Basel Freiheit durch Kunst

Überraschende Begegnung auf dem Hörnli-Friedhof in Riehen. Foto: zVg/Lilian Andree

Riehen - Ein Friedhof als Ort für die Kunst? Die Galeristin Lilian Andrée präsentiert eine Skulpturen-Ausstellung auf dem Riehener Friedhof am Hörnli. Gestern war Vernissage. Unter dem Titel „Bring mich zurück“ sind über das weitläufige Gelände verteilt Skulpturen des italienischen Bildhauers Davide Rivalta zu sehen. Es ist die erste große monothematische Kunstausstellung auf dem „Hörnli“.

Bei einer Ausstellung in Gstaad lernte die Riehener Galeristin das Werk des italienischen Bildhauers kennen: „Ich war sofort total fasziniert.“ Sie plante eine Ausstellung in Basel – stieß dort aber zu ihrem Ärger auf taube Ohren. Die Idee, auf dem Hörnli-Gelände auszustellen, das viele Basler und Riehener zum Spaziergang nützen, kam ihr über einen Bekannten. Ihre Idee wurde von den Verantwortlichen sogleich aufgeschlossen und begeistert angenommen.

Rivaltas lebensgroße Tierskulpturen sind auf die in den 30er Jahren gestaltete Anlage, die terrassenförmig angelegt ist, verteilt. Immer wieder ergeben sich beim Wandeln über das Gelände faszinierende neue Ausblicke auf die Stadt. Der Künstler hat die meist aus Bronze-Guss bestehenden Figuren – Büffel, Wolf, Adler, Löwe, Pferd oder Gepard – gezielt verteilt. Zu sehen sind bei einem rund einstündigen Spaziergang 28 solcher Skulpturen – so viele hat Rivalta noch nie auf einmal präsentiert. Massiv, aber durchaus friedlich wirken sie.

Das Sujet Tier prägt schon lange das Schaffen des Künstlers Rivalta

Das Sujet Tier prägt schon lange das Schaffen des italienischen Künstlers. Seine Arbeiten bestehen aus Metallen, zumeist Bronze, Stahl, Aluminium und Kunstharz. Er hat sie als präzise Porträts nach Fotografien in Zoos, Gehegen oder Tierzuchtbetrieben geschaffen, erläutert der Kunsthistoriker Pier Luigi Tazzi. Er zeige somit ausschließlich in Gefangenschaft lebende Tiere, die über seine Kunst quasi in die Freiheit entlassen werden. Daher auch der Ausstellungstitel „Bring mich zurück“.

Davide Rivalta wurde in Bologna geboren, wo er heute auch arbeitet. Seine akademische Kunstausbildung hat er dort an der Kunstakademie erhalten. Nicht nur seine Skulpturen, sondern auch seine Zeichnungen zeugen von einer fundierten Ausbildung, die ihn zu diesem bereits in jungen Jahren eindrucksvollen Werk befähigte. Schon 1988, im Alter von 25 Jahren, gewann er einen anerkannten Wettbewerb. Dies ermöglichte es ihm, eine seiner ersten monumentalen Arbeiten, mit sechs lebensgroßen Gorillas, im Innenhof des Justizpalastes von Ravenna dauerhaft auszustellen. Ein imposanter Auftakt für seine immer bekannter werdende künstlerische Laufbahn, so die Galeristin Lilian Andrée.

Skulpturen, Zeichnungen sowie Malereien prägen sein aktuelles Schaffen. Seine Skulpturen wurden bereits in Florenz, Gstaad und Neuchâtel im öffentlichen Raum präsentiert und finden sich in zahlreichen namhaften privaten und öffentlichen Sammlungen.

Der Kunstexperte Tazzi sagt in einem Essay über ihn: „Davide Rivalta beobachtet die Tiere sehr genau, tritt bewusst mit ihnen in Kontakt und hebt mit breitem Spachtel ihre Charakterzüge hervor. Er gibt ihnen eine Stimme, die man nicht hören, aber fühlen kann, wenn man sich Zeit nimmt und seine Arbeiten anschaut.“

Gerade an einem Ort der Stille wie dem Friedhof lassen sich da Assoziationen herstellen: Skulpturen und Gräber, beide nicht mehr den lebendigen Menschen zugehörig.

  bis 25. Juni; Infos: www.galerie-lilianandree.ch

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