Basel Neue Einblicke über den jungen Hodler

Die Oberbadische, 14.06.2018 15:32 Uhr

Von Martin Bieri

Basel. Der Schriftsteller Carl Albert Loosli war Ferdinand Hodlers erster Biograf. Im Kunstmuseum Basel sind Dokumente aus seinem Archiv neben Frühwerken des Malers zu sehen: eine Premiere.

Zum hundertsten Todesjahr Ferdinand Hodlers zeigen die Museen landauf landab ihre Prunkstücke, die große Hodler-Schau „Parallelismus“ in Genf und Bern ist ein Triumph der Farbe und des Symbolismus.

Das Kunstmuseum Basel geht einen anderen Weg: In einer kleinen Kabinettausstellung präsentiert es selten gezeigte Frühwerke Hodlers in Kombination mit noch gar nie gezeigten Dokumenten aus dem Loosli-Archiv: Briefe, Notizen, Fotos. Die Materialien geben Einblick in die Werk- und Wirkungsgeschichte der eher düsteren, noch dem Realismus verpflichteten Gemälde des jungen Hodler.

Das betrifft zum Beispiel das große Porträt von Hodlers Stiefschwester Maria Krebs-Schüpbach von 1876, das der Maler mehrfach überarbeitete, weil es der Abgebildete so sehr missfiel, dass sie es auf dem Estrich versteckte.

Oder ist die um 1890 entstandene lesende Rückenfigur, die früher „Ruhe von der Arbeit“ hieß und Hodlers Onkel Friedrich Neukomm zeigt, wirklich ein Porträt oder doch eher ein Genrebild, wie der früher Titel nahelegt – ähnlich der berührenden „Armen Seele“ gleich daneben?

Viel von dem, was heute über Hodler bekannt ist, wurde von Loosli überliefert. Vieles, das Hodlers Legende ausmacht ebenso. Als diese Bilder entstanden, waren sich die beiden noch nicht begegnet. Carl Albert Loosli kam 1877 zur Welt. Unehelich geboren, verbrachte er seine Jugend bei Pflegeeltern und in Jugendanstalten.

Loosli lebte in Bümpliz und arbeitete als Schriftsteller, Publizist und Journalist. Seiner unbeugsamen Haltung und seiner Kritik an sozialen Missständen wegen, machte er sich einen Namen als „Philosoph von Bümpliz“, ein gefürchtet spöttischer allerdings, der in Dialekt und Standardsprache schrieb.

Loosli beschäftigte sich intensiv mit der bildenden Kunst und stand der so genannten „Bubenbergclique“ nahe, zu der neben Hodler Maler wie Cuno Amiet, Max Buri oder Emile Cardinaux gehörten. Auf Vorschlag Hodlers wurde Loosli Zentralsekretär der Gesellschaft schweizerischer Maler, Bildhauer und Architekten GSMBA.

Die beiden Berner hatten sich 1898 kennengelernt. Der Schriftsteller fand im 24 Jahre älteren Maler einen väterlichen Freund, Hodler erkannte in Loosli einen Biografen und Mitarbeiter, der um seinen Nachruhm besorgt sein würde. So überdauerte die Beziehung der beiden Duzfreunde zwei Jahrzehnte. Erst Hodlers Tod 1918 beendete sie.

Danach bemühte sich Loosli um den Nachlass Hodlers und hoffte, seine Forschungen publizieren zu können. Zwischen 1921 und 1924 gab Loosli zwar eine vierbändige Studie zu „Leben, Werk“ Hodlers heraus, doch der Autodidakt wurde von den akademischen Kreisen weder unterstützt, noch seine Arbeit gewürdigt. Deshalb ließ Loosli das Archiv nach seinem Tod 1959 für 50 Jahre versiegeln, so dass es zur großen Unbekannten der Hodler-Forschung wurde. Erst im Zusammenhang mit der Arbeit am jüngst fertiggestellten Werkkatalog des Malers wurde das Archiv, fünf Jahre vor Ablauf der Sperrfrist, geöffnet.  bis 14. Oktober, Hauptbau

 
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