Basel Kultur-Kollektiv heizt Baslern ein

Regine Ounas-Kräusel
Mit den beheizten Brunnen wollen die Initiatoren zum gesellschaftlichen Austausch einladen. Foto: Regine Ounas-Kräusel

Der Rütimeyerplatz mit dem Brunnen aus hellem Stein liegt in einer ruhigen Wohngegend in Basel. Häuser mit kleinen Vorgärten säumen die Straßen. Bei Temperaturen knapp über Null Grad steigt Adrian Roth nur mit Badehose bekleidet vorsichtig ins Wasser des Brunnens. „Schön heiß, super“, freut er sich, während eine Handvoll Frauen und Männer ihn im dampfenden Wasser freundlich begrüßen.

Von Regine Ounas-Kräusel

Basel. Das Kollektiv der Basler Brunnenheizer lädt die Bevölkerung im Winter seit sechs Jahren ein zum „brunnen gehn“, zum gemeinsamen Baden in einem öffentlichen Brunnen mit vorgewärmtem Wasser. Mit der Aktion wolle man die Brunnen als Treffpunkte reaktivieren und die Menschen ins Gespräch bringen, sagen die Brunnenheizer Balz Scheidegger und Quirin Streuli im Gespräch mit unserer Zeitung am Rütimeyer-Brunnen.

Technik selbst gebaut

Um zwölf Uhr mittags bauen Scheidegger, Streuli und ein Kollege ihren runden Holzofen sowie eine mit Pedal und Fahrradkette betriebene Wasserpumpe neben dem Brunnen auf. Die Technik hat ihr Kollektiv selbst gebaut: Über Schläuche gelangt das Wasser in die doppelte Wand des Ofens, wird dort aufgewärmt und fließt zurück in den Brunnen. Entspannt tritt Streuli in die Pedale, bis um 17.35 Uhr die Wunschtemperatur erreicht ist: angenehme 39 Grad, so etwa wie in der Badewanne. Seine Kollegen errichten derweil eine Rezeption, an der sich am Abend die Badegäste melden werden, und eine einfache Garderobe.

Ab 18 Uhr heißt die Abendschicht vom Brunnenheizer-Kollektiv die Menschen, die im Rütimeyer-Brunnen baden wollen, willkommen: Kurze Registrierung an der Rezeption, umziehen, sich aus einem Schlauch kurz kalt abbrausen lassen, und dann geht es hinein ins dampfende Wasser. Zum Corona-Hygiene-Konzept gehört, dass alle auch im Wasser Maske tragen. „Für mich ist das hier das Highlight“, schwärmt Olivia, eine junge Frau mit braunem Haar. Sie bade auch im Sommer gerne in den Basler Brunnen. Heute sei sie mit einem alten Schulfreund da. Er sei aus dem benachbarten Binningen gekommen, erzählt Adrian Roth. Schon bald unterhalten sich die Menschen im Brunnen lebhaft. Doch kostet es nicht Überwindung, sich in der Winterkälte bis auf die Badekleidung auszuziehen? Serge Iseli lachte: Er sei Rheinschwimmer und nehme am Dreikönigsschwimmen teil: „Da ist die Wassertemperatur nur acht Grad.“

Für öffentliches Baden

In der ganzen Schweiz setzen sich Brunnenheizer für die Etablierung des „brunnen gehn“, des Badens in öffentlichen Brunnen, ein. Doch der Bewegung geht es um mehr: Man engagiere sich für die freie Bespielung des öffentlichen Dorf- und Stadtraums, schreibt der Schweizer Verband der Brunnenheizer „pro fontaines chaudes“ auf seiner Internetseite. Sogar eine Ausbildung zum Brunnenheizer bietet der Verband an.

In Basel riefen Künstler des Kollektivs Hotel Regina das „brunnen gehn“ vor sechs Jahren ins Leben. Man wolle die rund 260 öffentlichen Brunnen in der Stadt als Treffpunkte wiederbeleben, sagen Balz Scheidegger und Quirin Streuli. Bis Basel vor rund 150 Jahren Trinkwasserleitungen bekam, hätten sich die Menschen an den Brunnen getroffen.

In Basel hat sich das „brunnen gehn“ etabliert: Die Industriellen Werke Basel (IWB) reinigen die Wasserstellen in der Regel, bevor ein „brunnen gehn“ stattfindet. Mehrere Stiftungen und regelmäßige Badegäste als Gönner finanzieren das Projekt. Die Brunnenheizer bekommen einen Stundenlohn. Für die Badegäste ist das Vergnügen kostenlos, eine Kollekte ist freiwillig. Dies ist Scheidegger und Streuli wichtig. „Das „brunnen gehn“ findet immer mehr Zustimmung“, freuen sie sich: Vor Corona seien bis zu 100 Besucher an einem Abend gekommen.

In die Wohnquartiere

In den Wintermonaten bis Ende März lädt das Kollektiv der Basler Brunnenheizer Mittwochabends zum Baden in einem öffentlichen Brunnen ein. In diesem Jahr gehe man bewusst zu kleineren Brunnen in den Wohnquartieren, berichten die beiden Männer. Man wolle in der Pandemie größere Menschenansammlungen vermeiden. Vor allem aber wolle man die Menschen in den Quartieren ins Gespräch bringen. Für Familien mit Kindern soll es künftig auch am Sonntagnachmittag Angebote geben.

 Interessierte erhalten einen Newsletter mit Brunnenheiz-Terminen www.profontaineschaudes.ch.

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