Basel Neues Terminal lässt auf sich warten

Michael Werndorff
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Von Michael Werndorff

Basel. Das geplante trimodale Güterterminal Gateway Basel Nord (GBN) beim Basler Rheinhafen wird wohl nicht vor 2026 in Betrieb gehen: Für den Baustart fehlen noch entscheidende Bewilligungen. Derweil haben die Betreiber den Wechsel von der Planungs- zu einer Betreibergesellschaft vollzogen, wie GBN jetzt mitteilte.

Das trimodale Umschlagsterminal in Basel soll zukünftig den Güterverkehr zwischen Schiene, Straße und Wasser verbinden. Das Projekt entstand im Jahr 2015 als reine Planungsgesellschaft der drei Schweizer Logistik- und Transportunternehmen Contargo, Hupac und SBB Cargo. Nun wurden die Anteile gleichmäßig zu je einem Drittel auf Contargo, Hupac und SBB Cargo aufgeteilt. Das Präsidium des Verwaltungsrats wechselt im jährlichen Turnus zwischen den Aktionären, heißt es weiter.

Die Plangenehmigung des Bundesamts für Verkehr erwartet die GBN im laufenden Jahr, teilen die Betreiber mit. Allerdings ist ein Weiterzug an das Bundesverwaltungsgericht und an das Bundesgericht möglich, was wiederum zu mehrjährigen Verzögerungen führen kann. Zudem hoffen die Verantwortlichen auf Zustimmung für die Naturschutz-Ersatzflächen.

GBN-Verwaltungsratspräsident Holger Bochow betont die Wichtigkeit der gleichmäßigen Aufteilung der Inhaberschaft: „Unsere drei Partner Hupac, SBB Cargo und Contargo bringen ihre spezifischen Fähigkeiten ein. Deshalb ist eine gemeinsame Kontrolle entscheidend für das Gelingen des Jahrhundertprojekts Gateway Basel Nord.“

Hafenanschluss später

Das von der Basler Stimmbevölkerung an der Urne abgesegnete Millionenprojekt auf dem Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs der Deutschen Bahn zwischen Weil am Rhein und dem Badischen Bahnhof musste viele Hürden nehmen: Vorgesehen war dem bisherigen Zeitplan zufolge die Inbetriebnahme des Umschlagplatzes von Schiene auf die Straße bis Ende 2025. Demnach wird sich auch der Hafenanschluss in Form eines dritten Hafenbeckens und somit der angestrebte Ausbau zu einem trimodalen Terminal verzögern. Dieser hätte eigentlich Ende 2028 in Betrieb gehen sollen.

Viel Kritik an Großprojekt

Doch Einsprachen verzögerten das Infrastrukturprojekt, welches laut Initiatoren 100 000 Lastwagenfahrten durch die Schweiz verhindern, die Basler Rheinhäfen entlasten und mehr Güter auf Fluss und Schiene verlagern soll.

Gegenwind kam unter anderem von Pro Natura Basel, weil das Hafenbecken 3 in einer Naturschutz-Zone geplant ist, wo sich in den vergangenen Jahrzehnten eine einzigartige Pflanzen- und Tierwelt angesiedelt hat. Mögliche Ausgleichsflächen könnten diesen Verlust nicht wettmachen, hieß es noch vor zwei Jahren. Und der „Dorfverein“ des anliegenden Stadtquartiers Kleinhüningen wehrte sich dagegen, weil er mehr Verkehr unter anderem mit gefährlichen Gütern durch das Quartier befürchtete. Daher können weitere Einsprüche nicht ausgeschlossen werden.

Ausgleichsmaßnahmen

Als Antwort auf die Kritik der Umweltschützer hat GBN vergangenen März ein ausgeweitetes Naturschutzkonzept beim Bundesamt für Verkehr eingereicht. Dabei handelt es sich um eine Fläche, die insgesamt viermal größer ist als das für das Projekt überbaute Gelände, welches insgesamt 11,5 Hektar in Anspruch nehmen wird.

Auf einer 45,8 Hektar großen Ersatzfläche sind diverse Maßnahmen geplant. So ist auf dem Gelände beim Hafenbahnhof zusätzlich zu den bereits angekündigten Maßnahmen eine Naturbrücke vorgesehen, um den Wanderkorridor für die Tiere und Pflanzen zu stärken. Über den Verkehrsflächen wird laut Planungen eine rund 4000 Quadratmeter große und etwa 300 Meter lange Brücke entstehen, auf der eine artenreiche Trockenwiese angelegt wird. Bei der Hard in Pratteln soll das Gebiet in einen struktur- und artenreichen Waldlebensraum umgewandelt werden.

Gegen Monopolstellung

Gegen das einst mit 250 Millionen Franken angesetzte Vorhaben, welches der Kanton Basel-Stadt finanziell unterstützen wird, kämpft auch das Logistikunternehmen Swissterminal mit juristischen Mitteln.

Dessen Geschäftsleitung bezeichnete Gateway Basel Nord als überrissen und unrentabel. Weiter würde sich SBB Cargo damit eine Monopolstellung verschaffen, subventioniert mit Steuergeldern. Private Firmen würden aus dem Markt verdrängt.

So hat Swissterminal vor drei Jahren gegen die positive Entscheidung der Wettbewerbskommission (Weko) zum geplanten GBN beim Bundesrat eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht, da sich das Unternehmen im Wettbewerb an den Rand gedrängt sieht. Mittlerweile betreibt Swissterminal die drei französischen Binnenhäfen in Ottmarsheim, Huningue-Village-Neuf und Ile Napoléon und positioniert sich als Mitbewerber von Gateway Basel Nord von elsässischem Boden aus.

Darüber hinaus meldete sich auch die IG Schiffsführer Basel – ein Zusammenschluss aus rund 100 Berufsschiffern, die Basel regelmäßig anfahren – zu Wort: Das Hafenprojekt bringe der Schifffahrt nur Effizienzverluste und Mehrkosten, urteilten damals die Schiffsführer.

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