Basel Erinnerung an erstes Kunst-Happening

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Blick in die Ausstellung Foto: Daniel Spehr

Basel (sda). Das Museum Tinguely präsentiert in einer Kabinettausstellung die Erinnerungen des Künstlers und Kurators Jean-Jacques Lebel an ein legendäres Kunst-Happening aus dem Jahr 1960 in Venedig, bei dem ein Werk von Jean Tinguely eine Hauptrolle gespielt hat.

Es sei wohl das erste Happening überhaupt auf europäischem Boden gewesen, sagte Jean-Jacques Lebel bei der Medienführung durch die Ausstellung. Ganz unbescheiden, aber mit Recht präsentierte sich der 1936 geborene Franzose damit als Pionier des Kunst-Happenings.

Die Aktion von damals trug den Titel „L’Enterrement de la Chose de Tinguely“, der durchaus wörtlich zu nehmen war. Denn es ging darum, ein künstlerisch ermordetes Kunstwerk des Hauskünstlers zu beerdigen beziehungsweise im Canal Grande zu versenken. Das Happening war Teil der Ausstellungsserie „Anti-Procès“, die sich als Manifestation gegen den grausamen Algerienkrieg von Frankreich und am Rande auch gegen die Kommerzialisierung der Kunst verstand.

Die „Sache“ von Tinguely kann in der aktuellen Ausstellung natürlich nicht mehr gezeigt werden. Dafür aber von Lebel zum Teil kunstvoll aufbereitete Erinnerung an das Happening – garniert mit Fotografien der damaligen Aktion.

Dreiteilige Ausstellung

Das ist ein Teil der dreiteiligen Ausstellung. Neben „La Chose“ sind „Quelques Philosophes“ zu sehen: witzig hintersinnige zwei- und dreidimensionale Collagen, mit denen Lebel wort- beziehungsweise bildreich die Geschichte von Philosophen wie Bakunin, Nietzsche und Spinoza zu erzählen versucht.

Nietzsche hat er einen Kasten voller wundersamer Dinge gewidmet, mit denen sich unter anderem dadaistische Zufallsgedichte oder Musikstücke erschaffen lassen. Es dürfte aber leider wohl das Privileg der Medienvertreterinnen und -vertreter bleiben, den Gesamtkunst-Kasten vom Schöpfer selbst demonstriert zu bekommen.

Lebels Philosophen hat das Museum Werke von Tinguely gegenübergestellt, die auch der Maschinenkünstler einst nach Philosophen bennannt hatte.

Der dritte Teil ist vielleicht nicht ganz jugendfrei. Es handelt sich um ein Vierkanal-Video mit dem Titel „Les Avatars de Vénus“. In ineinander fließenden Bilderserien präsentiert Lebel eine Art visuelle Kulturgeschichte erotischer Venus- oder ganz einfach Frauendarstellungen.

Das geht von urzeitlichen Frauenfiguren wie der Venus von Willendorf über die nackten Frauen der Renaissancekünstler und der großen Meister der Moderne bis zu Pinup-Girls der 1950er und pornografischen Fotografien. Durch die Verschmelzungstechnik offenbaren sich dabei überraschende formale Übereinstimmung zwischen großer Kunst und tumber Pornografie, wobei die inhaltlichen Unterschiede nicht ausgeräumt werden.

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