Basel Handel kommt wieder in Schwung

Basel  - Wegen der Corona-Verordnung bleibt das Einkaufen diesseits der Grenze für unsere Schweizer Nachbarn noch mindestens bis 15. Juni verboten. Davon profitiert derzeit der Schweizer Einzelhandel. Gleichwohl ist nicht unbedingt mit einem starkem Aufholkonsum zu rechnen, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Der Basler Handel kommt langsam wieder in Schwung. Wer dachte, dass mit dem ersten großen Lockerungsschritt die Läden wieder voll sind, täuschte sich. Am Montag vergangener Woche blieb der Ansturm noch aus. Indes warteten die Menschen geduldig und mit den vorgeschriebenen zwei Metern Abstand zueinander auf den Einlass – etwa in das Warenhaus Globus am Marktplatz oder in die Basler Filiale der Modekette Zara an der Freien Straße. Auch an anderen Orten bildeten sich coronabedingt Warteschlangen.

„Grundsätzlich ist die Stimmung bei den Händlern gut“, zieht Jürg Blattner von der Vereinigung Riehener Dorfgeschäfte Bilanz im Gespräch mit unserer Zeitung. „Der Schock saß tief, als wir unsere Geschäfte gemäß Bundesratsbeschluss von einer Sekunde auf die andere schließen mussten.“

Viele Geschäftsinhaber zeigten sich dann kreativ. Es wurden Onlineshops etabliert und Heimlieferung angeboten, berichtet der Geschäftsführer der Papeterie Wetzel in Riehen. „Viele unserer Mitglieder suchten nach neuen Wegen, um mit den Kunden in Kontakt zu bleiben und ihr Angebot möglichst einfach und unter Einhaltung der Vorgaben an sie zu bringen.“ Damit will man diese auch langfristig über die Grenzöffnung hinaus binden. Außerdem freuen sich Blattner und seine Kollegen über die Bereitschaft der Kunden, den heimischen Handel zu unterstützen.

Unterstützung vor Ort

Das bestätigt auch Mathias F. Böhm vom Verein Pro Innerstadt Basel, der die Interessen des Basler Zentrums vertritt. „Die Kunden haben ein starkes Bewusstsein, die Geschäfte vor Ort zu unterstützen“, betont Böhm, der für das erste Einkaufswochenende eine zufriedenstellende Bilanz zieht. „Es lief besser als gedacht, der Konsum zieht wieder an.“

Die Stadt sei proppenvoll gewesen, erklärt er die Beweggründe der Käufer: Das Lokale fördern, sich selbst eine Freude bereiten und wieder die Normalität genießen. In der ersten Woche standen wetterbedingt hauptsächlich Artikel zum Wohlfühlen auf der Einkaufsliste: Parfüm, Einrichtungsgegenstände und Accessoires.

Der Einkaufs- und Tanktourismus ist nach wie vor nicht gestattet, den Eidgenossen drohen sogar Bußen. Wer an der Grenze erwischt wird, muss 100 Franken berappen. Davon profitieren insbesondere die Lebensmittelhändler. Laut dem St. Galler Ökonom Thomas Rudolph kommen 825 Millionen Franken zusammen, die nun in die Kassen der Schweizer Lebensmittelgeschäfte fließen. „Das ist sicherlich ein willkommener Zustupf für den Lebensmitteleinzelhandel“, sagte Rudolph jetzt zur „NZZ am Sonntag“. Laut Experte könnten Schweizer Läden mit einer zusätzlichen Kaufkraft in Höhe von rund zwei Milliarden Franken im Zeitraum Mitte März bis Mitte Juni über alle Branchen hinweg rechnen.

„Wenn die Grenzen wieder aufgehen, werden es vor allem die Discounter spüren, die von den Grenzschließungen profitiert haben dürften. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Großverteiler aufgrund der Sortimentsbeschränkung ebenfalls Verluste zu verzeichnen hatten“, erklärt David Weber, Pressesprecher des Gewerbeverbands Basel-Stadt, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Kunden denken um

„Die Hoffnung ist natürlich, dass ein Teil der Einkaufstouristen die Vorteile des Einkaufens in der Nähe erlebt hat und weniger häufig den aufwändigeren Gang über die Grenze wählt. Für Basel-Stadt wird es umso wichtiger sein, das Einkaufserlebnis und die Attraktivität weiter zu steigern.“ Diese Hoffnung teilt auch Blattner. „Wegen des Lockdowns haben die Menschen erkannt, was es bedeutet, wenn Geschäfte auf einmal nicht mehr da sind.“ Nun sei es wichtig, dass bei der Aufbruchstimmung die Schweizer Wirtschaft unterstützt wird, viele Arbeitsplätze erhalten werden und die Grenzen noch lange geschlossen bleiben, ist Blattner überzeugt.

Dass Einkaufstourismus nicht wirklich steuerbar sei, macht Böhm deutlich. Pro Innerstadt Basel habe sich in der Vergangenheit bereits gut positioniert, verwies er auf den Pro-Innerstadt-Basel-Gutschein, der jährlich acht Millionen Franken generiere und weitere Projekte, um den heimischen Handel zu unterstützen. „Wir müssen uns nicht neu erfinden.“

Restaurants profitieren

Ein weniger optimistisches Bild zeichnen jetzt veröffentlichte Studien: Für 2020 prognostiziert BAK Economics einen Umsatzrückgang des Schweizer Einzelhandels um 4.4 Prozent. Und: Mehr als die Hälfte der Schweizer haben wegen Corona weniger Geld ausgegeben als zu normalen Zeiten. Das zeigt eine Umfrage, die die Bank Cler zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Bilendi durchgeführt hat. Die Credit Suisse etwa geht in einer aktuellen Studie davon aus, dass jeder Haushalt während der Krise durchschnittlich 2000 Franken mehr spart als sonst. Mit einer großen Konsumwelle ist allerdings vorerst nicht zu rechnen. Nur jeder fünfte Befragte gab in der Umfrage der Bank Cler an, das gesparte Geld der letzten Wochen wieder vollumfänglich ausgeben zu wollen.

Am ehesten dürften laut der Umfrage wohl Restaurants vom Aufholkonsum profitieren. Sie wurden von der Hälfte der Studienteilnehmer während der Schließung am meisten vermisst, gefolgt von Reisen (38 Prozent) und dem Ausgang (31 Prozent). Größter Verlierer ist die Sparte Sport.

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