Basel Kliniken zählen mehr Patienten

Die Klinikeinweisungen von Coronapatienten haben sich in der Schweiz seit Juli verzehnfacht. Foto: Archiv

Basel -  Corona ist seit Ferienende nicht nur an den Basler Schulen wieder allgegenwärtig. Schweizweit steigen die Infektionszahlen weiter – Grund zur Panik gibt es laut Politik und Wissenschaft aber nicht.

Mit Schulstart wurden in 34 Baselbieter Schulklassen Infektionen registriert, im Stadtkanton sind es fünf Klassen an fünf verschiedenen Schulen, in denen positive Corona-Tests nachgewiesen wurden, wie von beiden kantonalen Gesundheitsämtern zu erfahren war. Die Infektionszahlen steigen derweil in beiden Basel.

Der Kanton Basel-Landschaft meldet am Mittwoch, 18. August, 159 neue Corona-Fälle. Zuletzt waren 19 Personen im Baselbiet hospitalisiert.

Der Stadtkanton zählte am Stichtag einen weiteren Todesfall, 79 weitere Infizierte und 28 Klinikpatienten, von denen sechs intensivmedizinisch behandelt werden müssen.  Die 7-Tages-Inzidenz in Basel-Stadt lag am Mittwoch bei 266,5 am Donnerstag bei 284,6. In Basel-Land lag die Inzidenz am Donnerstag bei 246,6.

Unispital  auf Anstieg der Patienten vorbereitet

Anfang August wurden im Universitätsspital Basel vier Corona-Hospitalisierungen gezählt, am Mittwoch waren es bereits 20. „Die schweizweiten Intensiv-Hospitalisierungen haben sich seit Mitte Juli versiebenfacht“, sagte die stellvertretende Mediensprecherin des Universitätsspitals, Caroline Johnson, gegenüber Telebasel.

Auf den Anstieg sei das Unispital vorbereitet. „Die steigenden Zahlen waren für uns absehbar. Dies wegen der Delta-Variante und der eher schlechten Impfquote“, wie Johnson sagte. Sollte es zu einem schnellen Anstieg kommen, könne das Universitätsklinikum seine Kapazitäten zügig erhöhen. „Wir sind vorbereitet.“

Delta-Variante: Impfung schützt vor schwerem Verlauf, aber nicht vor Ansteckung

Die Delta-Variante stelle die Schweiz derzeit vor große Herausforderungen. Das Problem sei, "dass sich diese Variante deutlich leichter überträgt und dass sie zum Teil auch doppelt geimpfte Personen anstecken kann." Es gibt aber auch gute Nachrichten: "Die Impfungen schützen bei Delta nach wie vor sehr gut vor einem schweren Krankheitsverlauf“, erklärte die neue Schweizer Taskforce-Chefin Tanja Stadler am Mittwoch in Bern.

Ob es im Herbst und im Winter eine Überlastung der Krankenhäuser gebe, hänge davon ab, wie schnell sich die Ungeimpften infizierten. „Aktuell sind in der Schweiz in den meisten Altersgruppen mindestens so viele nicht immun, wie sich während der gesamten Pandemie schon infiziert haben. Wenn sich die alle über einen kurzen Zeitraum anstecken, kann das System schnell überlastet werden. Wenn es mit den Ansteckungen sehr lange dauert, nicht. Deshalb braucht es weiter gewisse Maßnahmen, um die Dynamik der Ansteckungen in Schach zu halten“, verwies die Expertin auf die etablierten Hygienemaßnahmen, Maskenpflicht und Impfung.

Uneinigkeit über das "ob" einer vierten Welle

Derweil erklärt der Basler Epidemiologe Marcel Tanner, dass es derzeit kaum abzuschätzen sei, ob es in der Schweiz zu einer vierten Welle komme. Diese hätte einen anderen Charakter. Sie würde im Vergleich zu den vorherigen Wellen nach anderen Maßnahmen und Strategien verlangen, meint der Experte.

„Eine Überlastung des Gesundheitssystems schließt er vorläufig aus. „Viele Patienten haben nur einen milden Verlauf. Intensiv-Hospitalisierungen nehmen daher auch bei steigenden Fallzahlen immer mehr ab“, so Tanner.

Indes erklärte das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag, dass die Alpenrepublik am Beginn einer vierten Welle stehe. Die Trendwende habe Anfang August eingesetzt. „Die Möglichkeit, dass eine große Welle auf die Schweiz zukommt, ist da“, sagte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit beim BAG.

Harte Triage wäre nicht tragbar

Seit Juli hätten sich die Krankenhauseinweisungen verzehnfacht, und rund ein Viertel der PCR-Tests seien heute positiv. Und weiter: „Wenn wir in eine Situation kommen, in der eine harte Triage in den Krankenhäusern notwendig ist, dann sind auch strenge Maßnahmen wie ein Lockdown wieder möglich, weil eine solche Triage für ein Land wie die Schweiz nicht tragbar ist.“

Die Experten gaben vor den Medien in Bern dann auch wenig Hoffnung, dass dieses exponentielle Wachstum in der nächsten Zeit wieder gebremst wird.

Vorläufig keine Maskenpflicht an Schulen

Derweil kommt eine sofortige Wiedereinführung der Maskenpflicht an Basler Schulen für den Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger nicht infrage. Corona-Massentests an Schulen seien ausreichend.

Gänzlich ausgeschlossen sei eine Wiedereinführung der Maskenpflicht an Schulen für den Basler Gesundheitsdirektor aber nicht. Sie könnte dann wieder zum Thema werden, wenn es darum gehe, Ansteckungsketten zu unterbrechen und zu verhindern, dass unzählige Schüler und Lehrpersonen in Quarantäne müssen, sollte sich die Lage deutlich verschlechtern.

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