Basel Magische Momente

Christiane Breuer

Knisternde Spannung liegt in der Luft, als am Freitagabend der Schweizer Moderator Max Loong das 13. Internationale Circus-Festival „Young Stage“ eröffnet. Das Festival gehört neben dem „Cirque de Demain“ in Paris zu den höchstdotierten Wettbewerben im Bereich der Nachwuchsartistik.

Von Christiane Breuer

Basel. Deshalb ist die Young-Stage-Bühne unter den Artisten ein beliebtes Karriere-Sprungbrett. In diesem Jahr hatten sich Künstler aus über 60 Nationen beworben, 30 Artisten aus zwölf Nationen wurden schließlich ausgewählt.

„Dieses Festival findet im Zeichen des Friedens statt“

„Dieses Festival findet statt im Zeichen des Friedens“, so der Moderator. „In solchen Augenblicken merkt man, wie besonders und einzigartig die Zirkus-Community ist. Da wird Internationalität und Weltoffenheit jeden Tag gelebt. Menschen aus der ganzen Welt kommen zusammen, leben zusammen, schaffen zusammen, ohne Feindseligkeit, ohne Hass.“

Artistik, darstellende Kunst und virtuose Balance-Akte

Den ersten Programmpunkt setzte Antino Pansa aus Französisch-Guyana. Der 23-Jährige hat sich schon sehr früh für Zirkus interessiert. In seiner Jugend hatte er alte elektrische Leitungskabel zwischen Bäume gespannt und erste akrobatische Figuren geübt. In Basel tänzelt er elegant und schnell, zuweilen lässig mit einer Selbstverständlichkeit auf dem Seil, als wäre er dort geboren.

Dass der moderne Zirkus eine Mischung aus Artistik, darstellender Kunst und virtuosen Balance-Akten sein kann, zeigte eindrucksvoll das Duo LeoLe mit dem Cyr-Rad. Leonie Körner und Ole Lehmkuhl aus Deutschland erzählen eine poetische Geschichte zum Thema Begegnungen. Wie geht man aufeinander zu? Wie reden wir miteinander? Dieser Dialog, in dem die beiden mal allein, mal zusammen, mal zugewandt, mal miteinander verwoben im Reifen stehend das Gespräch gestalten, zieht das Publikum in seinen Bann.

Clara Laurent am Luftseil träumt von der idealen Welt

Maxim Voronin aus der Ukraine ist sich selbst fremd – er hat einen mit Fell bedeckten Arm, den er nicht loswird. Auch nicht mit Magie, auch nicht mit Wut oder einer Prise Wahnsinn. Ron Oppenheimer aus Israel begeistert am Chinesischen Mast mit waghalsigen Sprüngen und Figuren. Oliver und Kyran aus den USA zeigen Boden-Akrobatik der Extraklasse. Clara Laurent am Luftseil träumt von der idealen Welt. Die Canaval-Zwillinge aus Österreich verzaubern mit Jonglage. Mit Kegeln in leuchtenden Farben malen sie Muster in den dunklen Himmel.

Beim Auftritt der finnischen Gruppe Arctic Ensemble wird die Schwerkraft neu erfunden: Jeweils zwei Männer wirbeln eine Frau durch die Luft, als hinge sie an einem Trapez. Beide Frauen begegnen sich in der Luft, eine Performance, die absolute Präzision erfordert. Pipa Ilpala aus Finnland wollte eigentlich Bälle mit den Händen jonglieren, aber nach einem Armbruch ist sie Fußjongleurin geworden. Das Schweizer Duo Ginger Moustache überraschte mit Humor, wilden Perspektiven und Clownerie. Angelina und Alexandra, zwei Studentinnen der Kiewer Zirkusschule, konnten vor dem Krieg nach Berlin fliehen und dort ihr Studium fortsetzen. Sie verzauberten mit Akrobatik auf höchstem Niveau.

Auf das Basler Publikum ist Verlass

Auf das Basler Publikum ist Verlass, in der Halle sitzen lauter Zirkusbegeisterte. Langanhaltender Beifall, Trampeln und Jubeln sind der Lohn für jede Darbietung auf der runden Bühne.

Festivaldirektorin Nadja Hauser dankte allen Artisten. „Wir sehen hier körperliche Höchstleistungen, Magie, Glitzer und die große Geste. Hinter dieser Leichtigkeit gibt es aber Talent, harte Arbeit, Disziplin, Rückschläge, Bescheidenheit und die große Liebe zum Zirkus.“

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