Basel Hallensanierung von oben bis unten

Basel - Gerüste und Absperrungen behindern derzeit den freien Blick durch die Halle im Bahnhof SBB. Der größte Grenzbahnhof Europas wird nämlich zur Zeit generalüberholt – und zwar ganz oben.

Die gigantische Dachkonstruktion entstand vor ungefähr 114 Jahren. Sie überdeckt mit ihren fünf Hallen die Gleise 1 bis 10. Die später gebauten Bahnsteige werden von Flachdächern geschützt. Bereits 1935/36 gab es eine erste Sanierung einzelner Bereiche, im Jahr 2004 wurden neue Oberlichter eingesetzt.

Seit vorigem Jahr läuft die Totalsanierung aller Metall- und Holzteile des Daches. Insgesamt sind es 18 000 Quadratmeter Dachfläche, die von mehreren Gewerken bearbeitet werden. Die 85 Meter breite Halle erreicht an ihren längsten Abschnitten 225 Meter.

Drei Sektionen

Um den Bahnbetrieb so wenig wie möglich zu stören, wurden die Arbeiten in drei etwa gleich große Sektionen aufgeteilt. Bereits fertiggestellt ist der östliche Teil. Im mittleren Sektor steht derzeit das gewaltige Gerüst, und der westliche Teil kommt im nächsten Jahr an die Reihe. „Bevor die Arbeiten begannen, gab es grundlegende Abstimmungen mit dem Denkmalschutz, denn der Charakter der Bahnhofshallen soll nicht verändert werden“, erklärte Denise Bade, Projektleiterin des Planungsteams bei der SBB. „Deshalb erhält die innere Holzverkleidung des Daches wieder eine Farbe, die dem ursprünglichen Aussehen sehr nahekommt.“

Schadhafte Holzteile in der Verkleidung wurden ausgewechselt, die Holzflächen erhalten drei Anstriche. Zunächst sind aber die alten Dacheindeckungen zu entfernen. Zum Teil wurde damals auch Asbest miteingesetzt. Alle Dachträger aus Stahl und die Hohlstützen, mit denen das gesamte Dach auf dem Boden steht, werden mit Sand abgestrahlt und anschließend mit einem mehrschichtigen Korrosionsschutzanstrich versehen.

Die gesamte neue Dachhaut ist jetzt hinterlüftet. Abgedeckt wurden die großen Flächen mit Eternitschindeln. Insgesamt wird für die gesamte Dachkonstruktion eine weitere Haltbarkeit von 60 Jahren angestrebt.

Um ohne Beeinflussung des Bahnbetriebes arbeiten zu können, erfolgen alle Transporte von Material über das Gerüst und das benachbarte Postgebäude. Auch sind die tragenden Flächen des Gerüstes wasserdicht. Schließlich steht es über den Köpfen der Bahnkunden und über den Stromleitungen für den Bahnbetrieb. Dort darf keinesfalls ein Kontakt zustande kommen.

Gelegentlich kommt es zur Verlegung von Zügen, wenn für die Sanierung der Stützen der Bauzug mit den erforderlichen Materialien und der Technik auf dem Gleis daneben abgestellt werden muss.

Zürcher Lampen

Zur Umgestaltung der Halle gehört auch die Ausstattung mit neuen Leuchten. Die derzeitigen sind weit älter als 20 Jahre. Inzwischen bietet moderne Lichttechnik deutlich bessere Ausleuchtungen. Die sogenannten „Zürcher Lampen“ sind für Bahnhöfe besonders gut geeignet, weil sie aus großer Höhe viel Helligkeit auf den Boden bringen.

Gegen Ende des Jahres wird der zweite Teil der Sanierung abgeschlossen sein. Im Januar kommenden Jahres beginnt die Versetzung des Gerüstes. Etwa drei Monate lang dauert dieser Umbau, dann kann das letzte Segment der Bahnhofshalle renoviert werden. Wie Thomas Holthuisen, Gesamtprojektleiter bei der SBB sagte, wird dies allerdings der schwierigste Abschnitt. „Denn dort treffen wir auf die dichtesten Reisendenströme. Dort müssen wir dann die Baustelle besonders gut absichern“, erklärte er. Außerdem befinde sich dort auch die Passerelle mit den Rolltreppen, die bis dicht unters Dach reiche.

Fallblattanzeigen

Zur Neuausstattung gehört auch der Austausch der Zugabfahrtsanzeigen. Die bisherigen „Fallblattanzeigen“ sind bereits zum überwiegenden Teil abgebaut. Sie werden jetzt durch moderne, digitale Monitore ersetzt.

Zwar müssten die Fahrgäste und Bahnhofsbesucher eine Zeit lang einigen Hindernissen auf den Bahnsteigen ausweichen, aber danach werde der Bahnhof SBB in einem neuen Glanz erstrahlen, sind sich die Projektleiter sicher.

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