Basel Hauptsache Geschichten

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Basel. Das Internationale Literaturfestival bringt Bücher ins Gespräch und sorgt vom heutigen Freitag bis zum Sonntag an mehr als 70 Veranstaltungen für Begegnungen mit über 100 Autoren. Präsentiert wird ein dichtes Programm: von klassischen Lesungen über neue und experimentelle Crossover-Projekte, Konzerte bis zu Kinderveranstaltungen. Denker aus verschiedenen Disziplinen diskutieren zum Fokusthema „Entgrenzen“. Und am Sonntag findet die Verleihung des Schweizer Buchpreises statt.

Gabriele Hauger sprach mit der neuen Leiterin des Festivals, Marion Regenscheit.

Frage: Wie wichtig ist das Literaturfestival für eine Kulturstadt wie Basel?

Ich finde es extrem wichtig, dass es in Basel auch ein Forum für Literatur gibt, nicht nur für Bildende Kunst und Theater. Wir präsentieren ein durchmischtes, internationales Programm mit Ausstrahlung: Ich habe dieses Jahr sogar Presseanfragen aus Berlin. Da habe ich gedacht: wow!

Frage: Das Fokus-Thema heißt „Entgrenzung“. Da drängen sich aktuell viele Assoziationen auf. Wie schwierig ist es, das in einem Literaturfestival zu fassen?

Das Schöne an der BuchBasel ist, dass wir auch das Fenster zu politischen Diskussionen hin öffnen. In einer Zeit, in der sich Krise an Krise reiht, wollten wir diesem Gefühl doch irgendwie gerecht werden, ohne uns nur auf einen Aspekt zu begrenzen, zum Beispiel auf das Thema Krieg oder Strom. In den letzten zwei Jahren war das Erleben und der Umgang mit Grenzen in der Schweiz nämlich äußerst vielschichtig: Zum einen die Pandemie mit geschlossenen Grenzen; im Mai dann die Frontex-Abstimmung; später die sofortige Öffnung der Grenzen für ukrainische Flüchtlinge; dazu der Gegensatz, dass für so viele Geflüchtete die Grenzen zubleiben. Das alles ist in unseren Köpfen. Dazu kommt das Literarisch-Ästhetische: Auch hier werden Grenzen überschritten, gesprengt, aufgelöst. Darin steckt so viel Energie. Und viel Potenzial. Das alles wollen wir von verschiedenen Seiten beleuchten.

Frage: Sie sind die neue Leiterin des Festivals. Welche neuen Impulse setzen Sie?

Tatsächlich sprühe ich vor Energie und neuen Ideen! Wir haben bereits jetzt neue Kommunikationsmittel aufgegleist und wollen damit nicht nur die Lesbarkeit erhöhen, sondern auch ein jüngeres Publikum ansprechen. In die Richtung soll es weitergehen. Wir starten ein Community-Projekt, das speziell mit jungen Menschen Literatur erleben will. Einige Veranstaltungen sollen kurzweiliger, spannender und vielfältiger werden. Zudem stellen wir fest, dass das Interesse an Literatur und Mitarbeit am Festival bei jungen Leuten riesig ist. Das wollen wir nutzen und ausbauen.

Frage: Es ist von experimentellen Crossover-Projekten die Rede. Braucht es das heute?

Man kann diese Fragestellung ja noch weiter zurückdrehen: Braucht es überhaupt ein Literaturfestival? Lesen kann schließlich jeder für sich Zuhause. Wenn man es aber toll findet, Autoren live zu erleben, dann ist das der erste Schritt. Darüber hinaus kann man sich entscheiden: Habe ich mehr davon, Autoren über ihr Buch sprechen zu hören, oder möchte ich ein Event rund ums Buch, zum Beispiel eine Kombination mit Musik oder medialen Mitteln? Beides bieten wir an.

Frage: Es gibt in Basel also auch ganz klassische Lesungen. Was fasziniert die Menschen daran?

Ich glaube, dass es auch darum geht, die Aura der Autoren zu spüren: Wie ist die Stimme, die Betonung, die Gestik. Zusehen, wie jemand denkt. Und es geht um das danach: Über das Gehörte und Gelesene zu reden, zu diskutieren, sich mit anderen auszutauschen, die alle auch gerne lesen. Das ist das große Plus unseres Festivals, einen solchen Ort zu haben.

Frage: Ist dieses Bedürfnis nach Corona besonders groß?

Schwierig zu sagen. Wir haben das letzte Festival auch durchgeführt – mit Zertifikatsnachweisen. Da hatten wir Publikumseinbrüche von über 40 Prozent. Unser Stammpublikum sind bislang Menschen 50plus. Die kehren nur sehr zögerlich zu rück in das Kulturleben. Ich bin gespannt, ob wir das dieses Mal schaffen. Denn ich spüre, das Bedürfnis ist da, aber Ältere sind eher vorsichtiger. Auch deshalb braucht es andere Angebote. Man kann nicht mehr nur die klassische Literaturzielgruppe ansprechen.

Frage: Auch diesmal bieten sie einiges für Kinder an?

Ja, es haben sich zum zur Kinderlesung angebotenen kostenlosen Mittagessen bereits 70 Kinder angemeldet, so viele wie nie zuvor.

Frage: Sibylle Berg wird das Festival eröffnen. Wieso fiel die Wahl auf sie?

Sibylle Berg schreibt immer über das Zeitgeschehen. Sie wird bei der Eröffnung heute Abend im Volkshaus über eine Welt am Abgrund sprechen. Zudem unterstützt sie Jugendliche, die sind bei ihren Büchern fast immer die Helden. Sie tritt übrigens zusammen mit einer Basler Rap-Gruppe auf. Aus kuratorischer Sicht finde ich es sehr spannend, Sibylle Berg über eine Welt sprechen zu hören, wie sie aktuell ist. Das hat bei ihr immer etwas Utopisches, aber auch stets einen Funken Hoffnung. Bei ihrer Eröffnungsrede in dieser Zeit, bringt sie bestimmt auch eine Prise Galgenhumor mit. Ich bin gespannt.

Frage: Was sind Ihre persönlichen Höhepunkte?

Literatur ist natürlich individuell. Ich freue mich aber besonders auf Sibylle Berg und natürlich auf die Buchpreisverleihung. Am Samstag liest Juri Andruchowytsch aus der Ukraine aus „Radio Nacht“, um 11 Uhr ist er zudem bei einer Podiumsdiskussion zur Ukraine mit dabei. Dann kommt die Friedenspreisträgerin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga aus Zimbabwe. Natürlich bin ich auch auf die berühmte Donna Leon gespannt, genauso wie auf die hierzulande eher unbekannte Natasha Brown, eine britische Autorin mit ihrem spanenden kleinen Buch „Zusammenkunft“.

Frage: Das Buch war schon oft totgesagt, höchstens das E-Book wurde als zukunftsträchtig erachtet. Der Bücherkonsum straft diese Theorie Lügen, oder?

Lesen und das Buch als Kulturgut – das wird überleben, da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Ich finde es auch nicht schlimm, falls sich das mehr ins Digitale verschieben sollte. Ich liebe Geschichten. Egal, ob erzählt, aufgeschrieben oder auf dem Tablet – Hauptsache Geschichten.

18. bis 20. November; Eröffnungsfeier ist am heutigen Freitag um 18 Uhr im Volkshaus, Zentrum des Festivals (Hauptkasse); es gibt weitere Veranstaltungsorte wie Kaserne oder Theater; Karten gibt es für Einzelveranstaltungen sowie Tagespässe; Eröffnung und Buchpreisverleihung sind frei. Infos und Tickets: www.buchbasel.ch

18. bis 20. November; Eröffnungsfeier ist am heutigen Freitag um 18 Uhr im Volkshaus, Zentrum des Festivals (Hauptkasse); es gibt weitere Veranstaltungsorte wie Kaserne oder Theater; Karten gibt es für Einzelveranstaltungen sowie Tagespässe; Eröffnung und Buchpreisverleihung sind frei. Infos und Tickets: www.buchbasel.ch

18. bis 20. November; Eröffnungsfeier ist am heutigen Freitag um 18 Uhr im Volkshaus, Zentrum des Festivals (Hauptkasse); es gibt weitere Veranstaltungsorte wie Kaserne oder Theater; Karten gibt es für Einzelveranstaltungen sowie Tagespässe; Eröffnung und Buchpreisverleihung sind frei. Infos und Tickets: www.buchbasel.ch

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