Basel Kooperation in der Spitzenmedizin

 Foto: Archiv

Basel - Bei der Medizin des Bauchbereichs spannen das Basler Universitäts- (USB) und das private Claraspital zusammen. Mit dem operativen Start des universitären Bauchzentrums „Clarunis“ am 7. Januar können Patienten von modernster Medizin profitieren. Für die Kliniken bedeutet die Zusammenarbeit eine Stärkung angesichts des Kostendrucks und der herausfordernden Dynamik im Gesundheitswesen.

Clarunis vereint das Fachwissen, die Forschungstätigkeit und die Zahl der behandelten Patienten beider Krankenhäuser, wie die Vertreter der beiden Institutionen, Werner Kübler, Universitätsspital Basel, und Peter Eichenberger, Claraspital, gestern im Rahmen einer Pressekonferenz erklärten. Unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach werden die Viszeralchirurgie, Gastroenterologie und Hepatologie zusammengelegt.

Die Behandlungsqualität könne dank der Zusammenarbeit weiter gesteigert werden, insbesondere für Patienten mit schweren Erkrankungen, betonten die Leiter Markus Heim, Chefarzt Gastroenterologie, und Markus von Flüe, Chefarzt Viszeralchirurgie.

Steigende Fallzahlen sind von größter Bedeutung

Die Verantwortlichen rechnen damit, dass das universitäre Bauchzentrum jährlich mehr als 9000 stationäre Patienten behandeln wird. Mit rund 350 Fällen soll Clarunis zu den größten Anbietern für hochspezialisierte Medizin des Bauchbereichs werden. Für die Zukunft seien zudem steigende Fallzahlen bei medizinischen Eingriffen zu erwarten.

Das ist auch wichtig, denn im Jahr 2017 hatte das Beschluss-Organ für hochspezialisierte Medizin der Kantone entschieden, fünf Eingriffe im Bauchbereich nur noch in großen Krankenhäusern durchzuführen. Weil am Universitätsklinikum bestimmte operative Eingriffe zu selten durchgeführt wurden, gehört es zu den Verlieren. Wegen geringerer Fallzahlen ist das USB mit 45, das Claraspital, wo mehr Operationen im Bauchbereich stattfinden, entsprechend mit 55 Prozent an Clarunis beteiligt.

Steigende Fallzahlen sind von größter Bedeutung, um hochspezialisierte Medizin in der Nordwestschweiz weiterhin anbieten zu können, erklärte von Flüe. Mit der Konzentration der Fälle versprechen sich die Kliniken nicht nur finanzielle Vorteile, sondern auch positive Effekte bei der Behandlungsqualität, Ausbildung und Forschung sowie die Möglichkeit der Spezialisierung im Bauchbereich. „So soll das Zentrum weit über die Region Basel hinausstrahlen“, machte der Chefarzt der Viszeralchirurgie deutlich.

Clarunis will sich neben dem Universitätsspital Zürich und dem Berner Inselspital als Top-Player positionieren, um künftig auch bei noch strengeren Vorgaben bei den Mindest-Fallzahlen im Rennen zu bleiben. „Wir wollen im Bauchbereich top sein, international mindestens sichtbar“, meinte Eichenberger, der davon ausgeht, mit Clarunis unter die Top-3 der hochspezialisierten Schweizer Medizinstandorte zu kommen.

Zuversicht zeigen die Verantwortlichen auch bei der Rekrutierung und Ausbildung von Fachkräften. Tätig sind bei Clarunis rund 150 Mitarbeiter, darunter 790 Ärzte. „Wir wollen Spitzenkräfte für uns selber ausbilden und Schwerpunktspitäler in der Schweiz und Deutschland mit Nachwuchskräften versorgen“, sagte von Flüe.

Gesunder Wettbewerb der Kliniken

Mit Blick auf die Kliniklandschaft im südbadischen Raum erklärte er, dass es mit der Fertigstellung des geplanten Lörracher Zentralklinikums einen „gesunden Wettbewerb“ geben werde. Und weiter: Trotz Übereinkünften mit deutschen Krankenkassen würden bei bestimmten Behandlungen weniger Patienten aus Deutschland gezählt. Unter dem Strich seien die Patientenzahlen aus Südbaden im vergangenen Jahr aber stabil geblieben.

Im Rahmen von Clarunis wird es die Grundversorgung weiterhin an beiden Partnerspitälern geben. Die hochspezialisierte Medizin soll dagegen künftig dort angeboten werden, wo die Kompetenz am größten ist. Das bedeutet, dass am Universitätsspital die Leberchirurgie angesiedelt ist. Eingriffe mit hohem interdisziplinären Aufwand sowie Patienten, die nicht verlegt werden können, fallen ebenfalls in die Zuständigkeit des Unispitals. Das Claraspital ist dagegen für hochspezialisierte Speiseröhre-, Darm- und Bauchspeicheldrüsenoperationen zuständig. Hinzu kommen Eingriffe bei Patienten mit erheblichem Übergewicht.

Clarunis kann laut den Verantwortlichen mit oder ohne der für das Jahr 2020 geplanten Fusion der öffentlichen Krankenhäuser der beiden Basel bestehen. Stimmt der Souverän der beiden Kantone der Spitalgruppe am 10. Februar zu, müssen indes die Kapitalverhältnisse angepasst werden. Das Claraspital behielte jedoch die Stimmenmehrheit, hieß es weiter.

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