Basel Mit Bits und Bytes gegen den Krebs

Archivfoto: Michael Werndorff Foto: Die Oberbadische

Novartis will seinen Fokus auf eine datenbasierte Forschung setzen und damit personalisierte Therapien vorantreiben. Mit dem Softwarekonzern Microsoft hat der Pharmakonzern nun eine Zusammenarbeit im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) vereinbart.

Basel (awp/boz). Ziel sei es, die Art und Weise, wie Medikamente entdeckt und entwickelt werden, zu verändern, teilte Novartis am Dienstag mit. Laut Bertrand Bodson, dem Chef des Digitalbüros bei Novartis, ist dies eines der Elemente der neuen Firmenstrategie. Denn neben der Fokussierung auf das Pharmageschäft hat sich der Konzern die Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben. „Wir haben diese schon in vielen Bereichen umgesetzt, etwa im Vertrieb, wo unsere Mitarbeiter bereits digital unterstützt werden“, erklärt Bodson im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

Gemeinsame Forschung

Die gemeinsamen Forschungsaktivitäten sollen auf dem Novartis Campus in Basel, im Novartis Global Service Center in Dublin und im Microsoft Research Lab in Großbritannien stattfinden, wie es in der Mitteilung hieß. Der Konzern will eigens dafür ein KI-Innovationslabor einrichten.

Man habe mit einer Vielzahl an Technologie-Unternehmen Gespräche über eine Zusammenarbeit geführt, erklärte der Technik-Chef weiter. Dass die Wahl am Ende auf Microsoft fiel, hat laut Bodson verschiedene Gründe: „Microsoft ist eines der führenden Unternehmen im Bereich KI, sie sind damit auch schon sehr aktiv im Bereich Gesundheitswesen, und die Chemie hat von Anfang an gestimmt. Beide Seiten können ihre Ideen gleichberechtigt einbringen.“

Novartis hofft, viele Herausforderungen in der Forschung mit Hilfe der künstlichen Intelligenz bewältigen zu können.

Personalisierte Therapien

In dem KI-Innovationslabor soll die große Menge der eigenen Datensätze mit den fortschrittlichen KI-Lösungen von Microsoft zusammengeführt werden. Einige der schwierigsten Rechenaufgaben in den Biowissenschaften sollen so bewältigt werden, angefangen bei der generativen Chemie, der Bildsegmentierung und -analyse für eine intelligente und personalisierte Bereitstellung von Therapien bis hin zur Optimierung von Zell- und Gentherapien.

Bei der personalisierten Therapie geht es laut Stefan Felder, Gesundheitsökonom der Universität Basel, um eine bessere Abschätzung der Risiken von genetisch und prognostisch sehr unterschiedlichen Krebserkrankungen einerseits und um den gezielten Einsatz von besser wirksamen und mit weniger Nebenwirkungen verbundenen Arzneimitteln andererseits.

Die Präzisionsmedizin könne eine individuellere, auf einzelne Personen fokussierte Entwicklung von Therapien ermöglichen. „Big Data“ und maschinelles Lernen seien dabei die Voraussetzungen, meint der Professor. Für die Pharmahersteller eröffneten sich neuen Marktfelder sowie die Möglichkeit, die Preise ihrer Arzneimittel nach Patientengruppen zu differenzieren und damit ihre Gewinne zu steigern.

Novartis will in der Herstellung ihrer personalisierten CAR-T-Zelltherapie die KI einsetzen, um so ein noch besseres Verständnis zu bekommen und die Prozesse zu beschleunigen. Und auch in der Behandlung der Augenerkrankung Makuladegeneration erhofft sich der Digitalisierungs-Chef, damit besser auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Patienten eingehen zu können.

Große Herausforderung

Ob die Kosten einer personalisierten Therapie in einem wirtschaftlichen Rahmen gehalten werden können und damit auch eine breite Bevölkerung von ihr profitieren wird, hält Felder für eine große gesellschaftliche Herausforderung. „Es wird nicht möglich sein, die Segnungen der künftigen Medizin unbeschränkt allen zukommen zu lassen, weil dies auf Kosten anderer staatlicher Aufgaben wie Alterssicherung oder Bildung geht. Für den Zugang zum Neuesten in der Medizin wird man private Zusatzversicherungen abschließen müssen.“

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