Das baselstädtische Parlament gibt grünes Licht für eine neue Notschlafstelle nur für Frauen. Für die Einrichtung an der Rosentalstraße bewilligte es gestern einstimmig 850 000 Franken im Jahr sowie einmalige Investitionskosten von 105 000 Franken.

Von Adrian Steineck

Basel. Derzeit werden Männer und Frauen in der bestehenden Notschlafstelle an der Alemannengasse gemeinsam untergebracht, wobei die Frauen aber ein eigenes Stockwerk haben. Am neuen Standort sollen in kleinen Zimmern auch längere Aufenthalte möglich sein; zudem ist eine Beratung durch Sozialarbeiter geplant. Die Frauen-Notschlafstelle ist als Pilotprojekt angekündigt.

Eröffnet werden soll die Notschlafstelle für Frauen Mitte diesen Jahres, wie Rudolf Illes, Amtsleiter Sozialhilfe beim Basler Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, auf Anfrage unserer Zeitung sagt. Der Bedarf an einer solchen getrennten Unterbringung von Männern und Frauen ist durchaus gegeben, wie Illes sagt.

Angst vor Übergriffen ist bei Frauen ein Hindernis

„Wir haben von Organisationen, die in Basel Dienstleistungen für Obdachlose anbieten, gehört, dass Frauen teilweise aus Angst vor eventuellen Übergriffen nicht in der Notschlafstelle übernachten.“ Heute würden durchschnittlich sechs oder sieben Frauen in der Notschlafstelle übernachten. Wie viele es in einer zukünftigen separaten Notschlafstelle sein werden, könne der Amtsleiter nicht sagen.

Das Angebot der Notschlafstelle ist niederschwellig. „Grundsätzlich können alle Personen, die volljährig sind, dort übernachten“, legt Illes dar. Für Personen, die nicht in Basel gemeldet sind, ist der Preis aber erheblich höher. So zahlen ortsfremde Nutzer 40 Franken pro Nacht, Personen, welche in Basel gemeldet sind, müssen 7,50 Franken entrichten.

Auf die Frage, ob es spezifische Konflikte oder Probleme gibt, die auftreten können, wenn Frauen unter sich sind und die es so zwischen Männern nicht gibt, macht Illes deutlich: „Nein, unseren Erfahrungen zufolge gibt es keine Unterschiede.“ Auch das in Deutschland immer wieder diskutierte Thema der Altersarmut gerade bei Frauen, die eventuell eine Witwenrente beziehen und damit kaum leben können, beobachtet Illes zumindest in der Basler Notschlafstelle so nicht. „Wir haben sehr wenige Frauen über 65, die in der Notschlafstelle übernachten.“

Einen Konflikt zwischen der Notschlafstelle und der Wärmestube Soup&Chill gab es im vergangenen Jahr. Die Wärmestube hatte die Basler Bevölkerung dazu aufgerufen, Schlafsäcke für Mittel- und Obdachlose, die von der städtischen Notschafstelle nicht aufgenommen werden, abzugeben.

Konflikt mit Wärmestube ist beigelegt worden

Die Aktion war um die Jahreswende 2016/2017 herum auf rege Resonanz gestoßen. Hintergrund war damals, dass die Sozialhilfe die Wärmetube an der Meret-Oppenheim-Straße aufgefordert hatte, weniger Gutscheine an außerkantonale und ausländische Wanderarbeiter zu vergeben, die damit in der Notschlafstelle einen Platz zugewiesen erhielten. Statt weniger vergab Soup&Chill aber mehr Gutscheine, so dass die Notschlafstelle die Reißleine zog. Dieses Problem ist aber laut Illes beigelegt. „Dieses Jahr haben viel weniger Wanderarbeiter in die Notschlafstelle übernachtet.“ Die Abläufe in der Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Wärmestube Soup&Chill, die selbst keine Übernachtungsmöglichkeiten bietet, konnten geklärt werden.

Andreas Tännler, Teamleiter des Vereins Soup&Chill, hat diese Einschätzung jüngst im Gespräch mit unserer Zeitung geteilt. Er freute sich darüber, dass alle Beteiligten an einer einvernehmlichen Lösung gearbeitet haben. Diese besteht darin, dass während der Wintermonate 30 Gutscheine monatlich vergeben werden dürfen.