Basel Leuchtende Wahrzeichen oder architektonische Monster?

 Foto: Michael Werndorff

Basel - In Basel herrscht Dichtestress: Abgesehen von den Transformationsarealen, die eine Umnutzung hin zum Wohnen erfahren, bleibt dem Stadtkanton nur noch die Bestandsverdichtung nach innen und grünes Licht zu geben für neue Hochhäuser.

In der Kulturmetropole sind mehr als ein Dutzend Türme entstanden oder befinden sich derzeit im Bau – darunter auch das zukünftig höchste Gebäude der Schweiz.

Wer über die Johanniterbrücke geht und einen Blick auf das Großbasler Ufer wirft, dem fällt die sich wandelnde traditionelle Häusersilhouette sofort auf. Hinter den historischen Gebäuden der Kulturmetropole fällt der neue Baloise-Turm am Bahnhof SBB mit einer Höhe von 89 Metern sofort ins Auge, der dieses Jahr eröffnet werden soll. Das mit einer Bauzeit von drei Jahren errichtete Meret-Oppenheim-Hochhaus (81 Meter), ebenfalls am Bahnhof gelegen, ist bereits fertiggestellt und bezogen.

Dann ist da noch das neue, 73 Meter hohe Biozentrum der Universität, die noch zwei weitere Türme am Rande der Altstadt plant. Der Trend ist klar: Wo nicht in die Fläche gebaut werden kann, geht es in Basel unweigerlich in die Vertikale. Da sind Interessenskonflikte programmiert.

Zentren weiter entwickeln

Das Bahnhofsquartier wird sich weiter verändern: Dort sollen noch drei weitere Wohn- und Bürotürme entstehen, was ganz im Sinne des Basler Kantonsbaumeisters Beat Aeberhard ist.

Es sei im Interesse der Gesellschaft, die Zentren weiter zu entwickeln und zu verdichten, um unbebaute Flächen und die Natur zu schonen, sagte er jüngst im Gespräch mit dem Schweizer Rundfunk.

Wachstum nach innen

Das Konzept der Verdichtung verfolgt auch das Pharmaunternehmen Roche, auf dessen Areal an der Grenzacherstraße neben einem neuen Forschungszentrum gleich gegenüber von Bau 1 ein weiteres Bürohochhaus entsteht, das alle zwei Wochen um ein Stockwerk in die Höhe wächst.

Derzeit sind 100 Meter erreicht. Mit 205 Metern wird es nach Fertigstellung im nächsten Jahr das höchste Gebäude der Schweiz sein und Bau 1 um 27 Meter überragen. Hier schreiten die Bauarbeiten planmäßig voran, wie Roche auf Anfrage gestern mitteilte.

Kritik am Hochhaustrend

Der Hochhaustrend sorgt nicht selten für hitzige Debatten und Gerichtsverfahren: Vor allem der an der Messe entstehende Claraturm hat für Proteste gesorgt. Nicht nur, weil eine Häuserzeile samt dem Traditionslokal „Altes Warteck“ dem Neubau weichen musste, sondern auch, weil die wuchtige Architektur nicht jedem gefällt.

Zu den Gegnern zählt unter anderem der Basler Heimatschutz: „Den Claraturm finde ich städtebaulich nicht nachvollziehbar“, moniert Vorstandsmitglied und Kunsthistorikerin Uta Feldges. Sobald ein Investor Parzellen erwerben kann, würde wenig später ein Hochhaus entstehen, dabei sei sie nicht grundsätzlich gegen Hochhäuser.

Kummerkind seien für Feldges zudem die geplanten Wohntürme rund um die Basler Messe. „Die Entwürfe sind bislang reine Investorenbauten, viel zu massiv, viel zu wuchtig ohne gute Grundplanung.“ Den Planern und Politikern fehle es immer mehr an Grundwissen über die historische Bausubstanz“, urteilte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Rückten Hochhäuser zu nahe an die Altstadt heran, würde diese zu einer Spielzeugarchitektur degradiert, und das sei sehr schade.

Keine Zufallsprodukte

Die Kritik, dass Hochhäuser zufällig entstünden, weist Aeberhard von sich: „Wenn wir der Meinung sind, dass ein Hochhaus nicht das Richtige ist, wird auch keines gebaut.“

Außerhalb der Altstadt gibt es praktisch keinen Widerstand gegen den Hochhaustrend, der angesichts der wachsenden Wirtschaft wohl so schnell kein Ende finden wird. So können Grünflächen erhalten oder sogar neu geschaffen werden. Das zeigt das Projekt „Nordspitz“ am Dreispitz, wo drei Wohntürme mit 135 und 160 Meter Höhe entstehen sollen. Wo heute noch ein Parkplatz steht, wird dereinst eine Parkanlage die Anwohner zum Flanieren einladen.

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