Kreis Lörrach Finanzamt vor Herkulesaufgabe

Zahlreiche Immobilien und Grundstücke muss das Finanzamt neu bewerten. Foto: Kristoff Meller

Kreis Lörrach - Insgesamt 46 Prozent der Bürger ohne Steuerberater geben im Lörracher Finanzamt ihre Einkommensteuererklärung mittlerweile elektronisch ab. Die Behörde sieht noch deutlich Luft nach oben und will Kurse anbieten, um mehr Bürger für das elektronische Verfahren zu gewinnen, wie es im Rahmen eines Pressegesprächs hieß. In Sachen Grundsteuerreform sieht die Behörde eine riesige Herausforderung auf sich zukommen.

Es sei ein großes Anliegen, bei „Elster“, dem elektronischen Verfahren zur Steuererklärung, voranzukommen, kommentierte Manuel Fischer, Hauptsachgebietsleiter EDV, das leichte Plus um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber fünf Prozent weniger als im Landesschnitt.

Elster-Quote soll zukünftig steigen

Zum Vergleich: Bei Bürgern mit Steuerberater beträgt die Quote insgesamt 85 Prozent, wie weiter zu erfahren war. Weil das Lörracher Finanzamt hinter der allgemeinen Entwicklung liegt, sollen Anstrengungen unternommen werden, die Elster-Quote zu erhöhen. Das senke zum einen die Fehlerquote, unterstrich Fischer die Vorteile des elektronischen Verfahrens, zum anderen verringere sich dadurch der Bearbeitungsaufwand, weil dann alle nötigen Daten in gewünschter Form vorlägen. Eine konkrete Erklärung für den Rückstand gebe es nicht, meinte Vorsteher Georg Tritschle. An den Grenzgängern könne es jedenfalls nicht liegen, denn das Waldshuter Finanzamt stehe in Sachen Elster-Quote besser dar.

Keine Zeitersparnis in der Bearbeitung

Die zunehmende Digitalisierung sorge laut Tritschler indes nicht für beschleunigte Verfahren. Im Durchschnitt vergehen zwischen dem Einreichen der Erklärung und dem Zustellen des Bescheides sechs bis zehn Wochen. Dass sich die Zeitspanne signifikant verkürze, sei nicht zu erwarten, verwies er auf eine Vielzahl an Faktoren, welche die Bearbeitungszeit beeinflussen würden. Darüber hinaus habe man im vergangenen Jahr wegen der Neuorganisation der Einkommensteuer Zeit verloren.

Neuerungen für Grenzgänger

Für Grenzgänger, das sind rund 25 000 der insgesamt 85 000 Einkommensteuerpflichtigen im Bezirk des Lörracher Finanzamts, soll es voraussichtlich ab dem zweiten Quartal wichtige Neuerungen geben. Dann wird die Anlage N-Gre in das Onlineverfahren integriert, weiter können Grenzgänger ihre Belege ab Mitte diesen Jahres als Anhang einreichen. Letztmalig kann das bisherige Elster-Formular zur Steuererklärung 2019 verwendet werden, zukünftig steht nur noch das Elster-Online Portal zur Verfügung.

Neue Abgabefristen für Steuererklärung

Mit dem Steuermodernisierungsgesetz wurden neue Abgabefristen für die Steuererklärung eingeführt, wie es weiter hieß. Für Erklärungen des Jahres 2018 gilt erstmals die neue verlängerte Abgabefrist 31. Juli 2019. Mit einem Steuerberater verlängert sich die Abgabefrist auf den 28. Februar 2020.

Immer mehr Rentner steuerpflichtig

Tritschler wies auch darauf hin, dass immer mehr Rentner in die Steuerpflicht rutschen. Liegt der Rentenbeginn im Jahr 2018, so sind 76 Prozent der Renteneinkünfte der Besteuerung zu unterwerfen. Ob ein Rentner eine Steuererklärung abgeben und Steuern zahlen muss, hängt davon ab, wie hoch die jeweiligen steuerpflichtigen Einkünfte sind.

Aufkommen der Umsatzsteuer ist negativ

Insgesamt hat sich das Steueraufkommen im Finanzbezirk unauffällig entwickelt (935 Millionen Euro), das Aufkommen der Umsatzsteuer ist wie üblich negativ. Das erklärte Tritschler mit den Zahlungen des Finanzamts für steuerfreie Exporte deutscher Niederlassungen schweizerischer Konzerne. Konkret geht es um Einfuhrumsatzsteuer, die zuvor vom deutschen Zoll erhoben wurde. Hier seien steigende Umsätze verbucht worden, was auf eine gute Konjunktur schließen lasse.

Grundsteuer wird Herkulesaufgabe

Als eine große Herausforderung sieht das Finanzamt die Reform der Grundsteuer, die der Gesetzgeber bis Ende des Jahres neu regeln muss. Das Verfassungsgericht hat die bisherige Form als verfassungswidrig erklärt. Weil sich Bund und Länder noch nicht auf eine Bewertungsgrundlage und ein Verfahren geeinigt haben, sei laut Tritschler noch offen, wie viel Arbeit letztlich auf die Finanzämter zukommen wird.

„Klar ist, dass wir vor einer Herkulesaufgabe stehen werden“, sagte Joachim Kempf, Leiter der Grundstücksbewertungsstelle. Und weiter: „Je gerechter das Verfahren, desto komplizierter und personalintensiver wird es.“ Klar ist auch, dass es Gewinner und Verlierer des neuen Modells geben wird. Für das Lörracher Finanzamt bedeutet die Reform der Grundsteuer, dass rund 115 000 wirtschaftliche Einheiten, davon 90 000 im Grundvermögen und 25 000 in der Land- und Forstwirtschaft neu bewertet werden müssen, erklärte Kempf. Während der Übergangszeit von vier Jahren, in der das alte Recht weiterhin gilt, verdopple sich zudem der Arbeitsaufwand für das Personal.

Finanzamt setzt auf Ausbildung

Das Lörracher Finanzamt bildet vermehrt aus, wie von Ausbildungsleiterin Silke Waidele zu erfahren war. Zum einen müssten die Altersabgänge aufgefangen werden, zum anderen steigt der Personalbedarf aufgrund der neuen Aufgaben.

Derzeit zählt die Behörde 50 Auszubildende. Jährlich werden zehn junge Menschen für den mittleren und 14 im gehobenen Dienst eingestellt. „Wer die anspruchsvolle Ausbildung absolviert und die Prüfung besteht, wird in der Regel auch übernommen“, betonte Waidele die guten Rahmenbedingungen.

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