Basel Für eine liberale Drogenpolitik

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Noch bevor im Jahr 1980 die Heroinwelle Europa und die Schweiz erfasste, forderte die Stiftung Sucht eine Liberalisierung der Drogenpolitik. Foto: pixabay

Basel (sda). Von der Privatinitiative bis zur renommierten Institution in der Suchtarbeit: Die Basler Stiftung Sucht wird 50 Jahre alt, was die Verantwortlichen jetzt zu einem Rückblick auf ihre pionierhafte Geschichte bewegte.

Es begann im April 1972: Sechs Ehepaare aus der Region Basel kauften den baufälligen Bauernhof Chratten im solothurnischen Jura, mit dem Ziel, dort drogensuchtkranken, zumeist heroinsüchtigen Jugendlichen aus Basel aus ihrer Notsituation zu helfen. Im Dezember des Jahres folgte die Gründung der Stiftung für drogenabhängige Jugendliche, die 2012 in Stiftung Sucht umbenannt wurde.

Stiftung fordert Entkriminalisierung

Die Institution, die 1974 durch ein neues Wohnhaus erweitert wurde, war eine Pionierleistung in der Drogenarbeit. Das zeigte sich schon darin, dass sie einen ehemaligen Junkie als Betreuer der Jugendlichen verpflichtete. Zudem grenzte sich die Stiftung bewusst gegen die repressionsorientierte staatliche Drogenpolitik ab.

Der Chratten in Beinwil, der streng abstinenzorientiert war, fand schnell Beachtung und konnte mit der zunehmenden Professionalisierung auch Erfolge vorweisen. 1977 waren von den 50 jungen Menschen, die dort gelebt hatten, 28 wieder in eine Ausbildung oder sonstige Tätigkeit zurückgekehrt, sechs waren rückfällig geworden und acht mussten mit andauernden psychischen Erkrankungen weiterleben.

Die Stiftung forderte bereits früh, also bevor 1980 die Heroinwelle Europa und die Schweiz erfasste, eine Liberalisierung der Drogenpolitik und die Entkriminalisierung der Betroffenen. In Basel folgten in diesem Bereich, angeregt durch andere Institutionen, weitere Pionierleistungen, wie etwa das erste Fixerstübli in der Schweiz oder die kontrollierte Heroinabgabe. Mit der Zeit baute die Stiftung ihr Angebot an Hilfeleistungen für Süchtige und Randständige aus.

Heute stehen vier Institutionen unter ihrer Trägerschaft: Neben dem Chratten sind dies die Werkstatt Jobshop, das Haus Gilgamesch mit Überlebenshilfeangeboten und das Tageshaus für Obdachlose in Basel. Allein letzteres verzeichnet mehr als 25 000 Nutzer pro Jahr.

Tag der offenen Tür im September

Die Stiftung Sucht sieht sich nach eigenen Angaben in ihrem 50. Jahr mit einem wachsenden Bedürfnis konfrontiert. Besonders im Haus Gilgamesch im Neubad herrscht Platznot, teilte die Stiftung mit. Gleichzeitig sieht sie sich mit der Tatsache konfrontiert, dass das Volumen der Einzelspenden tendenziell sinke.

Der Kanton Basel-Stadt trägt an den Jahresaufwand von rund 4,5 Millionen Franken nur gerade knapp 660 000 Franken bei. Den Rest des Gelder muss sich die Stiftung auf privatem Wege beschaffen – eine große Herausforderung, wie die Verantwortlichen in ihrem Rückblick schreiben.

Die Stiftung Sucht organisiert zu ihrem 50. Geburtstag diverse Anlässe. So lädt das Tageshaus für Obdachlose am 22. September zu einem Tag der offenen Tür ein.

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