Es ist wohl eine der bekanntesten und am häufigsten zitierten Szenen der Filmgeschichte: Travis Bickle (Robert De Niro) übt vor dem Spiegel das Ziehen seiner Pistole und murmelt dabei immer wieder: „You Talking to me?“ Der Schöpfer der vom Wahn getriebenen Hauptfigur aus Martin Scorseses Klassiker „Taxi Driver“ von 1976, der Drehbuchautor Paul Schrader, kommt im Sommer während der achten Auflage des Bildrausch-Filmfests nach Basel.

Von Adrian Steineck

Basel. Wie es der Zufall will, taucht just jene „You Talking to me“-Sequenz nicht in Schraders Drehbuch auf, sondern wurde von De Niro beim Dreh zu „Taxi Driver“ improvisiert. Dennoch machte das Skript den früheren Filmkritiker Paul Schrader in Hollywood bekannt und verhalf ihm dazu, ab dem Arbeiterdrama „Blue Collar“ (1978) auch selbst Filme drehen zu können. Bis heute: So wird der 71-Jährige in Basel seinen neuen Film „First Reformed“ als Schweizer Premiere vorstellen.

Festival-Codirektorin Nicole Reinhard freut sich denn auch, dass Schrader während der gesamten Dauer des Bildrausch-Filmfestes, das in diesem Jahr vom 30. Mai bis 3. Juni stattfindet, in Basel sein wird. Neben der Vorstellung seines neuen Films werden in einer Retrospektive einige seiner bisherigen Werke gezeigt, und Schrader wird auf der Neuauflage eines von ihm verfassten Buchs zur Filmgeschichte vorlesen.

Zustande gekommen ist der Kontakt über Matthias „This“ Brunner, den ehemaligen Leiter der Zürcher Arthouse-Kinos. „Er kennt Paul Schrader seit Jahren und hat unser Festival empfohlen“, beschreibt Reinhard die Vorgehensweise. Sie selbst hat Schrader im Januar bei einem Vortrag in Rotterdam erlebt und schätzt ihn als „frisch, offen und experimentierfreudig.“ Schrader gehört für die Festivaldirektorin zu jenen, die innerhalb des Hollywood-Systems tätig sind, aber dennoch eine persönliche Handschrift und einen Hang zum europäischen Verständnis vom Autorenfilm aufweisen. So bleibe Schrader, der calvinistisch erzogen worden ist und nach eigener Angabe seinen ersten Kinofilm mit 17 Jahren gesehen hat, auch in seinem jüngsten Werk „First Reformed“ einem seiner Themen, der Suche nach Erlösung, treu.

Dass der Filmemacher zugesagt hat, nach Basel zu kommen, sieht die Festivaldirektorin und Leiterin des Basler Stadtkinos als Beleg dafür, dass das Bildrausch-Filmfest bei seiner achten Auflage in der Szene fest etabliert ist. „Unsere Gäste wie auch die Kinobesucher sind von der Atmosphäre sehr angetan“, berichtet sie.

Aus der Taufe gehoben wurde das Bildrausch-Filmfest im Jahr 2011. Vorbild war die Viennale in Wien, welche Nicole Reinhard und ihr Kollege Beat Schneider seit Jahren besuchen. „Ähnlich wie bei diesem Filmfestival wollten wir in Basel einen Ort schaffen, an dem leidenschaftlich über das Kino diskutiert werden kann und sich Filmschaffende und Besucher auf Augenhöhe begegnen“, sagt Reinhard, die das Festival mit Beat Schneider organisiert.

Auch wenn das genaue Programm noch nicht bekannt gegeben werden kann, lässt sich Reinhard in die Karten blicken. So bildet wieder der Wettbewerb „Cutting Edge“, bei dem internationale Streifen um den „Ring der Filmkunst“ wetteifern, das Herzstück des Festivals. Auch das Film-Karaoke, das Hobby-Schauspielern die Möglichkeit bietet, bekannte Filmszenen neu zu interpretieren, wird es wieder geben.

Weitere Informationen: Das Bildrausch-Filmfest findet vom 30. Mai bis 3. Juni unter anderem im Stadtkino Basel, Klostergasse 5, statt. Näheres gibt es im Internet unter www.bildrausch-basel.ch.