Basel Linien, Farben, Landschaft

Gabriele Hauger

Von Gabriele Hauger

Riehen. Dem niederländischen Maler Piet Mondrian widmet die Fondation Beyeler zu seinem 150. Geburtstag eine Ausstellung unter dem Titel „Mondrian Evolution“. 89 Werke des vielseitigen Künstlers der Avantgarde aus privaten und öffentlichen Sammlungen Europas und der USA sind zu sehen und belegen die eindrückliche Entwicklung Mondrians vom Landschaftsmaler zum Protagonisten der Moderne.

Chronologisch geordnet

Die Schau ist weitgehend chronologisch angeordnet. Doch schon im ersten der neun Säle wird die verblüffende künstlerische Entwicklung Mondrians augenscheinlich. Ein kleines Oeuvre von 1893 zeigt eine Frau in niederländischer Tracht mit weißer Haube, über eine Spindel gebeugt. Gegenüber dann das großformatige Bild „Wald bei Oele“ aus dem Kunstmuseum Den Haag mit Blick gegen die Sonne und dramatisch hintereinander gestaffelten Baumstämmen in Rot und Violett, die die Illusion von Räumlichkeit verschaffen. Dicht daneben ein Spätwerk: Mondrians New York City von 1941, nur drei Jahre vor seinem Tod entstanden, eine pur abstrakte Komposition aus Linien und zum Teil geklebten Streifen.

Abstrakte Bildsprache

Wie kam es zu dieser bemerkenswerten Entwicklung? Mondrian ist heute besonders für seine Spätwerke bekannt, seine komplett gegenstandslose Bildsprache mit ihren Linien, die vertikal und horizontal verlaufen und rechte Winkel bilden, sowie Flächen in den drei Grundfarben und Weiß. Das hat Wiedererkennungswert und wird bis heute in Design, Mode, Architektur und Popkultur aufgegriffen. Die Konzentration auf Linien und Flächen ermöglicht unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten. Mondrian wollte ein perfektes Gleichgewicht schaffen, das dennoch spannungsvoll ist, und jedes Element an seinen passenden Platz setzen.

Begonnen hat der in Amersfoort als Sohn eines Lehrers geborene Künstler mit niederländischer Landschaftsmalerei. Eindrücklich Zeugnis legt dafür eine Werksammlung im zweiten Raum ab. Bauernhöfe, Vieh, dunkle Wasser, Windmühlen, Spiegelungen der Bäume in Wasserstraßen, der Strand, dramatische Himmel – dies sind wiederkehrende Motive in Mondrians Werk. Hier experimentiert der Künstler mit der Kraft der Farben: Stimmungsvolles Leuchten, Gegenlicht, Strahlkraft – sie beeinflussen die Wirkung der Flächen, entwickeln Tiefenwirkung. Wunderbar sein in rötliches Licht getauchter Bauernhof von 1916 – wie innerlich durchleuchtet –, der im Wasser gespiegelt von kahlen Ästen wie von einem Gitterwerk überzogen wird.

Wiederkehrende Motive sind auch Kirchtürme, Leuchttürme und Windmühlen. Auch hier spielt Mondrian mit unterschiedlicher Farbwirkung: Explosiv und mit skizzenhafter Maltechnik ist beispielsweise seine Mühle im Sonnenschein von 1908, die damals für viel Diskussionsstoff sorgte.

Selbstporträts

Nach der Begegnung mit dem Kubismus in Paris bestimmen dann einige Jahre später eher Grau und Ockertöne seine Bilder. Mondrian malt auch dunkel, melancholisch, in der Dämmerung. Davon zeugen Pflanzenbilder sowie seine Selbstporträts, mit der Konzentration auf seine großen, dunklen Augen, auf seinen Blick, der alles drumherum auflöst.

Die Linie wird bei Piet Mondrian immer wichtiger, die Abstraktion schreitet fort. Ab den 1920er Jahren schuf er ausschließlich gegenstandslose Malerei. Im letzten großen Saal hängen dann die Mondrians mit dem größten Wiedererkennungswert: seine strukturierten, verschachtelten Kompositionen mit Farbfeldern. Den Weg dorthin zeichnet die große Ausstellung faszinierend nach.

„Mondrian Evolution“: 5. Juni bis 9. Oktober, täglich 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr; der Ausstellungskatalog ist von der Designerin Irma Boom gestaltet, 264 Seiten; Ergänzend zeigt die Ausstellung den Kurzfilm „Piet & Mondrian“ mit dem bekannten Schauspieler Lars Eidinger, der Mondrians theoretischen Text in Dialogform von 1919/20 „Natürliche und abstrakte Realität“ zum Leben erweckt. Darin formulierte Mondrian seine Überlegungen und Gedanken zur Abstraktion in der Kunst.

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