Basel Nachwuchs beherrscht die Manege

Zwei werden eins am Vertikalseil: Natalie und Joachim. Foto: Beatrice Ehrlich

Basel - Es ist echte Begeisterung, die ansteckt: „Zeigt der Welt, was Zirkus sein kann“ ruft die Initiatorin und Festivaldirektorin Nadja Hauser ihren aus weltweit 600 Bewerbern ausgewählten Artisten beim großen Schlussfinale zu. Über drei Stunden haben da die jungen Zirkuskünstler das bis zum letzten Platz besetzte Zelt am Basler Messeplatz bestens unterhalten.

Hier auf der Bühne zu stehen, ist etwas ganz Besonderes. Neben ihrem herausragenden Können in einzelnen Disziplinen ist es die persönliche Ausstrahlung und eine unverwechselbare Körpersprache, welche den besonderen Reiz der ausgewählten Nummern ausmacht. Dabei liegen Welten zwischen den Absolventen renommierter Zirkusschulen wie die National Circus School in Montreal oder der Codarts University of the Arts in Rotterdam und Einzelkämpfern wie dem 20-jährigen Winston Fuenmayor, der nie eine Zirkusschule besucht hat, und das Publikum mit seinen in ein dramatisches Ringen mit sich selbst eingebetteten Kartentricks in den Bann schlägt. Videos auf Youtube dienten den beiden Sportstudenten Maite Ramírez und Julio Fajardo aus Kuba als Lehrmeister für ihre spektakuläre Hand-zu-Hand-Akrobatik-Nummer, in der sie keine Schwierigkeit auslassen.

Andere Protagonisten dieses Abends rücken das Spielerische und Experimentelle in den Mittelpunkt, etwa der junge Diabolo-Spezialist David Eisele, der seine Wurzeln im nahen Müllheim hat, der sich in seiner überraschenden Vorstellung zwischen Mensch und Tier bewegt.

Langsam ist manchmal schwieriger als schnell: Am Vertikalsein gelingt es Natalie und Joachim, durch ihre extrem ruhigen, in der Zeit gedehnten und zugleich perfekt ineinander fließenden Bewegungen einen starken Spannungsbogen aufzubauen, der ihnen die Bewunderung des Publikums einbringt. Ähnlich nah, aber anders, kommt sich das Duo Milena und Christopher am Trapez: Im jahrelangen gemeinsamen Training haben die beiden groß gewachsenen Hamburger eine kraftvolle und zugleich elegante Körpersprache entwickelt.

Neben den klassischen Disziplinen erobert sich der Zirkus sichtbar neue Welten: Während die Gruppe Hyperhook aus Köln den urbanen Trend „Tricking“, angesiedelt zwischen Kampfsport und Akrobatik, unter die Zirkuskuppel bringt, ruft Marilou Verschelden mit ihrer aufsehenerregenden Nummer am Rhönrad ein in Vergessenheit geratenes Turngerät in Erinnerung. Die Wirkung, die sie mit ihrer Nummer erzielt, hat auch etwas mit der Wucht des großen Rades zu tun, das wie ein kräftiger Gegenspieler über die Bühne brettert.

Mit einem Gerät, das wehtun kann, nehmen es auch Mario und Carlos von der Staatlichen Artistenschule am fliegenden Mast auf. Um ihre raffinierten Figuren zu turnen, müssen sie die kreiselnde schwere Stange erst einmal zu fassen kriegen.

Für die jungen Artisten ist der Auftritt bei Young Stage beides: Das Ziel ihrer bisherigen Wünsche und jahrelangen, intensiven Trainings und zugleich Plattform für die persönliche Weiterentwicklung und zukünftige Engagements. Bei der Bewertung durch eine hochkarätig besetzte Jury werden am kommenden Dienstag neben den mit Geld dotierten Preisen Goldener, Silberner und Bronzener Stern, dem Young-Stage-Preis sowie dem am Premierenabend gekürten Publikumspreis auch Spezialpreise vergeben, unter anderem vom Cirque du Soleil für die Innovativste artistische Vision und Darbietung. Daneben können die beteiligten Künstler Engagements beim Zirkus Roncalli, der Show Feuerwerk der Turnkunst, beim Palazzo Colombino und im Europa-Park erringen – neben anderen.

Mehr noch als neue Formen fasziniert die Zuschauer aber die klassische hohe Kunst der Akrobatik: Den frenetischsten Applaus bekommen die Artisten, welche die schwierigsten akrobatischen Übungen meistern und das größte sichtbare Risiko eingehen: wagemutig, tollkühn, atemberaubend. Neben den bejubelten Kubanern sind das die aus Belgien und Kanada stammenden Chilly Brothers mit ihren atemberaubenden Kraftübungen am russischen Stuhl.

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