Basel - Die Luft ist gut. Monoton summt die Lüftungsanlage und sorgt für einen deutlich wahrnehmbaren Windhauch. Wenn es ganz leise ist, kann man hier sogar die Schrauben der Schiffe auf dem Rhein hören: Willkommen in Basels geheimer Unterwelt.

"Geheim“ ist in diesem Fall wörtlich zu verstehen, denn eigentlich braucht niemand davon zu wissen, wie Stefan Bachmann, Projektleiter beim Tiefbauamt, mit Verweis auf Sicherheitsfragen sagt. „Auch wenn die Leute sich vielleicht denken können, was hinter den etwas versteckten Eingängen liegt, machen wir doch kein großes Aufhebens darum“, sagt er beim Rundgang mit unserer Zeitung.

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Anlass war die neue Brücke

Vier Tunnel gibt es in Basel unter dem Rhein. Der größte und wichtigste von ihnen verbindet Groß- und Kleinbasel unter der Dreirosenbrücke. Er wurde vom Frühjahr 1995 bis zum Dezember 1996 geschaffen. Anlass war der Bau der neuen Dreirosenbrücke, wie Bachmann erklärt. „Die alte Brücke hatte einen großen Brückenkasten, der genug Raum für Leitungen und Kabel bot. Dies ist bei der neuen Brücke nicht mehr der Fall, da sie zweistöckig Verkehr führt.“ Gekostet hat der Tunnel damals 20,5 Millionen Franken, wobei 6,5 Millionen Franken auf das Verlegen der Leitungen, der Rest der Kosten auf den Rohbau entfallen sind.

Auf Großbasler Seite wurde mit dem sogenannten Schlitzwandverfahren zunächst ein 30 Meter tiefer Schacht gegraben, der heute die Treppe in die Tiefe beherbergt. Dann wurde ein Tunnelelement nach dem anderen in den Boden gedrückt, wie Baumann das Verfahren beschreibt. Davor musste der Raum dafür in den Fels gefräst werden, gute 17 Meter unter dem Rhein. Auf der Kleinbasler Seite befand sich die Baustelle für den Tunnelzugang aus Platzgründen auf dem Fluss, hier liegt der Tunnel in 21 Metern Tiefe.

13 Kilometer Tunnel

Insgesamt gibt es in Basel 13 Kilometer solcher Leitungstunnel. Zwei begehbare Tunnel und zwei Rohrleitungen für Abwasser führen unter dem Rhein hindurch. Der längste von ihnen ist insgesamt 2,2 Kilometer lang, er verbindet die Flughafen- mit der Horburgstraße. Durch ein Teilstück dieses Leitungstunnels (LT) von 290 Metern Länge führt der Rundgang mit Stefan Bachmann.

Mit dabei ist auch Christoph Kohler, ebenso wie Bachmann für die Projektleitung der Leitungstunnel zuständig. Denn alleine darf niemand in den Tunnel. „Es müssen immer mindestens zwei Leute sein“, legt er dar. Denn wenn einer der beiden etwa eine Herz- oder Kreislaufschwäche erleidet, kann der andere immer noch Hilfe holen. Überhaupt hat Sicherheit hier unten oberste Priorität. So funktionieren die Mobiltelefone überall im Tunnel einwandfrei. „Man hat nirgendwo in Basel so guten Handyempfang wie in unseren Tunnels, denn wir haben hier Strahlenmasten“, bringt es Bachmann auf den Punkt.

Sicherheit an erster Stelle

Auch dies hat handfeste Sicherheitsgründe. Immerhin verlaufen durch einige der Leitungen Stickstoff und Gas, was potenziell durchaus gefährlich ist. Aus diesem Grund hat es in regelmäßigen Abständen Brandmelder, die direkt mit der Feuerwehr und dem Tiefbauamt verbunden sind. Neben möglichem Rauch befinden sich auch Gasmeldeanlagen im Tunnel, ebenso wird der Sauerstoffgehalt der Luft konstant gemessen.

Dabei ist man auf sämtliche Notfälle eingestellt. Bräche ein Brand aus, so würde die Lüftungsanlage automatisch ihren Betrieb einstellen, und alle Lampen gingen an. Bei einem Gasaustritt hingegen würden die Lichter ausgehen, und die Lüftungsanlage würde auf Höchstleistung schalten.

Zweimal im Jahr wird der Tunnel kontrolliert. Einmal durch das Tiefbauamt, das für das Bauwerk an sich verantwortlich ist, einmal durch die Industriellen Werke Basel (IWB), die für die meisten der Leitungen zuständig sind. Für jene nämlich, die Wasser, Abwasser, Strom und Gas führen.

Firmen nutzen Leitungen

Es gibt hier unten aber auch Leitungen, die von verschiedenen Firmen genutzt werden, darunter Stickstoff oder Glasfaserkabel für die Telekommunikation. Diese privaten Nutzer stehen in einem Mietverhältnis mit der Stadt Basel. Finanziert wurde der Tunnel damals zu 65 Prozent vom Bund, weil er im Rahmen der Nordtangente entstand, der Rest des Betrags wurde vom Kanton und den IWB aufgebracht.

Auch auf einen Stromausfall ist man in dem Tunnel vorbereitet. Jede fünfte Lampe würde in einem solchen Fall weiterbrennen, sagt Kohler. Falls auch dies nicht klappen sollte, sind alle paar Meter Stangen platziert, die mit fluoreszierenden Farben gestrichen sind und den Weg in die Freiheit weisen. Und dies tun sie zuverlässig, wie bei einem Selbstversuch mit abgeschaltetem Licht deutlich wird.

Im Durchschnitt halten sich einmal im Monat Kontrolleure in dem Tunnel auf. Um zu verhindern, dass etwa das Licht nach der Kontrolle wochenlang brennt, werden alle Lichter um Mitternacht zentral ein- und wieder ausgeschaltet. „Wenn dann ein Licht schon gebrannt hat, merken wir das nicht, aber nach dem Ausschalten ist es garantiert aus“, sagt Bachmann.

Im Tunnel wird es ab dem kommenden Jahr etwas enger werden. „Dann kommen hier zwei neue Rohre rein, mit denen Abwasser von Groß- nach Kleinbasel befördert wird“, sagt Bachmann. Es tut sich also weiterhin etwas in Basels geheimer Unterwelt.