Basel Für eine verantwortungsvolle Cannabispolitik

Michael Werndorff/sda
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Der definitive Start zum Basler Pilotprojekt mit einem reguliertem Verkauf von Cannabis-Produkten in Apotheken ist auf Ende Januar festgesetzt worden. Zum Einsatz kommen Produkte aus einheimischer Bioproduktion, wie das Basler Gesundheitsdepartement am Donnerstag mitteilte.

Von Michael Werndorff/sda

Basel. Eigentlich hätte die Studie mit dem Namen „Weed Care“ zur Abgabe von Cannabisprodukten an ausgewählte Konsumenten bereits Mitte September starten sollen. Die bestellten Produkte konnten aber den Qualitätskriterien nicht genügen (wir berichteten). Es waren Rückstände von Pflanzenschutzmitteln entdeckt worden. Sie seien mittlerweile zur Vernichtung unter behördlicher Aufsicht freigegeben worden, heißt es.

Jetzt haben die Projektträger, das sind neben dem Basler Gesundheitsdepartement, die Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel, die Psychiatrischen Dienste Aargau sowie die Universität Basel, neue saubere Produkte gefunden. Es handelt sich der Mitteilung zufolge um zwei Haschisch- und vier Cannabisblütenprodukte aus einheimischer Bioproduktion. Auf den Import von Produkten aus dem Ausland könne also verzichtet werden. Produzent der Produkte ist nach wie vor das Aargauer Unternehmen „Pure Production“.

Gespräche fanden wie geplant statt

Trotz der Startverzögerung hätten die Eintrittsgespräche zwischen den Studienärzten sowie den Probanden wie geplant durchgeführt werden können, heißt es weiter. Bisher hätten rund 340 Personen die Studienkriterien erfüllt. Bis zum Studienstart im Januar würden voraussichtlich alle rund 370 Teilnehmer bestimmt sein.

Mit dem Basler Pilotprojekt „Weed Care“ soll eine Studie starten, welche die gesundheitlichen Auswirkungen des regulierten Cannabisverkaufs betrachtet. Zudem soll sie eine Diskussionsgrundlage für eine künftige verantwortungsvolle Cannabispolitik liefern, hieß es bei der Vorstellung des Projekts Mitte August.

Maximal zehn Gramm THC pro Monat darf jeder registrierte Studienteilnehmer in einer von neun teilnehmenden Apotheken im Kanton Basel-Stadt kaufen, wie Regine Steiner, Leiterin Abteilung Sucht vom Gesundheitsdepartement Basel-Stadt, damals erklärte.

„Besser wäre gar kein Cannabiskonsum“, befand Lukas Engelberger, Regierungsrat und Vorsteher des Gesundheitsdepartements im Rahmen der Pressekonferenz. Cannabis sei aber die meist konsumierte illegale Substanz. Die langjährige Verbotspolitik habe zu keiner nachhaltigen Reduzierung des Konsums geführt. Mit der gemeinsamen Studie des Gesundheitsdepartements, der Universitären Psychiatrischen Kliniken und der Universität Basel wolle man nun das minimal schädliche Regulierungsmodell für den Konsum finden, machte der Politiker deutlich.

Und weiter: „Die neue Art der Regulierung hat das Potenzial, die öffentliche Gesundheit besser zu schützen und die Kriminalitätsrate zu senken.“ Die Studie soll die Auswirkungen des regulierten Cannabisverkaufs auf die Gesundheit der Konsumenten im Vergleich zu den Folgen der illegalen Beschaffung der Droge untersuchen.

Anmelden können sich Basler ab 18 Jahren, die bereits Drogenhanf konsumieren, erläuterte Marc Walter, Chefarzt Psychiatrie und Projektleiter der Studie. Ausschlusskriterien sind Konzentrationsschwierigkeiten und Schwangerschaft, auch dürfen Menschen in einer stationären psychiatrischen Behandlung und Stillende nicht teilnehmen, erklärte Walter, der auch die Wirkung der Droge und Abhängigkeitserkrankungen beleuchtete.

Wer über einen Monat von zehn Kriterien drei wie Kontrollverlust, Entzugssymptome oder eine Toleranzentwicklung erfülle, sei nach WHO-Kriterien abhängig. „Etwa 13 bis 25 Prozent aller Konsumenten mit schädlichem Gebrauch entwickeln eine Abhängigkeit“, stellte der Mediziner klar.

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