Basel Jeder Zweite hat ein Suchtproblem

Der Gebäudekomplex von Staatsanwaltschaft und Untersuchungsgefängnis Waaghof in Basel ist bereits seit 25 Jahren in Betrieb. Foto: Rolf Reißmann Foto: Die Oberbadische

Im Untersuchungsgefängnis Waaghof in Basel wird eine neue Station in Betrieb genommen. Grund ist der in den vergangenen Jahren gestiegene Anteil psychisch kranker Häftlinge. Eine bauliche Erweiterung war nicht notwendig, stattdessen gab es eine inhaltliche und organisatorische Neuordnung.

Von Rolf Reißmann

Basel. Bisher wurden solche Inhaftierten gemeinsam mit nicht erkrankten untergebracht. Doch dies führte sowohl für Insassen als auch das Personal zu erheblichen Belastungen und mitunter auch zu gefährliche Situationen. „Wir können heute davon ausgehen, dass rund die Hälfte der Inhaftierten ein Suchtproblem hat. Das sind nicht nur harte Drogen, dazu zählen wir auch den massiven Alkoholmissbrauch,“ sagte Kantonsarzt Thomas Steffen. „Gerade solche Personen können wir nicht einfach in einer Haftzelle mit unbelasteten Personen unterbringen.“

Anderseits führt aber auch die Verhaftung an sich zu einer psychischen Belastung, besonders wenn sie aus dem Alltagsleben heraus erfolgt. Die danach eintretenden psychischen Auffälligkeiten können von massiver Abwehr bis zu Depressionen reichen. Solche Gefangenen sind dann als Patienten zu behandeln. Deshalb übernimmt nun das Gesundheitsdepartement die Führung dieser Station und besetzt sie mit ausgebildetem Fachpersonal, wie Regierungsrat Lukas Engelberger beschrieb. Die gesundheitliche Betreuung sei auch im Falle von Haft ein Grundrecht, das sowohl in der Basler und der Schweizer Verfassung als auch in entsprechenden UNO-Dokumenten zugesichert wird. Mit der neuen Station ist es möglich, psychisch Erkrankte nach einheitlichem Maßstab zu betreuen, entsprechende Unterstützung durch die Psychische Klinik der Universität ist vorbereitet.

Zweckmäßige Einrichtung

Insgesamt 15 Personen können in dieser Station aufgenommen werden, die meisten davon in Einzelzellen. Zwei Zweibettzellen und zwei sogenannte Isolierräume stehen außerdem bereit. Die Zellen sind nach den Standards für Hafträume ausgestattet, mit Waschbecken und Toilette durch eine Regalwand abgetrennt. Der Haftraum ist kameraüberwacht. Neben dem Bett stehen ein Tisch, Hocker und Fernsehgerät uneingeschränkt zur Verfügung, alles zerstörungssicher verbaut, so dass keine Teile gelöst werden können. Große Fenster mit Milchglasscheiben sorgen für Tageslicht, die Frischluftzufuhr erfolgt über gesicherte Lüftungsschlitze.

Auf der Station steht für Mediziner ein Behandlungszimmer zur Verfügung. Zwei Ärzte, fünf Pfleger und auch ein Ergotherapeut sind der Station zugeordnet. Während des Stationsbetriebs versehen ständig zwei Aufsichten hier ihren Dienst. Die Gefangenen könne sich in einem Gemeinschaftsraum treffen.

Ziel ist es, so bald wie möglich die psychische Beruhigung zu erreichen, dies kann nach wenigen Tagen eintreten, bei akut vorbelasteten Personen kann es aber auch länger dauern. Gewalttätige Gefangene kommen nicht auf diese Station.

Für die Sicherheit bleiben nach wie vor die Beamten des Departements von Regierungsrat Baschi Dürr zuständig. „Der Umgang wird wohl etwas einfacher, weil die instabilen Gefangen keinen direkten Einfluss auf die anderen Stationen haben“, sagte er.

Gefängnis ist 25 Jahre alt

Der Gebäudekomplex von Staatsanwaltschaft und Untersuchungsgefängnis ist bereits seit 25 Jahren in Betrieb. Nun steht die erste große Sanierung an. Gerade die beiden vergangenen Sommer bestätigten, dass sich die Räume für Personal und Gefangene extrem aufheizen können. Der Kanton setzt 5,5 Millionen Franken ein, um ab kommendem Jahr die Lüftungs- und Kälteanlagen zu modernisieren.

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