Basel Kein letzter Zug vor dem Zug

Die Oberbadische, 13.11.2017 17:00 Uhr

Von Adrian Steineck

Beim Warten auf den Zug noch schnell zum Glimmstängel greifen – damit könnte es in der Schweiz bald vorbei sein. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) planen laut Medienberichten ab Dezember kommenden Jahres ein vollständiges Rauchverbot an allen ihren Bahnhöfen. Als Testballon fungiert dabei auch der Bahnhof Basel SBB.

Basel. Laut einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) sollen bereits ab diesem Dezember verschiedene Varianten eines Rauchverbots geprüft werden. So werden laut NZZ die Bahnhöfe Basel SBB, Nyon und Zürich Stadelhofen komplett rauchfrei. In den Übergangsbereichen zu den rauchfreien Zonen sollen Aschenbecher und Hinweisschilder aufgestellt werden. In Bellinzona im Tessin soll auch ein Rauchverbot eingeführt werden, allerdings soll es auf drei Gleisen je zwei Raucherzonen mit Aschenbechern geben. In Neuenburg wird auf die Raucherzonen verzichtet, stattdessen wird auf dem Bahnhofplatz eine Raucherlounge eingerichtet. Dies geht laut NZZ aus einem nicht-öffentlichen Arbeitspapier der SBB hervor.

Dies sei so aber laut SBB-Sprecher Christian Ginsig nicht korrekt. „Richtig ist, dass wir im Verlauf des kommenden Jahres an fünf bis sechs Bahnhöfen einen Pilotversuch durchführen wollen“, teilte Ginsig gestern auf Anfrage unserer Zeitung mit. Zum geplanten Pilotversuch könne er bisher keine Auskünfte geben. In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres, wenn an einzelnen Bahnhöfen das Rauchverbot getestet worden sei, wolle die Konzernleitung der SBB dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

In den Schweizer Medien fand allein die Ankündigung des Pilotversuchs ein reges, durchaus gemischtes Echo. Dabei sei die Thematik nicht neu, wie Ginsig mitteilt. „Bereits im Jahr 2015 machten wir auf die enormen Kosten im Bereich der Reinigung aufgrund achtlos weggeworfener Zigarettenstummel aufmerksam.“ Parallel hat die SBB an vielen großen Bahnhöfen großflächig speziell gekennzeichnete Aschenbecher aufgestellt. „Viele Raucher entsorgen seither ihre Zigarettenstummel richtig, aber viele Stummel landen leider immer noch im Gleis und sorgen weiterhin für einen sehr großen Reinigungsaufwand“, sagt Ginsig. Die jährlichen Reinigungskosten würden sich auf rund drei Millionen Schweizer Franken belaufen.

Über die Frage, wie die Fahrgäste auf den rauchfreien Bahnhof reagieren könnten und ob dadurch viele Fahrgäste auf das Auto und Reisebusse umsteigen würden, will Ginsig nicht spekulieren. „Die konkrete Frage werden wir erst nach Abschluss des Versuchs im Verlauf des kommenden Jahres beantworten können, wenn wir die mögliche Umsetzung an einzelnen Bahnhöfen getestet haben.“

Der Gedanke an Beispiele aus der Vergangenheit drängt sich auf. So sorgte im Jahr 2007 in Deutschland das Rauchverbot in Gaststätten für große Bedenken in der Branche. Zehn Jahre später ist es für viele kaum noch vorstellbar, wie früher in den Restaurants gepafft wurde. Ähnlich ist es bei der Bahn: In der Schweiz gibt es seit Dezember des Jahres 2005 ein Rauchverbot in allen Zügen des Nah- und Fernverkehrs. Knapp zwölf Jahre später vermissen offenbar wenige Bahnfahrer den blauen Dunst in der Bahn, wie entsprechende Umfragen der SBB zeigen.

Auch beim Rauchverbot an Schweizer Bahnhöfen soll jetzt zunächst einmal abgewartet werden, wie die Kunden reagieren und ob der Aufwand für die Reinigung durch das Verbannen des Glimmstängels nachweislich abnimmt.

 
          0