Basel Keine Angst vor Mitbewerber

Foto: Juri Weiss Foto: Die Oberbadische

Mit seiner Grundsatzentscheidung zum Bau eines Zentralklinikums auf der grünen Wiese hat der heimische Kreistag im Oktober eine wichtige Weiche gestellt. Die Verantwortlichen jenseits der Grenze beobachten das Geschehen mit Interesse, denn aufgrund der neuen Klinik könnten zukünftig weniger südbadische Privatpatienten den Weg nach Basel suchen.

Basel. „Wir beobachten die Entwicklung in der gesamten Region, also auch in Lörrach, mit Interesse“, sagte Beatrix Sonderegger, Mediensprecherin des Claraspitals, gestern gegenüber unserer Zeitung. Mit insgesamt 229 Betten ist es das größte Basler Privatkrankenhaus. Die Zahl südbadischer Patienten, welche die Klinik besuchen ist nicht unerheblich. Waren es im vergangenen Jahr 612 (5,7 Prozent), konnte das Claraspital 2016 eine Zunahme auf 624 Patienten verzeichnen. „Momentan ist ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen, das variiert aber auch immer wieder von Jahr zu Jahr“, kommentierte Sonderegger die Zahlen.

Ob die Krankenhausbetreiber mit weniger Patienten aus Deutschland rechnen müssen, wenn das Zentralklinikum erst einmal seinen Betrieb aufnimmt, sei schwer abschätzbar. So setzen die Verantwortlichen auf Patientenzufriedenheit. „Wir wissen, dass die südbadischen Patienten das Claraspital insbesondere aufgrund seiner hohen ärztlichen und pflegerischen Kompetenz auswählen“, meinte Sonderegger weiter.

Gleiches ist vom Kantonsspital Baselland zu hören, wo der Anteil deutscher Patienten mit 0,8 Prozent allerdings nur eine geringe Rolle spielt.

Mediensprecherin Anita Kuoni erklärte, dass mit dem Neubau des Klinikums in Lörrach nicht ein zwingender Verlust von Patienten aus dem Landkreis zu erwarten sei. „Denn die Spitalwahl von Patienten erfolgt aufgrund ausgewiesener Kompetenzen und zum Teil langjähriger Vertrauensverhältnisse zu den behandelnden Ärzten.“

Im Universitätsspital Basel (USB) liegen die Zahlen deutscher Patienten, privat und gesetzlich versichert, insgesamt höher: Bis zum Jahresende werden rund 1320 Menschen (3,6 Prozent) aus Deutschland das USB in Anspruch nehmen, der überwiegender Anteil davon aus dem Landkreis Lörrach, wie Pressesprecher Martin Jordan auf Anfrage mitteilte. Mehr als die Hälfte seien Privatpatienten, die sich ihre Leistungserbringer aussuchen, die Übrigen, 500 im Jahr 2015, wurden im Rahmen eines Notfalls im USB eingeliefert. Diese Zahl dürfte sich auch aufgrund des Neubaus in Lörrach kaum ändern, so Jordan. Die Patientenschaft aus dem Landkreis Lörrach sei jedenfalls relevant, sowohl im stationären wie auch im ambulanten Bereich, stellte der Mediensprecher fest. „Doch das USB muss sich vor dem Mitbewerber nicht fürchten, weil keine großen Auswirkungen auf die Patientenströme erwarten werden“, sieht Jordan keinen Grund zur Besorgnis.

Das Claraspital setzt auf seine Schwerpunkte unter anderem in der Behandlung von Magen-, Darm- und Tumorerkrankungen. Außerdem erhoffen sich die Verantwortlichen durch eine Investition in die Infrastruktur, den südbadischen Patienten eine höhere Aufenthaltsqualität bieten können.

Es wird Bewegung in die Kliniklandschaft kommen, insofern die Kliniken des Landkreises – abgesehen von den bereits bestehenden Schwerpunkten – das medizinische Angebot eventuell weiterentwickeln werden. Der Fokus bleibt laut Sprecherin Marion Steger aber primär auf der medizinischen Versorgung der Bevölkerung auf der deutschen Seite.

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