Basel Hesse: ein Heimweh-Basler

Von Dominique Spirgi
Hermann Hesse verbrachte viele Jahre in Basel. Foto: dpa

Von Dominique Spirgi

Basel. Die Stadt Basel ehrt diese Woche ihren berühmten Einwohner Hermann Hesse mit einem Festival. Am Freitag wird zudem ein Platz mit dem Namen des Schriftstellers, der vor 75 Jahren den Literaturnobelpreis erhielt, eingeweiht (wir berichteten bereits auf unserer Regio-Seite).

Dass Hermann Hesse (1877-1962) fast sein ganzes Leben lang Schweizer Bürger war, hat sich mittlerweile mehr oder weniger auch in den Köpfen festsetzen können, die ihn nach wie vor als deutschen Dichter feiern. Dass er in Basel (und Bern) heimatberechtigt war, dürften schon weniger wissen – wird Hesse doch vor allem mit seinem späteren Wohnort in Montagnola im Tessin in Verbindung gebracht.

Selbst die Kulturstadt Basel, die sich als solche ansonsten so gerne selber feiert, scheint sich mit der Verbundenheit mit einem der erfolgreichsten Autoren deutscher Sprache schwer zu tun. Oder besser: schien es. Denn am Freitag erhält Hermann Hesse nach Berlin, Düsseldorf, Münster und vielen weiteren Städten auch in Basel einen Platz, der seinen Namen trägt.

Ob man beim ausgewählten Ort an der Rheingasse im Kleinbasel wirklich von einem Platz sprechen kann, oder ob es sich lediglich um eine Ausbuchtung der Straße handelt, darüber scheiden sich die Geister.

Ein bescheidener Ort

Ein Kolumnist der „Basler Zeitung“ befand den Ort als unwürdig. Der Basler Schriftsteller Alain Claude Sulzer, er wurde 2009 mit dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet, bezeichnete „den stillen Winkel“ als richtigen Ort, „um des bescheidenen Schriftstellers und Heimwehbaslers zu Gedenken“.

Dass der Hermann Hesse-Platz in diesem Jahr eingeweiht wird, ist kein Zufall. Vor 75 Jahren erhielt Hesse den Nobelpreis für Literatur. Er schrieb dieser hohen Auszeichnung aber keine besondere Bedeutung zu – im Gegenteil. Seiner damaligen Frau Ninon schrieb er: „Der Teufel hole den verfluchten Kram.“ Der Verleihung des Preises in Stockholm blieb er unter Vorgabe einer angeschlagenen Gesundheit fern.

Zum 75-Jahr-Jubiläum der Verleihung des Nobelpreises findet in Basel nun von Donnerstag bis Samstag ein Hesse-Festival statt und zwar an Orten, die für Hesses Basler Jahre eine wichtige Rolle gespielt haben. Neben Lesungen, Vorträgen und Konzerten stehen entsprechend auch Stadtrundgänge auf dem Programm.

So wird das Festival am Donnerstag im Basler Missionshaus eröffnet. Dort hatte Hesses Vater 1881 eine Stellung als Lehrer angenommen. Hermann war damals vier Jahre jung, ging in Basel zur Schule, bis die Familie die Stadt 1886 wieder verließ.

Diese ersten Erinnerungen an Basel waren nachhaltig. 1951 offenbarte sich Hesse in einem Artikel in der „Weltwoche“ als regelrechter Heimwehbasler: „Ich hatte keinen anderen Wunsch, als wieder nach Basel zu kommen, es schien dort etwas auf mich zu warten“, schrieb er rückblickend.

Journalist und Literat

Er kehrte also 1899 in seine geliebte Stadt am Rheinknie zurück, begann als Buchhändler zu arbeiten und zu schreiben – erst als Journalist, dann als Literat. In Basel schrieb er seinen ersten Erfolgsroman „Peter Camenzind“, der 1904 erschien. Im selben Jahr heiratete er die Baslerin Mia Bernoulli.

Im Winter 1924/25 kehrte der Schriftsteller erneut nach Basel zurück, wo er zunächst im Hotel Krafft am Rhein wohnte, das sich nur wenige Meter vom künftigen Hermann Hesse-Platz entfernt befindet. Dort und später in einer Mansardenwohnung an der Vogesenstrasse im Quartier St. Johann soll Hesse seinen wohl bekanntesten Roman „Steppenwolf“ geschrieben haben, heißt es.

Ob das der Wahrheit entspricht, ist nicht restlos gesichert. Sicher aber ist, dass Hesse seinen „Steppenwolf“ in Basel angesiedelt hatte. Davon kann man sich während des Festivals bei der Vorführung der Romanverfilmung von 1974 überzeugen.

Umfrage

Pressekonferenz in Stockholm

Schweden und Finnland wollen wegen des Ukraine-Kriegs Teil der NATO werden. Wie stehen Sie dazu?

Ergebnis anzeigen
loading