Basel Gemeinsam gärtnern in der Stadt

Die Oberbadische, 16.05.2018 17:12 Uhr

Während nur wenige Meter entfernt der Tram- und Autoverkehr vorbeirauscht, bietet sich in einem Basler Hinterhof eine grüne Oase, in der Quartierbewohner und Engagierte Gemüse, Obst und Kräuter kultivieren. „Urban Gardening“, also gärtnern in der Stadt, heißt das Phänomen, das weltweit Anhänger hat und in vielen Städten längst zum Alltagsbild gehört.

Von Michael Werndorff

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Basel. Wo sich einst asphaltierte Parkplätze befanden, wächst zartes Grün. Ein eigens zusammengezimmertes Gewächshaus findet sich ebenso auf der renaturierten Fläche zwischen Wohnbebauung und dem ehemaligen Fußballstadion des FC Basel, wo im Jahr 2011 der erste Spatenstich stattfand. Damals wurde gemeinsam mit der Basler Stadtgärtnerei der Asphalt abgetragen und Raum für das „Urban Gardening“-Projekt geschaffen, wie Mitinitiatorin Dominique Oser vom Verein Urban Agriculture Basel im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. „Gemeinsam haben wir viel Kraft und Zeit investiert, die Fläche zu renaturieren und den Garten anzulegen.“

Dieser ist gut besucht, und an interessierten Helfern mangelt es nicht, wie ein Besuch vor Ort zeigt. Im gemütlichen Hinterhof wird auch gemeinsam gegessen und gefeiert – ­ein Beweis dafür, dass sich der Gemeinschaftsgarten an der Riehener Straße mittlerweile zu einem wichtigen Treffpunkt für das gesamte Quartier gemausert hat. Es ist ein Ort der Begegnung für unterschiedliche Gesellschafts- und Nutzergruppen.

Möglich wurde das, weil sich das Stimmvolk gegen eine Überbauung entschied und mit 60 Prozent für die Initiative „Der Landhof bleibt grün“ votierte.

Das Projekt eines Gemeinschaftsgartens steht für die Rückkehr der Gärten in die Stadt und ist eines der vielen Angebote des Vereins, der im Jahr 2010 gegründet wurde und mit rund 50 Projekten Erlebnis- und Begegnungsräume schafft. „Der Schlüssel unseres Vereins ist das Tun und Machen, anstatt nur darüber zu reden“, antwortet Vorstandsmitglied Bastiaan Frich auf die Frage, wie der Verein Basler dazu bringen will, in der Stadt Kräuter und Gemüse anzubauen. Der Verein thematisiert die globalen Herausforderungen der Lebensmittelproduktion, aber alles entstehe mehr aus einem Begegnungsraum heraus, in dem sich Menschen mit den drängenden Problemen konkret auseinandersetzen und sich engagieren. „Einfach aus dem Antrieb heraus, eine friedlichere Welt zu schaffen – ­lokal vor Ort durch regionale Projekte, aber auch global durch verändertes Konsumverhalten“, wie Frich sagt. Das treibe die Basler an. Dabei sei es besonders wichtig, auch junge Menschen mit ins Boot zu holen, die selber Verantwortung übernehmen und Räume anders gestalten. Für Frich steht fest, dass die Urban-Agriculture-Bewegung die Brücke von der städtischen Bevölkerung zur landwirtschaftlichen Umgebung schlägt.

Im Rahmen seiner Arbeit muss der Verein viel Vertrauensarbeit in Schulen, Behörden und Institutionen leisten, wie das Vorstandsmitglied berichtet. „Während dieser Zeit haben die Verwaltungen ihre Erfahrungen mit uns gemacht: Aber erst kommt ein großer Berg Misstrauen und das Verharren im Ist-Zustand, was wir auch verstehen.“ Man will aber dranbleiben, schließlich finde derzeit ein Paradigmenwechsel statt, der unumgänglich sei.

Weitere Informationen: Informationen zu allen Projekten des Vereins finden Interessierte im Internet unter www.urbanagriculturebasel.ch.