Basel Gefahr rollt weiter durch Basel

 Foto: Michael Werndorff

Basel - Durch den Badischen Bahnhof in Basel gelangen jährlich tonnenweise Gefahrgüter in die Schweiz. Der Bundesrat sieht trotz der Kritik aus dem Stadtkanton keinen Handlungsbedarf, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen.

„Ich verstehe die Haltung des Bundesrates nicht“, wird der Basler SP-Nationalrat Beat Jans in einem Bericht der Basellandschaftlichen Zeitung zitiert. Er habe beim Bund nachgehakt und wolle das Thema nicht auf sich beruhen lassen.

18 000 Tonnen Chlor durch Bahnhof geleitet

Im Jahr 2011 wurden insgesamt 16 000 Tonnen und im Jahr 2014 18 000 Tonnen Chlor durch den Badischen Bahnhof geleitet (wir berichteten). Das Gas wird zur industriellen Herstellung anderer Chemikalien eingesetzt und führt beim Menschen zu einer starken Reizung der Schleimhäute bis hin zu Atemnot und Tod, sollte es bei einem Unfall unkontrolliert in die Luft freigesetzt werden.

„Bei den bestehenden Risiken kann die Basler Bevölkerung mit den betrieblichen Maßnahmen geschützt werden“, antwortete Simonetta Sommaruga, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation auf die Anfrage von Jans. Das Risiko in Basel sei nicht höher als anderenorts an Bahnhöfen in der Schweiz.

Als eine dieser betrieblichen Maßnahmen wurde die Geschwindigkeit der Gefahrgutzüge eingeschränkt. Darauf hatten sich im vergangenen Jahr Wirtschaft, SBB, Bundesamt für Verkehr und Bundesamt für Umwelt verständigt.

Seit dem Jahr 2018 fahren Chlortransporte im ganzen Bahnnetz der Schweiz nur noch mit 40 Kilometern pro Stunde. Allein dadurch kann laut Bund das Unfallrisiko um das Zehnfache reduziert werden.

Nur Geschwindigkeit beschränken, reicht nicht

Doch diese Maßnahme reicht dem Kanton Basel-Stadt nicht aus. Durch den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Karlsruhe und Basel auf vier Gleise soll der Gefahrguttransport bis 2030 um 60 Prozent zunehmen.

Daher fordert der Kanton unter anderem ein Extragleis für den Badischen Bahnhof, eine Brandschutzmauer und ein Rückhaltebecken, welches die auslaufenden Chemikalien auffängt, bevor sie in den Rhein fließen könnten.

Olivia Ebinger, stellvertretende Leiterin Kommunikation beim Bundesamt für Verkehr, hielt eine bauliche Einhausung für eine „Extremvariante“. Zudem sah sie eine solche Maßnahme in Anbetracht des Gefahrenrisikos als nicht verhältnismäßig an. Diese Einschätzung teilte die Deutsche Bahn. Das Unternehmen wollte weder ein Extragleis noch eine Einhausung bauen.

Auch für den Bund sind die vom Kanton geforderten Maßnahmen noch kein Thema. „Gemäß Störfallverordnung sind bauliche Maßnahmen nur dann nötig, wenn ein untragbares Risiko vorliegt, und das ist in Basel nicht der Fall, schreibt Sommaruga in ihrer Antwort.

Unterstützung erhält Basel derweil aus Deutschland. Die Freiburger Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, die Südbaden vertritt, bekräftigte: „Ich kann die Forderungen nur unterstützen. Man darf die Gefahrenlage nicht verharmlosen.“

37 Einsprachen liegen zum Ausbauprojekt vor

Insgesamt lagen bis Februar zum Basler Ausbauprojekt 37 Einsprachen vor, von denen zwei aus Deutschland stammen. Der Rest kommt aus Basel. Das Einsprachverfahren soll aber keine aufschiebende Wirkung haben. Mit dem Bau will die DB erst bei vorliegendem Planfeststellungsbeschluss beginnen.

Für Jans ist die Antwort seiner Parteikollegin Sommaruga auf seine Anfrage mehr als unbefriedigend: „Angesichts der Ausbaupläne der deutschen Bahn sei jetzt der Zeitpunkt zum Handeln“, wird der SP-Mann zitiert. „Ich habe mir mehr erhofft.“

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

  • Bewertung
    0

Newsticker

blank

Umfrage

Recep Tayyip Erdogan

Der Einmarsch türkischer Truppen in Nordsyrien sorgt für viel Kritik. Die USA verhängen jetzt Sanktionen gegen die Türkei. Befürworten Sie das Vorgehen?

Ergebnis anzeigen
loading