel eine zum Glück federleichte Hantel stemmen. Sich in ein großes Bett kuscheln, das Geschichten erzählen kann. Dahinter das Zitat: „Und dann muss man auch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.“ Aus Erwachsenen-Perspektive wahrer Luxus und ein allzu selten gestilltes Bedürfnis.

Wände bemalen erlaubt

Selbst Wände bemalen ist hier erlaubt. Und es stehen sogar Lollis im Regal.

Dieser spielerische Ausstellungsansatz hätte Astrid Lindgren sicher gefallen. War sie doch Friedensaktivistin und Pädagogin, die sich für starke Kinder stark machte – und das in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Obwohl Jahrzehnte alt, hat der Roman nichts von seiner Aktualität und Faszination verloren. Die Leser lieben die starke Protagonistin, die so kluge Sätze von sich gibt. Denn egal in welcher Zeit und Gesellschaft: Kinder spüren mit wachsendem Alter auch wachsende Ohnmacht: gegenüber den Eltern, den Lehrern, den Großen allgemein. Pippi Langstrumpf mit ihrer freigeistigen Abenteuer- und Gestaltungslust ist da eine ideale Identifikationsfigur.

Im zweiten Raum wartet eine dunkle Abenteuerwelt. Endlich mal in ein echtes Auto klettern, hupen und das Licht bedienen – hier werden Kinderträume wahr. Oder sich unter ein umgedrehtes Holzboot wie in einer Seeräuberhöhle verkriechen und den Abenteuergeschichten zuhören. Originell sind auch die überall verteilten Spunks: Säckchenartige Gebilde, die individuell besprochen und versteckt werden dürfen.

Die Museumsleiterin Julia Nothelfer freut sich über den begeistern Zuspruch und die Kreativität der Ausstellungsbesucher. Viele der Objekte stammen aus der Museumssammlung dörflicher Alltagsgegenstände und werden nach vielen Jahren im Verborgenen hier in einem neuen Zusammenhang präsentiert: Pistolen und Säbel landen in einer Piratenkiste. Alte Glasflaschen dienen als Flaschenpost.

Aktionen und Workshops, die sich beispielsweise um die Frage drehen: „Was ist Stärke und wo sitzt die?“ werden rund um die Ausstellung angeboten.  bis 29. April; Mo sowie Mi bis So, 11 bis 17 Uhr