Basel Gut geschnürt

Basel - Kaum zu glauben, was Frauen damals unter ihren Blusen und Röcken alles mit sich herumtrugen. Schnüre, Stäbe, Haken und Ösen, wohin man schaut: Die Ausstellung „Korsetts. Edel und bunt geschnürt“ im Museum Spielzeug Welten in Basel ist zwar klein, doch sie hinterlässt bleibenden Eindruck.

Die Ausstellung zeigt in einer bunten Zusammenstellung sorgfältig geschneiderter Gerätschaften, die Frauen in früheren Jahrhunderten halfen, unter ihren Kleidern „auf Linie“ zu bleiben – vom gehobenen Busen über die prägnante Wespentaille abwärts bis hin zu den weit ausladenden Hüften und dem gewölbten Hinterteil. Vom nach beiden Seiten ausladenden Panier aus den 18. Jahrhundert – benannt nach den damals auf Märkten verwendeten Hühnerkörben bis hin zu aufwendigen Modekreationen aus der heutigen Zeit – inspiriert durch Superstars wie Madonna – reicht die Palette der Ausstellungsstücke. Mieder, Krinoline, Korsett und Turnüre, sie alle haben die gleiche Funktion: Frauen entsprechend der vorherrschenden Modeströmung in die richtige Form zu bringen.

Auch Kinder wurden in den Mieder gesteckt

Sogar Kinder wurden in enge Mieder gesteckt, um sie beizeiten zu einer aufrechten Haltung zu erziehen. Trotz aller Warnungen von Ärzten wegen Deformierungen und innerer Verletzungen der Frauen durch die enge Schnürung: Bis ins 20. Jahrhundert hinein waren Korsetts für Frauen, die etwas auf sich hielten, Pflicht, bevor sie nach und nach durch sogenannte Reformkleider ersetzt wurden.

Vier Jahrhunderte lang spielten vielfältige Formen von Miedern und Korsetts, Reifröcken und Turnüren, auch „Krebsschwänze“ genannt, eine unabdingbare Rolle vor allem in der höher gestellten Damenwelt. Die Französische Revolution und andere Volksbewegungen führten dazu, dass solche Modeobjekte sich in weiteren Volksschichten ausbreiteten – ein nicht zu unterschätzender Geschäftszweig für die Schneiderzunft.

Mehr als eine Million Korsetts jährlich wurden zwischen 1852 und 1870 von 10 000 weiblichen Corsetières allein in Paris geschneidert, ein Berufszweig, der zunehmend auch Frauen ein finanzielles Auskommen sicherte. Auf bunten Plakaten und in Zeitschriften wurden die neuesten Kreationen beworben, die sich mehr und mehr auch der Gestalt der Trägerin anpassten. Beispiele für solche Reklame sind auch in der Basler Ausstellung zu sehen, ebenso wie kunstvoll verzierte Korsettschachteln. Ein besonderer Hingucker ist das Korsett in blasslila, das Martine Carol 1955 in dem Film „Nana“ nach dem Roman von Émile Zola trug.

Die Krinoline spielte eine Sonderrolle

Eine Sonderrolle spielt die Krinoline, ein Reifrock, der zuerst aus Rosshaar und Leinen, später aus Federstahlbändern bestand. Als unverkennbare Modeerscheinung prägte er das 19. Jahrhundert, in einem solchen Maß, dass sogar von „Crinolinemania“ die Rede war.

Um 1868 erreichte die Krinoline mit einem Saumumfang von sechs bis acht Metern ihre üppigste Weite. Das unpraktische Kleidungsstück, das einen enormen Aufwand beim Ankleiden erforderte, führte auch zu Gespött in satirischen Artikeln und Zeichnungen. Der Einstieg in eine Kutsche wurde so zum fast unüberwindbaren Hindernis; Frauen starben, weil ihre gewaltigen Kleider in Brand geraten waren.

Heute hat das Korsett seine Funktion geändert: Weg vom Modediktat mit Zwangscharakter, hin zum verspielten, erotischen Accessoire. Mit ihren zeitgenössischen Entwürfen zeigt die von Laura Sivanovich sorgfältig kuratierte Ausstellung auch diesen Aspekt des kreativ gestaltenden Umgangs mit dem weiblichen Erscheinungsbild. „Das Korsett von heute ist ein Kleidungsstück für die mutige Frau, die sich nicht scheut, sich und ihren Körper zu inszenieren“, heißt es in der Hintergrundinformation zur Ausstellung.

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