Basel Gegen die Wegwerfgesellschaft

Michael Werndorff
Basler Brockenstuben sind wahre Fundgruben und laden zum Stöbern ein. Foto: zVg

„Hafen-Brocki“ im Holzpark am Rhein, der Petershof oder das „Jäger- und Sammler“-Brocki in Allschwil oder regelmäßig stattfindende Flohmärkte: Das sind nur einige Beispiele einer ausgeprägten Brockenstuben-Kultur in der Stadt am Rheinknie. Damit Interessierte die gesamte Bandbreite entdecken können, hat der Autor Michael Koschmieder das Buch „Basel aus zweiter Hand“ zu Papier gebracht.

Von Michael Werndorff

Basel. Seine erste Brocki-Tour durch Basel machte der ehemalige Lehrer und VHS-Leiter vor 37 Jahren für die Volkshochschule in Wehr, für die er ein kleines Heft mit einem Dutzend Brockenstuben gestaltete. „Seither war ich gut fünfzig Mal mit Gruppen in Basel unterwegs und häufig wurde ich danach angerufen, weil mein Faltplan mit einer Kurzvorstellung der Brockis so begehrt war“, erzählt Koschmieder im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Gedanke, die Brockenhäuser und artverwandte Läden sowie Flohmärkte der Region in einem Buch vorzustellen, ergab sich dann fast von selbst.

Koschmieder war mit seinem Projekt unter dem Arm beim Friedrich-Reinhardt-Verlag am Rheinsprung aufgetaucht und hatte den Chef für „Basel aus zweiter Hand“ begeistern können, welches die Basler Second Hand-Szene mit ihren Brockenhäusern, Flohmärkten, Antiquariaten und Boutiquen detailliert vorstellt. Im Frühjahr hätte das Buch erscheinen sollen, Corona verschob alles auf den Herbst. Aus den geplanten 88 Seiten waren bis dahin genau doppelt so viele geworden, kein Wunder, allein 32 Brockenhäuser werden im Werk ausführlich und bildreich vorgestellt mit ihren speziellen Angeboten, Besonderheiten, darunter so kuriose wie das „Hafe-Brocki“ im Holzpark am Rhein, der Petershof oder das „Jäger- und Sammler“-Brocki in Allschwil.

Früher eine muffige Angelegenheit

Die sieben regelmäßig stattfindenden Flohmärkte sowie Antiquariate, Second-Hand-Kleiderläden und kuriose Projekte wie das Leihlager oder das Second-Hand-Backwaren-Café am Spalentor dürfen natürlich nicht fehlen. Ebenso wirft Koschmieder einen Blick über die Landesgrenze.

„Natürlich liebe ich die Basler Second-Hand-Szene und das Recherchieren war mir ein Vergnügen – und ich hoffe, dass man das herauslesen kann. Dass der renommierte Reinhardt-Verlag mir viel Narrenfreiheit ließ, hat mich besonders gefreut“, verrät Koschmieder.

„Die Brockenhäuser waren lange eine staubige und muffige Angelegenheit.“ Das gebe es heute kaum noch, erklärt der Autor. Menschen in prekären Lebensverhältnissen für wenig Geld Möbel, Kleidung und Geschirr zu verschaffen, war die ursprüngliche Idee. Schon vor 50 Jahren wurde die Brockenbude „Glubos“ gegründet – ein rhetorischer Purzelbaum mit dem Warenhausnamen „Globus“. Das habe damals Wegwerfmöbel aus Karton auf den Markt gebracht – die Glubos-Genossenschafter setzten dagegen demonstrativ auf den Wiederverwertungsgedanken und damit auf ein Konzept, das heute Nachhaltigkeit heißt.

Alle 56 vorgestellten Brockis und Second-Hand-Geschäfte stünden im Dienst der Verlängerung des Warenkreislaufs, viele testeten und reparierten ihre Waren und erhielten ihren Wert, führt Koschmieder aus. „Und auch die kommerziellen Anbieter tun etwas Wichtiges und Gutes, schaffen wertvolle Arbeitsplätze für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt und präsentieren ein individuelles und einzigartiges Warenangebot.“ Das Buch wie auch seine Leserschar und die vorgestellten Objekte leisten laut Koschmieder einen Beitrag zum Schutz von Umwelt, Klima, Ressourcen und zur Verlängerung des Warenkreislaufs. „Meine grundsätzliche Sympathie für alle, die sich ehrenamtlich oder auch um davon zu leben, in den Dienst der Wiederverwertung stellen, ist hoffentlich erkennbar.“

In Kleinbasel gibt es allein sieben Brockenhäuser. „Die meisten haben eine längere Tradition im eher tristeren Hinterhofmilieu, andere wie das Hafen-Brocki im Holzpark Klybeck sind schicke und originelle Newcomer“, weiß der Autor, der alle Brockenhäuser in Text und Bild ausführlich vorstellt. Damit die Übersicht nicht verloren geht, werden im Schlusskapitel alle 56 Orte noch einmal aufgelistet, neben einem Foto mit der Außenansicht sind Adresse, Tram- oder Bushaltestelle, Öffnungszeiten und eine Besonderheit sowie die Website aufgeführt.

Zudem weist der erfahrene Stadtführer auch auf einige Hingucker in der Nähe hin, so etwa auf den südlichsten Punkt von Baden-Württemberg gleich bei der „Schatzinsel“, dem AWO-Sozialkaufhaus in Wyhlen, oder auf die besterhaltene Festungskirche der Region in Muttenz. Bei der Beschreibung der Brockis hat sich der Autor um Objektivität bemüht. „Aber letztlich bleibt das doch eine recht subjektive Angelegenheit, denn Brockis können begeistern – ­mal weniger, mal mehr.“

Weitere Informationen: „Basel aus zweiter Hand“ von Michael Koschmieder ist im Friedrich Reinhardt Verlag Basel erschienen und kostet 19,80 Euro. ISBN: 978-3-7245-2481-6

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