Basel Für Fachkräfte attraktiv bleiben

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Bei der HKBB-Generalversammlung standen die Themen Wirtschaft und Politik auf der Agenda. Foto: zVg/HKBB

Rund 700 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Diplomatie haben sich am Donnerstagabend zur Generalversammlung der Handelskammer beider Basel (HKBB) eingefunden. Thema waren unter anderem die aktuellen Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort.

Basel. Die Welt sei nach der Pandemie und dem Beginn des Ukraine-Kriegs eine andere, mit großen Auswirkungen auf die Menschen und die Wirtschaft, stellte HKBB-Präsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter im Rahmen ihrer Ansprache fest. „Dem Westen wird plötzlich die Fragilität von Sicherheit, Demokratie und Rechtsstaat bewusst. Isolierte Einzelgänge sind kein Modell für eine gedeihliche Zukunft“, lautete ihre Botschaft. Es sei nicht nur der Krieg, der uns bedrohe, es resultierten noch viele weitere Herausforderungen, denen sich Unternehmen stellen müssten.

Kosten steigen

Unterbrechungen der Lieferketten ließen die Preise steigen und führten, trotz teilweise voller Auftragsbücher, zu Lieferengpässen bis hin zu Produktionsausfällen. Die Liste der Rohstoffe und Güter, die von Beschaffungsschwierigkeiten betroffen sind, seien lang. Die Preise für Energie, Rohstoffe und Zulieferprodukte schossen regelrecht in die Höhe.

Ebenso stiegen die Transportkosten. Die Gefahr einer Stagflation steht im Raum. Schwierigkeiten in der Materialbeschaffung träfen nicht nur die Konsum-, sondern auch die Investitionsgüter und verzögerten deshalb ebenfalls die Investitionstätigkeit der Unternehmen. „Der Wirtschaft gebührt ein großer Dank, weil sie einerseits die Sanktionen mitträgt und andererseits vielerorts den Flüchtlingen eine Arbeit anbietet. Das ist ein Engagement und eine Chance zugleich“, erläuterte die Präsidentin.

Erfolgreich bleiben

Eine weitere große Herausforderung für Unternehmen ist und bleibt es, geeignete Arbeitskräfte zu finden, wie am Abend zu hören war. Die demografische Entwicklung verstärkt den Mangel in Zukunft. „Dem müssen wir mit Nachdruck auf allen politischen, unternehmerischen und gesellschaftlichen Ebenen begegnen. Denn ohne Fachkräfte kein wirtschaftlicher Erfolg, ohne wirtschaftlichen Erfolg kein Wohlstand. Unser Wirtschaftsstandort Region Basel muss für Fachkräfte interessant bleiben, deshalb sind nicht nur die Personenfreizügigkeit und die Teilnahme an europaweiten Forschungsprogrammen wie Horizon Europe so wichtig, sondern auch attraktive Steuern für natürliche Personen“, betonte Schneider-Schneiter.

Kompass neu ausrichten

Wenn die Welt eine ganz andere sei, dann müsse man den Kompass neu ausrichten und sich auf das Wesentliche konzentrieren, zeigte sich HKBB-Direktor Martin Dätwyler überzeugt: Die politische Stabilität unseres Landes ziehe Investoren und Unternehmen an. Sie leide, wenn politische Gruppierungen die demokratischen Spielregeln strapazieren und die Wirtschaft ständig gegen die Initiativ- und Referendumsflut antreten müsse. Zudem würden wir unsere Rechtssicherheit leichtfertig aufs Spiel setzen, wenn wir den Eiertanz um die Europafrage weiter verlängerten. Die Exzellenz in Lehre und Forschung unserer Hochschulen locke die hellsten Köpfe der Welt an. Diese Magnetwirkung würden wir gefährden, wenn wir uns aus falsch verstandenem Souveränitätsdenken von weltweit ausstrahlenden Programmen wie „Horizon“ und „Erasmus“ verabschieden.

Digitalisierte Welt

Ein Schlaglicht warf Dätwyler auch auf die Digitalisierung: Die digitalisierte Welt bringe viele Chancen, sie berge aber auch Gefahren: „Seien es Phishing-Mails oder heimlich eingespeiste Schadsoftware – immer mehr Unternehmen werden Opfer von Cyber-Angriffen“, warnte Dätwyler.

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