Basel Im Steigflug

Am EuroAirport Basel-Mulhouse wurden gestern 70 Jahre binationaler Betrieb gefeiert. Unter anderen gab es auch eine Talkrunde mit (von links): Luc Gaillet, Raymond Cron, Moderatorin Katja Reichenstein, Christoph Brutschin und Laurent Touvet (Präfekt der Region Oberrhein). Foto: Gerd Lustig

Basel/Saint-Louis - Vertreter Frankreichs und der Schweiz haben gestern mit einem offiziellen Festakt im Flughafengebäude den 70. Geburtstag des EuroAirports (EAP) gefeiert. Rund 150 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren dabei.

Genau 70 Jahre ist es jetzt her, dass die Vereinbarung zum Bau und Betrieb des ersten und bislang weltweit einzigen binational betriebenen Flughafens beschlossen wurde.

„Der EAP ist der Motor und der Garant für wirtschaftliches Wachstum“, betonten die zahlreichen Redner bei der Feierstunde. Für alle ist und bleibt der EAP nur eines: ein Vorzeigeprojekt.

Bereits in den 1930er Jahren lanciert, dann aber aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges zurückgestellt, machten sich Franzosen und Schweizer im Jahr 1946 erneut daran, das ehrgeizige binationale Projekt auf die Beine zu stellen. 1949 ging dann die Anlage als kleiner Flughafen auf den Feldern von Blotzheim und vor den Toren von Basel in Betrieb – mit damals 26 000 Passagieren im ersten Jahr.

Verantwortliche mit Pioniergeist

Den damaligen Verantwortlichen wurde ein besonderer Pioniergeist zugeschrieben. „Es ist ein Geist, den es auch in Zukunft zu bewahren gilt“, sagte Livia Leu-Agosti, die Schweizer Botschafterin in Paris.

Inzwischen ist die Zahl der Passagiere auf mehr als neun Millionen jährlich angestiegen. Und die Prognosen bis zum Jahr 2030 bescheren weiteren Steigflug. Kalkuliert wird bis dahin mit 11 bis 13 Millionen Passagieren.

„Es soll und wird jedoch kein Wachstum um jeden Preis geben“, versicherten unisono Luc Gaillet, Verwaltungsratspräsident EAP, und auch sein Vize Raymond Cron. Es gelte auf der einen Seite mit Bedacht die Infrastruktur nebst Terminals sukzessive auszubauen. Auf der anderen Seite stehe aber auch die Nachhaltigkeit im Fokus. „Auch in Zukunft setzen wir auf den Dialog“, machte Cron deutlich.

Es gelte, wirtschaftliche Interessen und jene der Bevölkerung – unter anderem, was die Belastung mit Fluglärm und Verkehr betrifft – gemeinsam unter einen Hut zu bringen. Bis zum Jahr 2022 soll unter anderem der CO 2-Ausstoß im Vergleich zum Jahr 2015 um 20 Prozent verringert werden. Zudem will man auf die Fluggesellschaften – in erster Linie auf Easyjet, welche 60 Prozent des Flugbetriebs am EAP abdeckt – einwirken, dass neue und deutlich leisere Maschinen angeschafft werden.

Absage an eine Flugsteuer

Auch das Nachtflugverbot zwischen 23 und 6 Uhr soll künftig stärker angewendet werden. Auch hier gelte es natürlich einen Kompromiss zu finden. Von einer etwaigen Flugsteuer, wie sie andernorts einst eingeführt, dann aber wieder abgeschafft worden war, hält man im EAP-Verwaltungsrat hingegen wenig.

Auch Christoph Brutschin, Vorsteher des Departments für Wirtschaft, Soziales und Umwelt im Kanton Basel-Stadt, wünschte sich eine weitere gute Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Frankreich und dabei den bestmöglichen Dialog. Gemeinsam mit Thomas Weber, Vorsteher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion im Kanton Basel-Land, war er sich einig: „Der EAP ist eine Erfolgsgeschichte – und sollte Vorbild in und für Europa sein.“ Viele Investitionen seien in der Dreiländerregion nur durch die gute Erreichbarkeit und damit den EAP getätigt worden. Auch gebe es Unternehmen, die nur wegen des Flughafens in der Region geblieben seien.

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