Basel - Wer Ricardo Simian in der Basler Aktienmühle besucht, der findet nach dessen eigenen Worten „eine Mischung aus Werkstatt, Büro und Proberaum“ vor. Nur eines wird der Besucher vergeblich suchen: einen 3D-Drucker. Dabei setzt Simian bei seiner Forschungsarbeit zu historischen und mitunter „ausgestorbenen“ Musikinstrumenten maßgeblich auf diese Technologie.

Simian nimmt einen Schlauch in den Mund und bläst hinein, während er vor sich mit beiden Händen den Körper einer Stopfflöte hält. Verblüffend sind die Dimensionen des Instruments, bei dem sich durch Vor- und Zurückbewegen eines Holzstabes im Korpus der Flöte die Tonhöhe verändern lässt. Der Ton ist rund, melodisch und entspricht dem eines konventionell gefertigten Instruments. Verblüffend aber sind die Dimensionen der Stopfflöte, deren Körper aus einer PVC-Röhre besteht. „Ein belgischer Komponist hat bei mir vier Stopfflöten in Violoncello-Größe bestellt“, beschreibt Simian die Hintergründe dieses Auftrags. Eile ist geboten, denn der Maestro will die Instrumente im Februar für ein Konzert geliefert haben.

Fotostrecke 2 Fotos

Schwierig einzuordnen

Simian beschreibt sein Projekt „3D-Printed-Instruments“ als „ein Drittel Start-up, ein Drittel Forschung, ein Drittel Kunst“. Eben diese Vielschichtigkeit machte es für den 39-Jährigen schwierig, Unterstützung zu finden, als er den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. „Die Stiftungen für die Kunstförderung fanden mein Vorhaben zu technisch, von den technischen Förderinstitutionen hieß es, ich würde ja lediglich bereits vorhandenes technisches Gerät einsetzen, und als ich um Förderung als Start-up angefragt habe, hieß es, das sei ein Kunstprojekt“, erinnert er sich.

Eingerichtet hat er seine Werkstatt vor drei Jahren im vierten Stock der Aktienmühle, unweit der Basler Grenze zu Kleinhüningen. Hier, in der unter Denkmalschutz stehenden früheren industriellen Getreidemühle, widmet sich Simian ganz seiner Leidenschaft für historische Musikinstrumente. Dabei trifft Historie auf Hochtechnologie, denn der studierte Musiker lässt die Instrumente mithilfe modernster 3D-Druck-Verfahren nachbauen. Er selbst gestaltet die gewünschten Modelle am Computer und arbeitet dann je nach Projekt mit verschiedenen Druckereien im In- und Ausland zusammen. Selbst einen 3D-Drucker anzuschaffen, das sei nicht wirtschaftlich, denn: „Der 3D-Druck ist eine komplizierte Palette.“

Das Spektrum reicht dabei von Maschinen, die einzelne Atome drucken können, bis hin zu relativ groben Exemplaren, mit denen etwa Häuser gedruckt werden. Simian bringt es auf den Punkt: „Alles ist möglich, aber nicht alles ist bezahlbar.“

Design-Preis gewonnen

Im Oktober vergangenen Jahres hat Simian den ersten Preis bei der „purmundus Challenge“, einem Designwettbewerb im Rahmen der 3D-Druckmesse „Formnext“ in Frankfurt am Main, gewonnen und sich gegen 30 Finalisten durchgesetzt. Gewonnen hat er laut der Begründung der Jury mit einem „neuartigen Tastendesign für Blasinstrumente, das ohne zusätzlichen Mechanismus oder Feder auskommt“. Als Vorbild für diese Entwicklung diente Simian das Renaissance-Blasinstrument Cornetto.

Der gebürtige Chilene, der in Italien aufgewachsen ist, benötigt für seine Projekte relativ feine 3D-Druckverfahren. „Bei Klappen für eine Barock-Oboe kann schon ein Zehntel Millimeter Abweichung vom ursprünglichen Entwurf einen klanglichen Unterschied machen“, beschreibt er die Problematik. Die Arbeitsdauer kann je nach Projekt von wenigen Wochen bis hin zu mehreren Jahren dauern.

Simian unterhält auch enge Verbindungen zur Schola Cantorum Basiliensis, der Basler Hochschule für Alte Musik. Wenn ein Student der Alten Musik ein bestimmtes Instrument brauche, könne er dies bei ihm bekommen und müsse es nicht aus dem Bestand der Hochschule mieten. So will er zugleich das Wissen um historische Instrumente an die zukünftige Generation weitergeben.