Basel Kriminalistische Spurensuche zahlt sich aus

Die Oberbadische, 25.01.2018 18:23 Uhr

Wissenschaftler haben in mehrjähriger Arbeit das Geheimnis um die sogenannte Basler Barfüßer-Mumie gelüftet. Gestern wurde das Forschungsergebnis vorgestellt. Für die Verantwortlichen des Naturhistorischen Museums handelt es sich um eine wissenschaftliche Sensation. Nicht minder aufregend dürfte die Tatsache sein, dass der britische Außenministers Boris Johnson ein Nachfahre ist.

Von Michael Werndorff

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Basel. Mehr als 40 Jahre wurde über die Herkunft der Mumie gerätselt, die 1975 bei Renovierungsarbeiten in der Barfüßerkirche gefunden wurde. Nun ist klar: Es handelt sich um die 1719 in Straßburg geborene Basler Bürgerin, Pfarrersfrau und Mutter Anna Catharina Bischoff, wie Gerhard Hotz, Anthropologe und Kurator am Naturhistorischen Museum, vor den zahlreich erschienenen Journalisten erklärte. Die 1,40 Meter kleine Frau verstarb im Alter von 67 Jahren an den Folgen einer Syphiliserkrankung und der Behandlung durch Quecksilber. Dessen Dämpfe sorgten zunächst für Linderung, führten dann aber zu einer tödlichen Vergiftung. Außerdem konservierte das chemische Element den Körper und mumifizierte ihn über die gut zwei Jahrhunderte, berichtete Hotz.

DNA-Analyse sorgt für Gewissheit

Es handelt sich um die besterhaltene Schweizer Gruftmumie, deren Herkunft dank der Arbeit von 40 Wissenschaftlern – darunter ­Freiwillige des Bürgerforums – aufgeklärt werden konnte. Gefunden wurde die 67-jährig verstorbene Pfarrerstochter in einem kleinen gelben Sarg im Familiengrab des Spitalmeisters Isaak Bischoff. Konkrete Aufzeichnungen zur Mumie fehlten aber, so war ­ das Beerdigungsregister lückenhaft, wie Genealogin Diana Gysin vom Bürgerforschungsprojekt Spitalfriedhof erklärte.

Das weitere Vorgehen der Forscher gleicht einer aufwendigen kriminalistischen Spurensuche, die sich unter anderem im Basler Staatsarchiv und in DNA-Laboren abspielte. Der Name der Mumie wurde letztlich im Grabsteinverzeichnis der Barfüßerkirche gefunden, das im Frühling 2016 auftauchte. Weitere Aktenfunde ließen erste Vermutungen zu, die das Genealogenteam um Gysin weiter verfolgte. „Wir konnten dann zwei unabhängige Familienzweige rekonstruieren“, berichtete Gysin.

Die Genealogen hatten Glück, weil man sich in der Basler Oberschicht bewegte – von dieser gibt es umfangreiche Datenbestände. Das große Kunststück sei es laut Gysin gewesen, lebendige Nachfahren zu finden. Eine davon ist Rosemary Probst-Ryhiner, die beim gestrigen Medienanlass anwesend war. Die 80-jährige Baslerin begrüßte es, dass an ihrer Vorfahrin weiter geforscht werden soll. Laut Hotz gebe es nämlich noch ganz viele offene Fragen.

Den naturwissenschaftlichen Beweis der verwandtschaftlichen Verbindung zwischen Mumie und Probst-Ryhiner führten der forensische Genetiker Vincent Castella vom Rechtsmedizinischen Institut in Lausanne und der Ötzi-Experte Albert Zink aus Bozen. Unabhängig voneinander analysierten sie Speichelproben und verglichen sie mit der Mumien-DNA – und zwar ­mit identischem Ergebnis.

„Weltweit ist es erstmals gelungen, die Identität einer Mumie so genau nachzuweisen“, sagte Hotz.

Dank der Arbeit der Forscher steht nun fest, dass auch zu Boris Johnson eine verwandtschaftliche Beziehung besteht: Eine Tochter von Anna Catharina Bischoff heiratete Christian Hubert Baron Pfeffel von Kriegelstein, auf den Johnsons Stammbaum zurückführt. Der aktuelle britische Außenminister – seinerseits weitläufig mit der Queen und Prinz Charles verwandt – ist also ein Urenkel sechster Stufe der Basler Mumie.