Basel Endlich wieder was zu lachen

Jürgen Scharf
Hypochonder Felix (Hans Jörg Hersberger) mischt in der Häbse-Komödie „E sältsams Paar“ die Pokerrunde auf. Foto: Jürgen Scharf

Von Jürgen Scharf

Basel. Sie spielen wieder! Nach einem Jahr Corona-Zwangspause meldet sich das Häbse-Theater zurück. Mit der Eigenproduktion „E sältsams Paar“ wird der pandemiebedingt unterbrochene Spielbetrieb wieder aufgenommen. Und doch ist nichts, wie es einmal war.

Es sind schwere Zeiten für Theater, selbst für so erfolgsverwöhnte Häuser wie Basels größtes Kleintheater. Selbst das Häbse-Theater mit seinen beliebten und bekannten Komödianten wie Hans Jörg Hersberger und seinem kongenialen Bühnenpartner, der Dauercharmeur Dani von Wattenwyl, hat zu kämpfen, weil das Publikum nicht mehr so zahlreich strömt wie vor Corona.

Das Publikum ist verunsichert

Waren früher die Zuschauerreihen proppenvoll, so sind es jetzt im Durchschnitt gerade mal 40 Prozent der sonstigen Besucherzahl, wie die Leitung des Theaters beklagt. Ein ganz ungewohntes Bild in diesem gemütlichen Theater mit seinen Tischchen, den Klappsesseln und dem roten Vorhang.

Das „Häbse“ bekommt bei seinem Neustart mit dem Saisonprogramm wie den Sonderveranstaltungen aus der Comedy- und Unterhaltungsszene zu spüren, dass die Leute beim Theaterbesuch noch sehr vorsichtig und zurückhaltend sind. Die Verunsicherung ist nach wie vor groß. Einige Gastspiele mussten ausfallen, weil entweder zu wenig Nachfrage war, oder die Künstler ihre Tournee abgesagt haben. Selbst der Vorverkauf für die traditionelle Vorfasnachtsveranstaltung, das 30. „Mimösli“ mit Cabaret, Fasnachtsmusik und Schnitzelbank, liegt weit hinter den früheren Jahren zurück. Und die neu angeordnete Maskenpflicht in den Sälen wird sich wohl auch noch auswirken.

Nun setzt man im Haus an der Klingentalstraße voll auf das populäre Häbse-Ensemble und den Komödienklassiker von Neil Simon in einer Basler Dialektfassung von „Häbse“ Hersberger und Carlos Amstutz. Das Stück musste um ein Jahr verschoben werden, die Proben waren damals schon abgeschlossen, das Ensemble saß in den Startlöchern, doch wenige Tage vor der Premiere wurden die Theater dicht gemacht. Jetzt wurde das Stück wieder aufgenommen, maßgeschneidert auf die beiden Hauptprotagonisten Hersberger und Wattenwyl, die ein Traumgespann bilden.

Filmfans kennen die Geschichte um das gegensätzliche Paar von der Verfilmung aus den 1960er Jahren mit Jack Lemmon und Walter Matthau. Beim „Häbse“ hat das Kultstück, das weltweit als Bühnenfassung gespielt wird, einen besonderen Charme. Ist es doch in der vertrauten Mundart und mit Basler Lokalkolorit angereichert.

Natürlich freut man sich als Zuschauer über die Spiellaune, den Schlagabtausch und den Dialogwitz, mit dem auf der Bühne agiert wird. Schon die erste Szene mit der Pokerrunde in der verqualmten und unaufgeräumten Bude des Sportreporters Oscar sorgt für Lacher. Es ist eine Paraderolle für Dani von Wattenwyl. Sein Oscar ist ein liebenswert lässiger Chaot, Zocker, Trinker, Spieler, der es nach seiner Scheidung so richtig krachen lässt.

Hersberger zieht alle Komödienregister

Das genaue Gegenteil ist der von seiner Frau verlassene wehleidige Felix, der bei ihm Unterschlupf findet. Hersberger zieht alle Komödienregister als pedantischer Saubermann und Jammerlappen, Hypochonder und Nervensäge mit Putzfimmel und Kochtick. Mit Staubsauger, Schürze und Schöpflöffel räumt dieser Meister Proper gründlich im verlotterten Single-Haushalt des schlampigen Stubengenossen Oscar auf, was Stoff für Nervereien und Zoff bietet.

Man versteht, warum die beiden Schauspieler zu den Publikumslieblingen zählen: Sie sind einfach hinreißend komisch! Mit gutem Timing für die Pointen, Humor und Situationskomik werden die vorprogrammierten Turbulenzen in dieser Männer-WG auf die Spitze getrieben.

Aber auch die mit gewieften Darstellern wie Carlos Amstutz, Michael Eckerle und Rolf Boss besetzten Pokerfreunde mischen kräftig komödiantisch mit. Zwei lebenslustige Damen (Nicole Lorentan und Susi von Lindenau) haben ebenfalls einen kessen Auftritt. Allerdings läuft das Rendezvous anders als vorgesehen, sehr zum Vergnügen der Theaterbesucher.

Mit dieser witzigen Eigenproduktion im Bühnenbild von Dietlind Ballmann und in der bewährten Regie von Theaterchef Hersberger kann das Publikum wieder Geschmack und Lust aufs Theater bekommen. Denn zu lachen gibt es ja sonst in diesen Zeiten wenig genug!

  Vorstellungen von Mittwoch, 8. Dezember, bis Silvester. Tickets unter Tel. 0041 61/691 44 46 und an der Abendkasse. Einlass nach 3G-Regelung.

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