Basel - Mit einer Velo-Charta will die Basler Sektion des Velo-Clubs Schweiz (VCS) dafür sorgen, dass Fußgänger und Radfahrer im Stadtverkehr gut miteinander auskommen. Denn da sehen die VCS-Mitglieder in der Stadt am Rheinknie noch Nachholbedarf.

„Fußgängern und Radfahrern wird bei der Verkehrsplanung ein zu geringer Stellenwert eingeräumt“, ist Stephanie Fuchs, Geschäftsführerin des VCS beider Basel, überzeugt. Denn der Platz für beide sei an vielen Stellen in der Stadt zu knapp bemessen. Das führt laut Fuchs dazu, dass die Radfahrer auf Fußgängerwege ausweichen müssen. Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern gibt es laut der Statistik zwar kaum, dennoch könnten sich beide Parteien durchaus in die Haare geraten, sagt Fuchs.

Mit einer Velo-Charta will der VCS beider Basel, der etwa 9000 Mitglieder zählt, jetzt für mehr Rücksicht gegenüber Fußgängern werben und zugleich für die Bedürfnisse beider Verkehrsteilnehmer sensibilisieren. Denn auch umgekehrt sei Fußgängern manchmal nicht klar, unter welchem Druck Fahrradfahrer stehen. „Als Radfahrerin spüre ich pausenlos die Gefahr, die vom Auto- und Lastwagenverkehr ausgeht.

Aufruf zu mehr Rücksicht auf Fußgänger

Als Fußgänger ist man meist auf Gehwegen unterwegs und erst unmittelbar dem Verkehr ausgesetzt, wenn man die Straße überquert“, sagt die VCS-Geschäftsführerin im Gespräch mit unserer Zeitung.

Als Radfahrer aber müsse man pausenlos auf andere Fahrzeuge achten. „Velofahrer sollen den Druck der Straße aber nicht an die Fußgänger weitergeben. Sie sind eine Schicksalsgemeinschaft, die miteinander für bessere Bedingungen einstehen sollte“, sagt sie.

Formuliert ist die Charta in Form von acht Ich-Sätzen. „Ich begegne Fußgängern mit besonderem Respekt“, heißt es da, oder: „Wo es eng wird, überhole ich langsam und mit genug Abstand.“ Es sei gut, diese Rücksichtsregeln immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, denn: „Es gibt durchaus Radfahrer, die ruppig unterwegs sind, das streiten wir überhaupt nicht ab.“ Aber wichtig sei es, zu zeigen, dass die Mehrheit von ihnen sich an die Regeln des Respekts hält.

Ein weiterer Aspekt ist der Umgang der Kantonsverwaltung mit den Radfahrern. Zwar weist das Bau- und Verkehrsdepartement mit Recht darauf hin, dass der Anteil der Radfahrer am Gesamtverkehr mit 16 Prozent im Vergleich zu anderen Städten hoch sei. „Das stimmt natürlich auch“, räumt Fuchs ein.

Der Verband Pro-Velo beider Basel hat vergangenes Jahr den dänischen Fahrradverkehrs-Experten Mikael Colville-Andersen in Basel empfangen. Laut Fuchs meinte er, die Zahl der Radfahrer in Basel sei nicht wegen, sondern trotz der vorhandenen Infrastruktur hoch.

Fuchs benennt Beispiele in der Stadt, wo die Verkehrsplanung wenig vorteilhaft für Radfahrer ist. Am Dreispitz etwa, an der Grenze zu Baselland und an einer großen Fachhochschule enden die Markierung für Radfahrer an den heikelsten Stellen.

Schon mehrere hundert Unterzeichner

Ebenso sei Basel voller längsparkender Autos, welche die Radfahrer besonders entlang Tramschinen den Platz nehmen würden. Das spiele mit eine Rolle bei der Tatsache, dass weniger Kinder und Jugendliche in Basel mit dem Rad unterwegs seien. „Das hat zwar auch mit dem Smartphone-Konsum zu tun, denn das geht in den öffentlichen Verkehrsmitteln leichter“, weiß Fuchs. Aber ebenso eine Rolle spiele es, dass das Radfahren als gefährlich gelte, was viele Eltern davon abhält, ihren Nachwuchs mit dem Drahtesel auf die Straße zu schicken. „Basel ruht sich da auf den Lorbeeren aus, anstatt sich an den besten Velo­städten ein Vorbild zu nehmen“, sagt Fuchs.

Bisher haben mehrere hundert Unterstützer die Charta unterzeichnet. „Wir werden auch im kommenden Frühjahr Plakate aufhängen und für unsere Kampagne werben“, beschreibt die VCS-Geschäftsführerin das weitere Vorgehen. Derzeit werde im Gespräch mit der Polizei und weiteren Behörden geklärt, wo diese Plakate platziert werden können und was weiter getan werden kann, wie die Idee des fußgängerfreundlichen Radfahrens noch mehr Menschen erreicht. „Wir hoffen, wir bewirken einen freundlichen Fahrstil“, sagt Fuchs.