Basel Geplanter Tunnel erhitzt die Gemüter

ov/sda
Ein geplanter Rheintunnel soll den Verkehr entflechten. Die Kosten belaufen sich auf rund 2,6 Milliarden Franken. Foto: Juri Weiss/Juri Weiss

Die Allianz „Nein zum Rheintunnel“ macht gegen das Großprojekt mobil.

Tausende Seiten Pläne und Berichte liegen seit Kurzem zum Rheintunnel öffentlich auf. Nun können die konkreten Auswirkungen vom Bau und dem Tunnel selbst erstmals abgeschätzt werden.

Klar sei, dass mehr Straßen auch mehr Autoverkehr erzeugen, wie die Empirie aus den vergangenen Jahrzehnten zeige, schreibt die Allianz in einer Stellungnahme zum geplanten Großprojekt. Gegen den Bau sprechen sich unter anderem die Grünen beider Basel, Basta, der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband und der Umweltschutzverband VCS beider Basel aus.

„Beim Rheintunnel, wie bei ähnlichen Straßenprojekten, wird wider besseres Wissen und auf Basis ungenügender Modelle das Gegenteil behauptet. Wieder einmal zeigt sich, dass beim umweltschädlichen Autoverkehr die Planung von Großprojekten zügig vorangeht, während einfache Infrastruktur für den Veloverkehr und ÖPNV-Projekte kaum vorwärtskommen“, monieren die Kritiker. Diese Prioritäten seien angesichts der Klimakrise unverantwortlich.

Vage Versprechen

Und weiter: „Während Kantone und Bund gerne die Chancen ansprechen, die sich durch den Rheintunnel böten, bleiben sie vage.“ Dabei könnten viele Maßnahmen bereits heute und ohne den Rheintunnel umgesetzt werden, um ohne Intensivierung des Autoverkehrs auf die Anliegen der Bevölkerung einzugehen, sie vor Lärm zu schützen und den Autoverkehr erträglicher zu gestalten, heißt es weiter. Mit dem Rheintunnel dürften die versprochenen Verbesserungen wie Lärmschutz, mehr Grünflächen, Infrastruktur für Fuß- und Veloverkehr weiter hinausgezögert werden, ist die Allianz überzeugt.

Darüber hinaus würden die Kantone ihre Verfassungen und Parlamentsbeschlüsse missachten, geht aus der Stellungnahme hervor.

Bewusst missachtet

Beide Kantone hätten Bestimmungen zum Umweltschutz und Verkehr in ihren Verfassungen, die sie mit ihrer Unterstützung des Rheintunnels bestenfalls ignorieren, wohl eher aber bewusst missachtet. Die Baselbieter Kantonsverfassung verlange eine „umweltgerechte Verkehrsordnung“. Zudem fördere der Kanton laut Paragraf 112 „umweltgerechte Technologien“. In der Verfassung des Kantons Basel-Stadt stünden ähnliche Vorgaben. Die Regierung des Stadtkantons drücke sich um die Umsetzung des parlamentarischen Vorstoßes „Grossenbacher“, der den Rückbau der Osttangente verlangt. Trotz klarem Beschluss des Großen Rats für den Rückbau will der Regierungsrat lediglich eine Umnutzung von Rampen und Tempo 60 auf der Osttangente prüfen.

Der Rheintunnel der Autobahn A2 bei Basel rückt nun einen Schritt näher. Für das inzwischen auf 2,6 Milliarden Franken veranschlagte teure Projekt findet bis zum 14. Dezember die öffentliche Planauflage statt.

Straßen entlasten

Das Verkehrsaufkommen auf der Osttangente zwischen den Verzweigungen Hagnau und Wiese sinke im Prognosezeitpunkt 2040 mit dem neuen Rheintunnel um rund 30 Prozent, teilte das Bundesamt für Straßen (Astra) dieser Tage nach einer Informationsveranstaltung in Basel mit. In diversen Straßen in Basel würde der Verkehr um zehn bis 20 Prozent entlastet – im ganzen Kanton sei eine Abnahme um vier Prozent oder 45 000 Fahrzeugkilometer zu erwarten. Kernstück des Straßenbauprojekts sind zwei zweispurige und zwei einspurige Röhren von 3,6 beziehungsweise 3,8 Kilometern Länge. Sie sollen als parallele Autobahn zur heutigen A2 in Birsfelden beginnen, 18 Meter unter dem Flussgrund den Rhein unterqueren und im Basler Quartier Kleinhüningen wieder an die Oberfläche und über neue Rampen und Verbindungstunnels an das bestehende Autobahnnetz nach Deutschland und Frankreich führen.

Die Bauarbeiten für den Rheintunnel sollen frühestens im Jahr 2029 starten, die Inbetriebnahme ist frühestens für 2040 vorgesehen, wie es von offizieller Seite heißt.

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