Basel Laute Stille

Foto: Gina Folly Foto: Die Oberbadische

Von Dominique Spirgi

Basel. Der japanische Künstler Taro Izumi schafft mit seinen Multimedia-Installationen schalkhafte Zerr-Spiegelbilder einer Welt, die ins Absurde kippt. Im Museum Tinguely kann er sich erstmals in der Schweiz austoben.

Stille kann ganz schön laut sein, wenn sie von Taro Izumi – geboren 1976 – zur Kunstaktion gesampelt wird. Der japanische Künstler hat Tonaufnahmen aus Hunderten wegen des Corona-Lockdowns stillgelegten Theatersälen gesammelt und zum „White Noise“-Tutti zusammengestellt. „White Noise“ oder Weißes Rauschen erklärt das physikalische Phänomen, dass es die totale Stille nicht gibt, so sehr man dies als Mensch im Moment so empfinden mag.

Von ihm umgesetzt verleiht Izumi der Corona-Pandemie Töne, die recht unangenehm klingen. Er hat sie eingepackt in eine raumfüllende Installation, die hinter einer durchbrochenen Postfach-Wand den Blick in einen diffus ausgeleuchteten Theatersaal eröffnet, der auf seine Wiederbelebung warten muss.

Izumi belässt es aber nicht dabei: Auf Videobildschirmen sind Esswaren zu sehen, die im Kühlschrank auf die Zubereitung warten und weitere Objekte im Wartezustand mehr.

Um viele Ecken gedacht

Izumis Kunstwelt besteht aus Installationen, die den Betrachtern einiges an Denkvermögen, das um viele Ecken reichen muss, abverlangt. Oder aber es bedingt einiges an Erklärungen, damit sich der befreiende Aha-Effekt einstellen kann.

Das gilt auch für seine Staubsauger-Roboter, die abgehoben vom Boden ihrer Funktionalität beraubt wurden und jämmerlich ins Leere saugen. Oder für die Billardkugeln, die eingepfercht in Plexiglaskuben nicht mehr rollen können.

Hintersinnige Zerrbilder

Zuweilen finden sich im Ausstellungsparcours erklärende Hinweise, etwa bei der Bearbeitung des großen Ausstellungstitel-Schriftzugs „Taro Izumi. ex“. Izumis Team hat die großen Buchstaben, die in großer Fleißarbeit mit Bleistiften angebracht worden waren, zum Teil wieder ausradiert, um den Fluss zwischen Dasein und Verschwinden zu untermalen. Eine Spur aus dem Radier-Abrieb führt in weiten Bögen durch die weitläufigen Ausstellungsräume zu einem Making-of-Video.

In einem Raum sind Izumis hintersinnige Zerrbilder der Wirklichkeit um einiges unmittelbarer nachvollziehbar. Es handelt sich um eine Serie aus dem Jahr 2017, die dem japanischen Künstler im Pariser Palais de Tokyo international viel Beachtung eingebracht hatte. Der Titel: „Tickled in a dream ... maybe?“ ist dabei Programm.

Die Installationsgruppe konstruiert ein Reenactment von großen, in Fotografien festgehaltenen Momenten aus der Fußball- und Basketball-Geschichte. Komplexe Hybrid-Konstruktionen aus Möbelstücken und Prothesen erlauben Normalmenschen, schwebende Volleyschüsse und haarsträubende Fouls aus Fußballspielen oder monströse Luftsprünge von Basketball-Cracks als Momentaufnahmen nachzustellen.   bis 15. November

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