Basel Euro büßt seit Einführung ein Drittel seines Wertes ein

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Die Frankenaufwertung setzte die Schweizer Wirtschaft unter großen Druck. Foto: Oliver Berg/dpa

Basel/Zürich (sda). Die Welt blickte vor zwei Jahrzehnten zum Jahreswechsel auf Europa. Die neue Währung – der Euro – wurde eingeführt und mit ihm veränderte sich das Wechselkursgefüge auf dem ganzen Kontinent.

Auch für den Franken war dies ein denkwürdiger Tag. Schnell etablierte sich die neue Gemeinschaftswährung als starker Gegenspieler zum US-Dollar. Doch mit Beginn der Finanzkrise änderte sich alles.

Zur Einführung lag der Euro-Frankenkurs bei 1,48. Anfangs legte die neue Gemeinschaftswährung noch zu, Kurse von 1,70 rückten in greifbare Nähe. Doch 2007 überrollte, beschleunigt durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, eine der größten Finanzkrisen die Welt. Die panische Suche der Finanzmärkte nach sicheren Häfen zog den Franken in einen Aufwertungsstrudel von bis dato unerreichtem Ausmaß. Gemessen am ersten Kurs büßte der Euro bis heute gut ein Drittel seines Wertes gegenüber der Schweizer Währung ein.

Fluch und Segen zugleich

2009 schrieb der heutige Präsident der Schweizer Nationalbank (SNB), Thomas Jordan, über den Franken und die Finanzmarktkrise. Eine eigene Währung sei „Fluch und Segen zugleich“, hielt Jordan seinerzeit fest. Einerseits ermögliche sie eine den eigenen Gegebenheiten und Zielen angepasste Geldpolitik. Andererseits entstünden Probleme, wenn die Währung zum Spielball der Finanzmärkte werde.

Zu diesem Zeitpunkt konnte sich wohl Jordan und auch kein anderer Experte vorstellen, wie sehr die Märkte die SNB in den nächsten Jahren noch herausfordern würden. Denn die Frankenaufwertung beschleunigte sich, wurde befeuert von der Euro-Schuldenkrise.

Im September 2011 sah sich die SNB daher gezwungen, die Schweizer Wirtschaft vor den Folgen eines zu starken Franken zu schützen. Mit der Einführung einer Untergrenze von 1,20 zum Euro wählte sie das stärkste Mittel, das ihr zur Verfügung stand. Diese Grenze verteidigte die Nationalbank etwas über drei Jahre mit aller Kraft und allen zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln. Bis dann am 15. Januar 2015 ein Donnerschlag die Finanzmärkte erschütterte – die Aufgabe der Untergrenze.

Schock für die Wirtschaft

An diesem denkwürdigen Tag sah sich der Euro-Frankenkurs seinem größten Tagesverlust gegenüber, zeitweise sackte der Kurs bis auf 0,80 Franken ab. Der Leitindex SMI erlitt zeitweise Verluste von 14 Prozent, der Schock für die Schweizer Wirtschaft war gewaltig. Bis zum Abend pendelte sich dann der Kurs knapp über ein Franken ein, die Parität war erstmals real geworden.

In den Jahren nach dem Frankenschock erholte sich der Euro wieder und die SNB konnte sich über Kurse im Bereich von 1,10 bis kurzzeitig sogar 1,20 freuen. Die Gemeinschaftswährung kam allerdings nie wieder nachhaltig auf die Beine.

Im Brexit 2016 fand die Zerrissenheit Europas einen Höhepunkt. Aber auch die unterschiedlichen Haltungen in der Flüchtlingskrise sowie der Zulauf zu populistischen Parteien sorgten immer wieder für Euro-Rückschläge.

Mit der Corona-Pandemie erreichte die Unsicherheit ein neues Niveau, und Anleger flüchteten in die bekannten sicheren Häfen – der Franken wurde erneut zum Ziel. Seither geht es mit den Kursen wieder in Richtung Parität. Mittlerweile rangiert der Euro-Frankenkurs mit knapp über 1,03 sehr nahe an dieser Schwelle.

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