Basel Malen gegen den Schmerz

Hannah Hommel findet Linderung für ihr Schmerzen im Prozess des Malens. Foto: zVg

Basel - Hannah Hommel ist 19 Jahre alt und hat schon mehr Schmerzen aushalten müssen als die meisten Menschen in einem ganzen Leben. Eine Operation am Universitätsspital Basel schaffte zwar Linderung, doch weitere Eingriffe sind nötig. Gegen die Leiden, die von einer seltenen Krankheit verursacht werden, malt die junge Luxemburgerin seit Jahren an. Ihre Werke zeigt das Universitätsspital im Rahmen seiner Ausstellungsreihe „Aufgestellt – Ausgestellt“ noch bis 10. Mai unter dem Titel „Die Farben meines Lebens“.

Die 19-Jährige hat in der Malerei einen Weg gefunden, mit den qualvollen Schmerzen umzugehen, die ihr Leben seit frühster Kindheit geprägt haben. Die junge Frau leidet am sogenannten Wirbelgleiten (Spondylolisthese), in ihrem Fall in einer sehr schmerzhaften Ausprägung. „Ich habe eine Odyssee hinter mir“, erzählt sie mit ruhiger, gefasster Stimme. Zu den Operationen in Deutschland, einer schlimmen Infektion, die sie zusätzlich monatelang ans Krankenbett fesselte, kam oft Verzweiflung. „Neben den höllischen Schmerzen war ich auch emotional sehr verletzlich, fühlte mich unverstanden. Wie die Ärzte und Schwestern in der deutschen Klinik mit mir und anderen Patienten umgingen, war zudem schrecklich.“

Hannah Hommel suchte nach einem Ventil, um gegen diese Gefühle und das Leiden anzugehen. Sie fand sie in der Malerei. Schon zu Schulzeiten war sie kreativ, nun griff sie Zuhause zwischen den Klinikaufenthalten zum Pinsel und hielt Stimmungen und Gefühle auf der Leinwand in Öl, Acryl oder mit Stiften fest. Weil sie schlecht sitzen kann, muss sie beim Malprozess immer wieder Pausen einlegen, erzählt sie. Auch deshalb sei der Entstehungsprozess eines Bildes langwierig, bringe ihr aber fast meditative Ruhe.

Wirbelsäule und Schmerz sind Leitmotive zahlreicher ihrer Bilder, jedoch längst nicht aller. Seit sie im Spital in Basel operiert wurde und wieder Hoffnung geschöpft hat, werden ihre Arbeiten farbiger. In „Glühende Hoffnung“ zeigt sich beispielsweise hinter einer Körpersilhouette ein heller Streifen am Horizont – Hoffnung. Aber auch Geborgenheit, Freisein, Liebe, Schutz oder Kraft sind Themen. „Das Malen und Zeichnen hat sich zu einem Teil meiner eigenen Therapie entwickelt. Durch die Kunst hat sich mir eine neue Welt geöffnet.“

Besonders schön fand sie auch die Reaktionen auf ihre Ausstellung mit rund 30 Bildern. „Vom Patienten bis zum Professor haben mich ganz viele Menschen darauf angesprochen, und sich begeistert gezeigt.“

An ein normales jugendliches Leben ist derzeit dennoch nicht zu denken. Die ständigen Klinikaufenthalte führten die junge Frau daher auch schrittweise in die Isolation. Mit der Ausstellung präsentiert sich Hannah Hommel nun erstmals der Öffentlichkeit als Künstlerin, als tiefgründiger Mensch mit Talent und Schaffenskraft. Verkaufen möchte sie ihre Bilder nicht. Dazu seien sie zu persönlich. In den verschiedenen Phasen ihres Lebens entstanden, gleichen sie einer Art Tagebuch.

Weitere Operationen sowie Therapien erwarten Hannah Hommel. Das Malen wird ihr auch in dieser Zeit Kraft geben.

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