Basel Lebendigkeit und Tiefgang

Gabriele Hauger
Intendant Benedikt von Peter Foto: Christian Knoerr

Von Gabriele Hauger

Basel. „Ein unglaubliches Jahr liegt hinter uns“, sagt Intendant Benedikt von Peter bei der Präsentation des neues Saisonprogramms des Theater Basel 2022/2023. Es ist seine dritte Spielzeit; die erste, die hoffentlich nicht unter der Pandemie leiden wird.

35 Vorstellungen waren ausgefallen, Stücke konnten nur vor kleinem Publikum gezeigt werden. Und trotdem: Das Theater hat den Stresstest bestanden, zeigt er sich überzeugt. Allen Unkenrufen und Prognosen zum Trotz sei der Schwund der Zuschauer weniger groß als befürchtet. Die ABO-Zahlen konnten erstaunlicherweise sogar leicht gesteigert werden. Besonders die neuen Formate wie beispielsweise das Theater Public im Foyer hätten gut eingeschlagen, neue Gastronomie und ein neues Vertriebsmodell seien weitere Entwicklungsprojekte. Ob allerdings das ältere Publikum wieder vollständig aus dem Corona-Modus zurückerobert werden könne, sei noch unsicher, erklärt von Peter.

Die neue Saison

Er schaut mit seinem 16-köpfigen Team positiv in die neue Saison: „Das wird eine besondere Spielzeit, unser bestes Programm, voller Lebendigkeit und Tiefgang“. Viel werde zudem für das junge Publikum geboten. 28 Neuproduktionen stehen im Programm.

Tanz

Als erster stellte Ballettchef Richard Wherlock seine Sparte vor – es ist bekanntermaßen seine letzte Saison in Basel. Gleich zwei Klassiker hat er im Programm: „Giselle“ mit dem Thema Immigration und „Coppélia“ mit dem Sinfonieorchester Basel. Neue Wege soll das Familienstück und Zirkusabenteuer „Ciao Ciao“ von Martin Zimmermann einschlagen mit Elementen der Pantomime und einer Reise in skurril-poetische Traumwelten. Einige Wiederaufnahmen wie das aktuell laufende „Heidi“ sind auch mit dabei. Ein Schmankerl gibt es für Abonnenten: Nach den Premieren gibt es „Meet&Greet“ mit Wherlock „himself“.

Musiktheater

Klassiker in neuem Gewand verspricht das Musiktheater. Christoph Marthaler wird an die Oper zurückkehren, den „Freischütz“ inszenieren und ihn auf den Boden der grotesken Realität führen. Slapstick-Spezialist Herbert Fritsch wird wohl für ganz neue Einblicke in die Schauertragödie „Salome“ von Richard Strauß sorgen.

Mit dem Musical „Lady in the dark“ wird ein Stoff aus dem Jahr 1931 von Kurt Weill neu interpretiert, passenderweise wird die Erschöpfung in der Kulturbranche thematisiert. Spannend verspricht eine Koproduktion zu werden: Die Zuschauer sitzen mitten im Chor, eine kollektive Erfahrung im Klang-Sandwich, so von Peter. Und ein neues Format lockt: „Oper von unten“: Der Zuschauer sitzt im Orchestergraben.

Schauspiel

Sieben Klassiker, sieben Uraufführungen und drei Projekte bietet das Schauspiel, präsentiert von einem Regie-Kollektiv, das nach eigenem Bekenntnis stets auf Augenhöhe arbeitet. Geld steht im Zentrum des Börsenthrillers „Der Phönix aus der Währung“, der mit einer Tendenz zur Operette in ein barockes Milieu gesetzt wird. Das 1494 in Basel erschienene „Narrenschiff“ von Sebastian Brandt, dieser „tolle Stoff und Bestseller“ geht der Frage nach, wie eine Gruppe handlungsfähig werden kann. „Wieso verändere ich mich? Sind meine Gefühle echt?“ Diesen Fragen geht der „Sommernachtstraum“ nach. Und „Wilhelm Troll“ spürt dem Internet-Phänomen nach. Von beklemmender Aktualität ist der Antikriegs-Stoff „Die Perser“. 350 Jahre nach dem Tod Molières werden von Regisseurin Nona Fernandez verschiedene seiner Archetypen bedient. Eine Frau auf der Suche nach Liebe bringt das Fassbinder- Stück „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ auf die reduzierte Bühne. Lustig, anrührend und poetisch soll das Thema „Streit“ für Kinder und Jugendliche inszeniert werden.

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