Basel Nächtliche Ruhestörung vermeiden

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Akuter Fluglärm in der Nacht kann zum Herz-Kreislauf-Tod führen, haben Basler Forscher nun in einer Studie festgehalten. Foto: Michael Werndorff

Basel/Zürich - Zum ersten Mal hat eine Studie gezeigt, dass lauter Fluglärm in der Nacht innerhalb von zwei Stunden zum Herz-Kreislauf-Tod führen kann. Forscher der Universität Basel und des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH) mit Sitz in Basel haben die Sterblichkeitsdaten mit der akuten nächtlichen Lärmbelastung um den Flughafen Zürich zwischen den Jahren 2000 und 2015 verglichen.

Die meisten Studien über Verkehrslärm und Herz-Kreislauf-Sterblichkeit haben sich bisher auf die langfristige Lärmbelastung konzentriert, wie die Universität Basel mitteilt Diese haben gezeigt, dass chronische Lärmbelastung ein Risikofaktor für die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit ist.

Insgesamt können in Europa rund 48 000 Fälle von Herzerkrankungen mit Mangeldurchblutung pro Jahr auf Lärmbelastung zurückgeführt werden, insbesondere auf Straßenverkehrslärm.

Erste Studie zum akuten nächtlichen Fluglärm

Zum ersten Mal wurde nun im Rahmen einer Studie unter der Leitung des Swiss TPH nun aufgezeigt, dass akuter nächtlicher Fluglärm innerhalb von zwei Stunden ab der Lärmbelastung einen Herz-Kreislauf-Tod auslösen kann. Die im „European Heart Journal“ veröffentlichte Analyse ergab, dass das Risiko eines Herz-Kreislauf-Todes bei einer nächtlichen Lärmbelastung zwischen 40 und 50 Dezibel um 33 Prozent und bei einer Belastung über 55 Dezibel um 44 Prozent steigt.

„Wir haben festgestellt, dass zwischen 2000 und 2015 bei ungefähr 800 von 25 000 Herz-Kreislauf-Todesfällen in der Nähe des Flughafens Zürich Fluglärm die Ursache war. Dies entspricht drei Prozent aller beobachteten Herz-Kreislauf-Todesfälle“, wird Studienleiter Martin Röösli, Professor für Umweltepidemiologie an der Universität Basel und Leiter der Einheit „Environmental Exposures and Health“ am Swiss TPH, in der Mitteilung zitiert.

Laut Röösli zeigen die Ergebnisse, dass Fluglärm ähnliche Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit haben kann wie Emotionen (zum Beispiel Wut oder Aufregung). „Die Ergebnisse überraschen nicht, denn wir wissen, dass eine Lärmbelastung in der Nacht Stress verursacht und den Schlaf beeinträchtigt“, erklärt er. In ruhigen Gegenden mit wenig Eisenbahn- und Straßenverkehrslärm war die nächtliche Fluglärmwirkung stärker ausgeprägt. Dies war auch der Fall bei Menschen, die in älteren, weniger isolierten und damit lärmanfälligen Häusern wohnen.

Am Flughafen Zürich gilt derzeit ein Flugverbot zwischen 23.30 und 6 Uhr.

EuroAirport Basel will Lärmschutz ausweiten

Mit einer Ausweitung des Lärmschutzes und einer Berichtigung der Südabfluglinien will der EuroAirport Basel die nächtlichen Lärmbelastungen für die Bevölkerung in der Schweiz, Deutschland und Frankreich verringern. Ein entsprechender Antrag liegt seit Sommer der französischen Luftfahrtbehörde vor. Konkret will der Flughafen die geplanten Starts zwischen 23 und 24 Uhr verbieten und dann nur noch verspätete Flugzeuge abheben lassen, wie während einer Medienkonferenz im Juni zu erfahren war. Des Weiteren sollen ab 22 Uhr und vor 6 Uhr nur noch weniger laute Flugzeuge zugelassen werden.

„Auf Basis unserer Studienergebnisse können wir folgern, dass solche nächtlichen Flugverbote zusätzliche Herz-Kreislauf-Todesfälle verhindern“, erklärt Röösli. Im Rahmen der Studie wurde ein sogenanntes „Case-Crossover“-Design verwendet, um herauszufinden, ob die Fluglärmbelastung zum Zeitpunkt der Todesfälle im Vergleich zu zufällig gewählten Kontrollzeiträumen ungewöhnlich hoch war. „Dieses Studiendesign ist sehr hilfreich, wenn man akute Auswirkungen der Lärmbelastung mit einer hohen täglichen Variabilität untersuchen möchte, wie im Falle von Fluglärm wegen wechselnder Wetterbedingungen oder Flugverspätungen“, meint Apolline Saucy, Hauptautorin der Studie.

„Mit diesem Analyseansatz können wir die Wirkung ungewöhnlich hoher oder niedriger Lärmbelastungen auf die Sterblichkeit von anderen Faktoren abgrenzen. Faktoren, die auf den Lebenswandel zurückgehen wie zum Beispiel Rauchen oder schlechte Ernährung, stellen in diesem Studiendesign keine Verzerrung dar.“

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