Basel Hausdurchsuchung beim Basler Novartis-Hauptsitz

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Der Pharma-Riese Novartis vom Rhein aus gesehen                                                                               Foto: Michael Werndorff

Basel (awp). Die Wettbewerbskommission (Weko) hat am Dienstag eine Hausdurchsuchung am Novartis-Hauptsitz in Basel durchgeführt, wie jetzt bekannt wurde. Der Pharmakonzern soll ein Patent möglicherweise wettbewerbswidrig eingesetzt haben. Dabei arbeitet die Weko mit der Europäischen Kommission zusammen, bestätigte Weko-Direktor Patrik Ducrey im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

Gemeinsam untersuchen die Behörden, ob Novartis ein Patent für ein Präparat zur Behandlung von Hautkrankheiten möglicherweise auf unzulässige Weise eingesetzt habe, um sich vor Konkurrenz zu schützen. Konkret spricht die Behörde von einem „Sperrpatent“. In einem solchen Fall setzt ein Unternehmen sein Patent ein, um andere Firmen dabei zu behindern oder sie davon abzuhalten auf den entsprechenden Markt einzutreten, erklärt Ducrey.

In der Regel reichten in einem solchen Fall Unternehmen Patentklagen gegen einen potenziellen Konkurrenten ein. Ein solches Sperrpatent könnte laut Weko aber einen unzulässigen Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung gemäß dem Kartellgesetz darstellen.

Untersuchungen werden noch Monate andauern

Schnelle Ergebnisse sind nicht zu erwarten: „Die Untersuchungen werden mindestens Monate, wenn nicht gar Jahre dauern“, stellte der Weko-Direktor fest.

Novartis sicherte zu, uneingeschränkt mit den Behörden zu kooperieren. Die Einleitung dieser Untersuchung bedeute nicht, dass ein Fehlverhalten festgestellt worden sei oder dass finanzielle Auswirkungen vorlägen, hieß es. Wie Novartis auf Anfrage erklärte, beschränkten sich die Hausdurchsuchungen auf den Standort Basel.

Gleichzeitig gehe der Konzern nicht davon aus, dass die Untersuchung direkt mit dem Schuppenflechte-Mittel Cosentyx zusammenhängt. Dies ist aktuell der größte Blockbuster im Novartis-Portfolio. Alleine in den ersten sechs Monaten 2022 setzte Novartis 2,4 Milliarden US-Dollar mit dem Mittel um. Der Patentschutz für Cosentyx läuft Novartis zufolge im Jahr 2028 aus.

Arzneimittelhersteller sind für ihre neuen Medikamente auf Patentschutz angewiesen, um für eine gewisse Periode Nachahmung zu vermeiden. Denn die Entwicklung jedes neuen Medikamentes kostet nicht nur viel Zeit, sondern vor allem auch viel Geld, heißt es in der Pressemitteilung.

Der Patentschutz sorgt dann dafür, dass Firmen ihre erfolgreich entwickelten Medikamente eine Zeit lang allein vermarkten und so wieder Geld hereinholen können.

Für den Konzern wichtige Patente laufen bald ab

Novartis steht derzeit vor dem Dilemma, dass in den nächsten Jahren die Patente für eine Reihe seiner wichtigen Umsatzträger ablaufen.

Neben Cosentyx im Jahr 2028 trifft dies auf das Multiple-Sklerose-Mittel Gilenya oder auch das Leukämie-Mittel Tasigna zu. Auch deshalb gerieten die Aktien von Novartis am Donnerstag unter Verkaufsdruck.

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