Basel Gegen Abschottung und Protektionismus

Michael Werndorff
 Foto: Fotos: Werndorff

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Großandrang in der Schopfheimer Stadthalle: Zum traditionellen Neujahrsempfang der IHK-Hochrhein Bodensee haben sich am Dienstagabend zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der gesamten Region unterm Kupferdach wieder ein Stelldichein gegeben. Als Festredner hatte die IHK den Schweizer Unternehmer Giorgio Behr eingeladen. Musikalische Akzente setzte die Gruppe „Sameday“.

Gegen eine zunehmende Abschottung und Feindseligkeiten, für eine Welt, die miteinander Handel treibt und auf die friedenssichere ökonomische Kraft setzt: IHK-Präsident Thomas Conrady warnte eindrücklich vor Nationalismus und Protektionismus und warb für das Festhalten am Prinzip von „Wandel durch Handel“, für mehr Welthandel, die Stärkung des Internationalen und offene Grenzen.

Erst die Pandemie, dann der Überfall auf die Ukraine: Die Herausforderungen lassen nicht nach. „Fakt ist, dass nicht nur wir hier am Hochrhein, sondern unser ganzes Land, dass Europa und die Welt vor immensen Aufgaben stehen“, skizzierte Conrady die Ausgangslage: Die Pandemie habe Wirtschaft, Gesundheitssysteme und nicht zuletzt den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Probe gestellt. Die Probe habe man in allen drei genannten Dimensionen bestanden, befand Conrady.

Wandel durch Handel

„Unsere Mitgliedsunternehmen haben gekämpft und wir in der IHK mit ihnen.“ Mit Kurzarbeit und einem ganzen Set von Hilfsmaßnahmen sei es gelungen, Insolvenzen zu vermeiden, die Beschäftigung auf hohem Niveau zu halten und die Versorgung sicherzustellen.

Dann kam der Krieg – „eine einzige Ansammlung grob völkerrechtswidriger Aggression und niedrigster Kriegsverbrechen, durch nichts gerechtfertigt und entschuldbar“, machte Conrady deutlich. Dieser Krieg habe vieles infrage gestellt, worauf unsere Gesellschaft über Jahrzehnte vertraut habe.

Festhalten müsse man am Prinzip „Wandel durch Handel“, das keineswegs gescheitert sei: „Nur, wenn wir unsere Ressourcen und Fähigkeiten fair teilen, erzielen wir bestmögliche Ergebnisse auf beiden Seiten einer Handelsbeziehung“, erklärte der IHK-Präsident. In Russland habe das Prinzip versagt, weil kein Wandel stattgefunden habe, verwies er auf die Machenschaften korrupter politischer Eliten und Oligarchen. „Eine ökonomische Entwicklung und politische Emanzipation der Bevölkerung hat es dagegen bis heute nicht gegeben.“ Was dieses Land gebraucht hätte und weiterhin brauche, wäre nicht weniger, sondern mehr und vor allem echter Wandel durch Handel, sagte Conrady, der sich für eine Stärkung des Internationalen und offene Grenzen aussprach.

Beziehungen pflegen

Man tue gut daran, Beziehungen zu pflegen: „Deshalb wären wir schlecht beraten, ließen wir die Einbindung der Schweiz in den Binnenmarkt der EU an Uneinigkeit in wenigen Sachpunkten scheitern“, kommentierte er das schwierige Verhältnis der Schweiz zur EU. „Wir dürfen nicht nachlassen, Europa zu stärken und zu einen, dass es mithalten kann mit den großen Playern jenseits des Atlantiks und im pazifischen Raum“, sagte Conrady. Für ein Klein-Klein an den Binnengrenzen sei kein Raum. Weiter thematisierte Conrady die Aspekte Demographie, Dekarbonisierung und Digitalisierung.

Für qualifizierte Zuwanderung

So lautete eine These, dass man es ohne qualifizierte Zuwanderung nicht schaffen werde; weiter müsse an der Qualität und Effizienz der Bildungssysteme gearbeitet werden. In diesem Zusammenhang stellte der Gastredner Deutschland kein gutes Zeugnis aus: „Deutschland ist nicht mehr gut unterwegs“, stellte der Präsident der IVS Wirtschaftskammer der Region Schaffhausen und Mitglied des Vorstands-Ausschusses der Zürcher Handelskammer und Co-Präsident von Autonomiesuisse fest. „Wir müssen uns gut überlegen, wie wir die Bildung nach vorne bringen.“ Einst sei Deutschland der Inbegriff von Fachkräften und Berufslehre gewesen. Er warb unter anderem dafür, Schülern die Angst vor Mint-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu nehmen.

  • Bewertung
    2

Umfrage

Kampfjets

Nachdem die Bundesrepublik nun doch Kampfpanzer an die Ukraine liefert, werden erste Forderungen nach Kampfjets laut. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Ergebnis anzeigen
loading