Basel Filmische Entdeckungsreisen

Adrian Steineck
Helden der Wüste: Peter O’Toole (links) als Lawrence von Arabien und Anthony Quinn als Auda Abu Tayi Foto: zVg/Verleih

Von Adrian Steineck

Basel. Wüstenepos und Charakterporträt: Die Filmbiografie „Lawrence of Arabia“ (1962) gehört zu den Klassikern des Kinos. Das Werk ist im Stadtkino Basel in einer Reihe zum britischen Filmemacher David Lean zu sehen.

Wer war Thomas Edward Lawrence (1888-1935)? Ein britischer Offizier, Archäologe, Geheimagent, unehelicher Sohn, ein sensibel um Männerfreundschaft werbender Feingeist, dann wieder ein Narzisst, der sich in einen Blutrausch steigert, Genie für die einen, Hochstapler für die anderen – Lawrence von Arabien ist eine in vielerlei Hinsicht (auch sexuell) ambivalente Figur.

Leans Film widmet sich Lawrence’ Zeit in Arabien während des ersten Weltkriegs, als er den von den Briten forcierten Aufstand der Araber gegen das damalige Osmanische Reich anführte. Für einen Film, der mit Ouvertüre und Zwischenspiel 227 Minuten dauert, ist das Werk erstaunlich sparsam an rein äußeren Handlungshöhepunkten. Omar Sharif, der mit dem Film zu Weltruhm gelangte, hat es so formuliert: „Wenn du der Produzent mit dem Geld bist, und jemand kommt zu dir, der sagt, er möchte einen Film drehen, der vier Stunden lang ist, ohne Stars, ohne Frauen und ohne Liebesgeschichte und auch nicht mit viel Action, und er möchte eine riesige Geldsumme ausgeben, um den Film in der Wüste drehen zu können – was würdest du sagen?“ Produzent Sam Spiegel jedenfalls sagte „ja“ zu Lean. Ein Glücksfall: Das Epos mit Peter O’Toole in der Titelrolle gehört zu jenen Filmen, die nach der großen Leinwand verlangen.

Die David Lean-Reihe ist für Beat Schneider, künstlerischer Leiter des Stadtkinos Basel, ein lange gehegter Herzenswunsch. Es ist ihm auch ein Anliegen, die frühen Filme des Regisseurs zu zeigen, die in der öffentlichen Wahrnehmung meist hinter seinen spektakulären Epen zurückstehen. Ein Film wie „Brief Encounter“ von 1945, in dem es um eine unerfüllte Liebe geht, könne auch heute noch die Menschen berühren. Die Reihe solle auch ein Weihnachtsgeschenk an das Publikum sein, so läuft etwa der Evergreen „Doktor Schiwago“ (1965) mit Omar Sharif und seiner Atmosphäre des russischen Winters.

Stummfilme mit Live-Musik

In andere Gefilde geht es bei den beiden übrigen November/Dezember-Reihen: „Lachen in Schwarzweiß“ bringt Klassiker von Charles Chaplin und den Marx Brothers auf die Leinwand. „The Patsy“ von 1928 mit der Komikerin Marion Davies in der Hauptrolle wird von dem Freiburger Stummfilmpianisten Günter A. Buchwald begleitet (15. Dezember). Die Elektro-Klangkünstlerin Noémi Büchi vertont am 7. Dezember ein Kurzfilmprogramm.

Bunt wird es mit der Filmreihe „Anime“. Diese widmet sich der japanschen Zeichentrickkunst und zeigt Klassiker wie „Akira“ (1988) und mit „Inu-Oh“ (2021) auch eine Schweizer Premiere. Die Filmreihen im Stadtkino Basel, Klostergasse 5, laufen bis 31. Dezember. Alle Filme werden im Original mit Untertiteln gezeigt.Näheres unter www.stadtkino.ch.

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