Basel - Morgestraich, Larve, Clique und Räppli – dies sind die Zutaten der Basler Fasnacht, die Mitte März wieder für einen dreitägigen Ausnahmezustand in der Stadt am Rheinknie sorgen wird. Felix Rudolf von Rohr geht in einem Vortrag der Volkshochschule Grenzach-Wyhlen auf die Besonderheiten der „drey scheenschte Dääg“ ein.

Über die gesellschaftliche Bedeutung der Basler Fasnacht hat Adrian Steineck mit Felix Rudolf von Rohr gesprochen.

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Herr Rudolf von Rohr, was unterscheidet die Basler Fasnacht von anderen Veranstaltungen in der fünften Jahreszeit?

Die Basler Fasnacht ist nicht besser als andere, sondern anders. So beginnt die Fasnacht in Basel erst am Montag nach Aschermittwoch mit dem Morgestraich um Punkt vier Uhr morgens. Die Basler Fasnacht ruht für mich auf drei Pfeilern.

Die da wären?

Zum einen die Rolle des Hofnarren. Die Basler Fasnacht darf nicht „nur“ lustig sein, sondern auch die Obrigkeit kritisieren, und das durchaus ernsthaft. Das Lachen darf auch einmal im Halse stecken bleiben. Zweitens ist die soziale Komponente wichtig: Während der Fasnacht ist man eine große Familie, egal was man sonst macht, und wer einmal gemeinsam mit anderen Fasnacht gemacht hat, gehört auch dazu.

Ist das etwa beim rheinländischen Karneval nicht auch so?

Nicht in diesem Ausmaß. Ich bin kürzlich mit der Lörracher Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic bei einer Veranstaltung zusammengesessen. Sie kommt aus Köln und sagte zu mir, dass man auch im rheinischen Karneval während der Fasnacht per Du ist, aber danach ist das wieder anders. In Basel hingegen kenne ich viele Leute durch die Fasnacht und kann jederzeit einem Regierungsrat anrufen und sagen: Du, Peter. Das bedeutet nicht, dass man sich nicht respektiert.

Was ist der dritte Pfeiler?

Das ist die gestalterische und kreative Komponente. Es werden etwa 15 000 bis 20 000 Larven und Kostüme sowie 200 Laternen für den Morgestraich angefertigt. Alle großen Künstler, die aus Basel kamen oder eine Zeit lang dort aktiv waren, haben Werke geschaffen, die mit der Fasnacht in Verbindung stehen – von Jean Tinguely bis Joseph Beuys. Auch die Pflege des Dialekts in den auf Mundart gedichteten Schnitzelbängg und die Musik sind nicht zu unterschätzen.

Seit dem Jahr 2017 gehört die Basler Fasnacht zum immateriellen Weltkulturerbe der Unesco. Vereinzelt gab es damals die Befürchtung, dass die Fasnacht sich jetzt nicht mehr verändert. Besteht diese Gefahr?

Auf keinen Fall. Wenn man bei der Unesco einen Vorschlag zur Aufnahme in das Kulturerbe einreicht, muss man belegen, dass diese Tradition sich verändert. Wenn ich gefragt werde, wie alt die Basler Fasnacht in ihrer heutigen Form ist, dann antworte ich: Ein Jahr. Denn jedes Jahr gibt es Veränderungen. Das musikalische Handwerk ist heute etwa viel feiner als vor 50 oder 60 Jahren.

In Ihrem Vortrag in Grenzach-Wyhlen wollen Sie auch auf die wirtschaftliche Bedeutung der Basler Fasnacht eingehen. Was hat es mit dieser auf sich?

Es ist so, dass die öffentliche Hand sich die Fasnacht jedes Jahr eine Million Franken kosten lässt, etwa durch Umleitungen oder höheres Polizeiaufgebot. Aber die Basler Fasnacht generiert auch jedes Jahr 30 Millionen, etwa durch Touristen oder die 100 000 ehrenamtlichen freiwilligen Stunden, die geleistet werden.

Felix Rudolf von Rohr war von 1987 bis 2010 im Fasnachts-Comité, die letzten sieben Jahre als Obmann. Er hat die Bewerbung der Basler Fasnacht bei der Unesco maßgeblich vorangetrieben. Auch abseits der Fasnacht ist er vielseitig engagiert.